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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1929-11-22 · 47 (22.11.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
5 (1929)
Issue
47 (22.11.1929)
Date
1929-11-22
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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22. November 1927 QEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIQIONSQEMEINDE ZU LEIPZIG Seite Ii Wähle Liste Kesten bäum r, Goldwasser Rosenbaum Neue Bücher H. Tykoclnskl, Diu gaoaU sehen Verordnungen (nupn) (VeröRentlichungen der Akademie für die Wissenschaft des Judentums. Historische Sektion: Fünfter Band). Berlin 1929 (Akademie-Verlag). Neben dem unvergänglichen Verdienste, das sich die babylonischen Hochschulen dnreli Schaffung des Talmuds erworben, stellt ein anderes, das wohl nieht so sichtbar und dennoch nicht minder bedeutungsvoll für die Entwicklung des Judentums gewesen ist: die führende Stelluni; ihrer Haupter, der liaonen. in einer Zeit tiefgreifender Umgestaltungen im Leben der Juden, niese LeistuiiK der (iaonen wird durch das vorliegende! gans vortreffliche Werk in helles l.icht gerückt. Es ist in erster Linie wissenschaftliches 'Miellen» erk. Ks vereinigt sämtliche Nachrichten, die über gaonlische Verordnungen sprechen, unterzieht sie einer eingehenden Prüfung und stellt aus diesen Hinweisen die Verordnungen, die weder im Original noch in Abschriften VOrüegenf ihrem Inhalte nach wieder her, ermittelt bei einer stattlichen Zahl auch ihre Entstehungsteit und -ort wie den Namen ihres 'Urhebers. Aber darüber hinaus gewährt die Untersuchung sehr wichtige Rückschlüsse auf die Tatsachen, denen sie ihren Ursprung verdanken. Her Vergleich mit den entsprechenden taliniidischcn Vorschriften macht deutlich, dall diese Verordnungen neue Einrichtungen der (iaonen sind. Zum Teil kamen sie durch gemeinsamen (Ärmlichen Beschful der beiden Akademien. vereinzelt auch unter Mitwirkung des f.xilsfürstcn, fUtlande; andere wurden zunächst von einer Akademie festgestellt, von der anderen und am Gerichtshöfe des Exilsfürstcn dann anerkannt; einzelne gellen wohl auch auf das Oewicht der Autorität eines (iaon selbst zurück. Vornehmlich betreffen sie das Zivilrecht, doch trafen die (iaonen auch sul manchem anderen Qebietc, besonders dem des (iottesdieiistes, viele Einrichtungen, die im Talmud nicht erwähnt sind, oder von dessen Vorschriften abwichen. Notwendig wurden sie durch die Veränderung in den Lebensverhältnissen, die in mancher Hinsicht einschneidende MalJnahineii bedingten. Die alten formen der jüdischen Gemeinschaft wurden durch die Entstehung des Weltreiches der Kalifen und das damit verbundene regere Leben erschüttert: die alten Sitten der luden lockerten sich vielfach: es eröffnete sich für die »widerspenstigen" Ehefrauen die Möglichkeit, entgegen den talmudischen Bestimmungen eine Ehescheidung mit nicht jüdischer Hilfe zu erzwingen: die Handelstätigkeit der luden nahm zu und steigerte das Bedürfnis nach lletriebskaiiit.il. Derartige Wandlungen lielien neue Maßregeln erforderlich werden, damit die alten Vorschriften den gegebenen Verhältnissen SUgepaBt würden. Es zeugt nicht nur für das Ansehen, sondern auch für den Weitblick jener Männer, dal sie die Zeichen der Zeit verstanden und ihnen gerecht wurden. — Iis ist ein Stuck judischer Kulturcntw icklung. das in diesem Quellenwerke vor uns ausgebreitet wird, und der Akademie für die Wissenschaft des Judentums gebührt der aufrichtige Pank aller an gründlicher Erforschung jüdischer