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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1929-12-06 · 49 (6.12.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
5 (1929)
Issue
49 (6.12.1929)
Date
1929-12-06
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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6. Dezember 1929 QEMCINOEBLATT DER ISRAELITISCHEN KLT.KilONSüEMElNDE ZU LEIPZIQ Seite 7 Häuser / Hypotheken / Hausverwaltunsen REIMANN & KIRMSE / LEIPZIG LEPLAYSTRASSE 3 GEGRÜNDET 1907 FERNRUF 23576 Jüdische Verbände und Gemeinden Das Heilerziehungsheini in Marburg In der „Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Hessen und Waldeck" berichtet Direktor w i 11 - Marburg a. L über das seit einem Jahre in Marburg bestehende Erziehungsheim. Der Bericht über die erste jüdische Anstalt diese Art ist für weitere Kreise so interessant, daB wir ihn hier wiedergeben: Das jüngste (ilied in der Kette jüdischer Wohlfahrtseinrichtungen iDeutschlands, das Israelitische Hellerziehungshei m in Marburg an der Lahn blickt auf eine Tätigkeit von einem Jahre zurück. Nach dem Qutachten hervorragender Pachleute wurde das Qebfiude des früheren israelitischen Schüler- und Lehrlingsheims in Marburg für die Zwecke des Heilerziehungshelms im Sommer 1928 hergerichtet. Zur Zeit sind 15 Zöglinge Im Heiin im Alter von 8 bis IS Jahren. Weitere Aufnahmegesuche liegen vor. Von diesen IS Kindern sind eingewiesen: fünf von den städtischen Bezirksjugendämteru und dem Wohlfahrtsami der jüdischen Gemeinde Berlin, zwei von dem städtischen Pürsorgeuiut und der jüdischen Wohlfahrtspflege in Prankfurt am Main, einer von der zentralen israelitischen Wohlfahrts- Stelle von Nürnberg, einer von dem städtischen Wohlfahrtsamt und der Wohlfahrtsstelle der Synagogengemeinde Düsseldorf, zwei vom Landeshauptmann in Wiesbaden, einer vom Landeshauptmann in Kassel, drei von privater Seite. Unter den IS Kindern sind zwei sehr schwierige, davon ein Enoephalitiker und ein schizonider Psychopath. Die Kinder kommen größtenteils als milieugeschädlgl in das Marburger Heim. In mehrerei, Pillen sind die Ehen der Eltern geschieden, die Mütter wiedei erwerbstätig. Oft erwiesen sich die Litern als erziehungsunfähig. Manche dieser Kinder besitzen eine schlechte Erbmasse und habeii schon viel Elend in der elterlichen Umgebung Im zartesten Kindes* alter gesehen. Aus unserer Jahresstatistik geht hervor, daB die Zöglinge nicht Immer mit Defekten behaftet überwiesen wurden. Oft hat das Heiin nur eine prophylaktische Aufgabe, Kinder vor Entstehung ksychopathischer Konstitutionell zu bewahren, die sich in einem defekten Milieu mit grofler Wahrscheinlichkeil entwickelt hätten. Mit Ausnahme eines achtjährigen Knaben, der nach einer (irippcerkr.mkuiiK eine Encephalitis erworben hatte und uns durch diese unheilvolle und bOsartigC Krankheit viel zu schaffen machte, haben wir mit den Kindern von 8 12 Jahren im allgemeinen eine dankenswerte Arbeit, die Aussicht auf Erfolg hat. Der Umstand, daB unser Heim bei der geringen Anzahl der Zöglinge den Charakter einer groben Familie hat. schafft eine gemütliche und beruhigende Atmosphäre uuu bringt Leiter und Erzieher in eine enge Beziehung zu dem einzelncii ZOgling. Dali eine Innige Verbindung zwischen dem Heim und dei hiesigen Universilätsnerveiiklinik besteht. muH besonders hervorgehoben werden. Von groBer Bedeutung für Leiter und Erzieher des INGER Nähmaschinen