Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 51 (20.12.1929)
- Date
- 1929-12-20
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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teirinö cbktt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSG&M&IND& ZU I f-|D7|fZ. AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT LhI■ IV7der gemeindeverwaltungb Diia ('•emrlntli-blntl rriuhrliit trilrn prrltag und wird den MHgllrdcrn dir K< llxlousitrrm lndr unrntgi Itlldh durch dir l'ust mtMc Ilt - Srhrlftlrltiin|<: (irmrlndt'rnhblnrr Cusmv Cohn, Lrlpzlu, LohrMraöc IO NUMMER 51 / JAHRGANG $ FREITAG 20.DEZEMBER1020 Air/t'lnfnirru.illunn und Drudl Hu«lHinnivri .1 All|fllM Pries, Lelp/iK, BrOdi-rstr- 90 - Krrnrul 7t*><*> - R*t> ftdhedk Lriuztfi 5392t» — NiidhdruuV nur um Quellen« rtimalM* iiml mit <irnrhmtuntiu dt*» VerfiMMfl ir<'*t 'ttrt Durch den Tod des Herrn Arthur Weil hat unsere Gemeinde einen schmerzlichen Verlust erlitten. Der Entschlafene hat in der Zeit von 1921 bis [928 das Ehrenamt eines Synagogenkommissars bekleidet. Wir werden seiner stets dankbar gedenken. Leipzig, den 17. Dezember 1929 Der Vorstand und die Verordneten der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig FRANZ ROSENZWEIG GESTORBEN In der Nacht zum 10. Dezember ist in Frankfurt a. M. Frau/ Rosenzweig gestorben. Auf ihn darf in geringer Abwandlung das Wort angewandt worden, mit dem er selbst Hermann (lohen gezeichnet hat: „So groß das Werk dieses Mannes dasteht, ...... so ist er selber doch immer noch größer gewesen als sein Werk." Qrundlegend ist das Werk dieses (ieistes, das er in wenig mehr als einem Jahrzehnt geschaffen hat. Von ungewöhnlich schöpferischer Kraft zeugt sein p hi losophischer Systembau: Stern der Erlösung (1921), ein hochragendes Buch, so tief und so gewaltig in seiner Sprache und seiner Oedankenfügung, da» erst jetzt mit seiner Bewältigung begonnen wird. Ober die Philosophie als Wissenschaft vom All hinaus verlangt die Individualität, daß „von der Welt als Qegenstand der Logik und von Gott als Qegenstand der Physik der Obergang zur Meta-Physik, Meta-Logik und Meta-fZthik gefunden werden." Bei dieser Zielsetzung seines Denkens umschreibt er Begriffselemente als Vorbedingungen einer religiösen Mystik, die er durch „Schöpfung", „< »ffenbarung" und „Erlösung" zu einer inhaltlichen positiver, religiösen Anschauung entwickelt. „In dem Kapitel von der ewigen Oberwelt mündet diese aus in der Verklärung des Judentums zum ewigen Volke, das gerade um seiner Geschichtslosigkcit willen seine eigene Zeit, sein geistliches Jahr lebt und außerhalb des Staates, der mit seinem Schwerte die Stunden der Weltgeschichte einkerbt, eine wahre Ewigkeit der allzu weltlichen Schein-Ewigkeit entgegensetzt" Bahnbrechend ist seine Übertragung alten hebräischen Schrifttums: Je hu da Ha levis Hymnen und Qedi:hte (1024: Sechzig Hymnen und Qedichte des Jehuda Halevi, in 2. Auflage: Jehuda Halevi 92 Hymnen und Gedichte). Und vor allem: Die Schrift, die er gemeinsam mit Martin Buber übersetzte (das Buch Jesaja hat Rosenzweig noch abgeschlossen). Eine neue offenbarende Kraft der Sprache soll den Weg zu den alten heiligen Schriften öffnen: eine deutsche Sprache, in der der Cieist des hebräischen Urtextes /um Mitklingen gebracht werden soll! — Anregend ist sein wissenschaftlicher Weg. Seine an Hermann Cohen gelichtete Schrift: Zeit ist's (1917) gab den Anstoß zur (iründung der „Akademie für die Wissenschaft des Judentums", jenes Instituts, dem die Wissenschaft schon eine ganze Reihe hochbeachtsamer Forschungen und Werke verdankt. In Frankfurt a. M. (und nach dem dortigen Vorbild in einer Anzahl anderer (iemeinden) ist nach seinen Plänen ein „jüdisches I.ehrhaus" entstanden, in dem jüdisches Wissen in zeitgemäßen Formen vermittelt wird.