in altbewährten Güte ♦ Weitestgehende ZatHun(Jserlei chterunQe r 1 t; Mäßige Monatsraten SINGER NÄHMASCHINEN AKTIENGESELLSCHAFT Singer Läden überall Heims verspricht das heilpädagogische Seminar zu werden, das bei Beginn des Wintersemesters begründet und von dein Oberarzt dei Nervenklinik, dein Privatdozent Herrn Dr. Maur, geleitet werden wird. Die Erzieher des Heinis haben bereits ihre Beteiligung au dei. Arbeiten des Seminars zugesagt. Line sehr wichtige Rolle spielte bei unseren Kinder die Beschulungsfrage. In der ersten Zeit schickten wir die Kinder in die hiesige einklasslge jüdische Volksschule. Ahe. diese einklasslge Schule erwies sich für unsere nervösen Zöglinge fin sehr Ungeeignet, so dal.1 eine eigene Heimschule gegründet werden muBte. Die Schaffung der Heimschule hat dazu beigetragen, dali die Kinder von der Gefahr der Strafte ferngehalten wurden Ls wurde aber auch von Fall zu Fall geprüft, ob sich ein Kind doch für eine andere Schule, insbesondere eine höhere, eignet. Um die Kinder zu produktiver Arbeit anzuhalten, haben wir vom ersten Taue unserei Erziehungsarbelt an darauf gesehen, |c nach geistiger oder manueller Fähigkeit, die Kinder In ihrer Freizeit zu nutzbringender Arbeit anzuhalten. Die Erzieherin lehrte die Kinder das Einrahmen von Bildern. Die kleinen erhielten Unterweisung In Klebarbeit, die grollen Im Laubsägen und Kerbschnitt. Line ganze Reihe niedlicher Gebrauchsgegenstände entstand. Schließlich wurde uns ein Morgen Land zugewiesen, auf dem Gartenbau getrieben wird, der für unsere Küche schon manchen Ertrag lieferte. Dann sei noch erwähnt, dah. abgesehen von dem planmSBIgen Turnunterricht, für den wir Recks. Harren. Sprungständer, Ringe, Schaukel und Trapez, zur Verfügung haben, fast täglich auf Anraten des Nervenarztes rhythmische Gymnastik getrieben wurde. So haben wir im ersten Jahre des neuen Heinis uns bemüht, mit offenen Auwelt zu .schauen und nach Arbeitsmethoden zu suchen, die uns befähigen, das Seelenleben eines jeden Kindes zu erfassen, seine Eigenart zu erkennen und in jedem Kinde das Qefühl wachzurufen. daB wir bei all unseren Maßnahmen darauf bedacht sind, den Kindern Hilfe und Erleichterung in ihren seelischen Nöten zu gewähren, Im Bewußtsein der schweren Aufgabe unseres Werkes, ein Hellerziehungsheim zu sein. Die Hauptversammlung des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten Der Reichsbund indischer Frontsoldaten hielt am 23. und 24. November seine diesjährige Hauptversammlung ab, die von Hunderten von Delegierten aus Berlin und aus dem Reiche besucht war. Nach einein BegrüBungsabend, den die Ortsgruppe Berlin In den Pesträumen bei Kroll am Sonnabend «ab. wurden am Sonntag vormittag Im Logenhaus Kleiststralte die geschäftlichen Verhandlungen mii einei Ansprache des Huudesvorsiizeuden Hauptmann a. D. Dr. Löwenstein eröffnet. Neben bedeutsamen politischen und kulturellen Referaten wurden insbesondere die brennenden Probleme der Abwehr und der Siedlung in ausgedehnten Diskussionen behandelt und entsprechende Beschlüsse gefaßt Die Verhandlungen, die sich auch mit den Polgen der letzten Kommunalwahlen befahlen, waren interner Natur. «42« Bestellungen für feine Ko nd i toreiware n unter Tel 202 14 oder im Laden All$UftU*plA l C erbeten lnh.1 ERNST FISCHER frülicr lAn^jÄhri^fr IWditcr <Acr KonoKOftl JrQnl RridufcmWr" ii,v«ar ~AWf+$rr CORSO KONDITOREI KAFFEEHAU/

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