Werte Interessierten Arbeiten wie die vorliegende sind ein neuer Beweis für die außerordentlich wichtige Aufgabe, die die Akademie erfüllt, und sollten ihr Sahire icke neue Förderer und Freunde zuführen. Q. C I lse Schubert-Christaller. Jüdische l egenden. Heilbronn 1929 (Verla« Engen Saiger), Unerschöpflich ist der Reichtum an Bitten in dem „Wandergarten der Hazgadah". Mit dichterischem Vermögen hat die nichtiüdische Verfasserin diesen Hilft verspürt, sich von ihm anziehen bissen und ihm Worte gegeben, die seine Kanze Schönheit aufzeigen. Legenden unseres isgadischen Schrifttums nachzuerzählen ist schon häufiger versacht worden. Aber wir gestehen: so stark sind ihre (icnii tsw erte. ihre sittlichen Kraite. ihre fesselnde Anmut und ihr packender Reis selten geprägt worden wie hier. Ist es die Schlichtheit Iroeamet Qeflhle, die so stark wirkt? Das teuer echter Begeisterung? Die Reinheit tiefen N.ichcmpfindeiis? Es is| .dies dies, aber noch ein anderes: der Zauber jüdischer (ieiühlswerte vermag, das beweist dieses Uuchlem. einen Menschen so g.mz. zu ergreifen, wenn er nur liebevoll ihn .uif sich wirken lalit. Die Verfasserin h.it schon früher dafür gezeugt durch ein Büchlein, in dem sie mit so viel Verslandiiis vom jüdischen QottesdicnSt und seinen Qebeten spricht. Auch dieses neue liüchlcin wird zahlreiche freunde linden. Seine anziehende Ausstattung macht das schmucke Bindher. zu einem schönen Ocsehenk, an dem Junge und Alte herzliche Freud« haben werden. 0. C. J. tterzberg, Moses Mendelssohn. Ein Lebensbild dir die israelitische Jugend. Herausgegeben unter Mitwirkung der Jugendschriften- Kommission der QroBloge iür Deutschland VIII UOBB. .'. verbesserte Auflage. Leipzig 1929 (Verlag M. W. Kaufmann). Unter den für die .lugend bestimmten Schriften über Moses Mendelssohn nimmt das Büchlein von flersberg einen ersten Platz ein. Seine dein kindlichen Verständnis angepaßte Darstellungsform macht unsere Knaben und Mädchen mit dem Lebensgange und der Bedeutung dieses groBen Mannes bekannt, der an einer Wende indischer (ieschichtc einen tiefen EiniluU ausgeübt hat. Wie aus dem armen Knaben, der noch dazu mit allen erdenklichen äußeren und inneren Hemmungen fertig zu werden halte, dieser bedeutende Denker geworden ist. das stellt Herzberg in fesselnder Weise dar. Seine Beliebtheil bei der .lugend hat das liuch dadurch bewährt, dal) eine neue Auflage notwendig geworden ist. Auch die zweite wird den Mann und sein Leben als Muster und Vorbild der .lugend nahebringen. —n. Mini Wolff, Lehrbuch der israelitischen Religion für Prosclyten. Leipzig 1929 (Verla« Qustav MiikcI). Mit bewunderungswürdiger Elastizität hat der greise Verfasser seiner Reihe von praktischen Religionsbüchern dieses neue hinzugefügt. Man kann grundsätzlich der Ansicht sein, dall es eines besonderen Lehrbuches fur Proselyten um so weniger bedurfte, als dem Judentum der (iedanke jeglicher Mission fernliegt, dein Uebertritt Andersgläubiger im Gegenteil nach der jüdischen I eberlieferung Schwierigkeiten entgegengestellt werden, für diejenigen fälle jedoch, in denen der Aufnahmesuchende auf seinem Wunsche beharrt, ist das vorliegende Lehrbuch trotz kleiner Mängel, die bei einer späteren Auflage beseitigt werden können, als sehr geschickt anzuerkennen. Es vereinigt in sich eine Einführung in das Hebräische und in die jüdische Lehre, ihre Quellschriften, ihre Gebrauche, ihre besonderen, sie von der christlichen unterscheidenden (ilaubeiisanschaiiungcn und Sittenlehren. Unter dem Qesichtspunkl »das Martyrium der .Inden" sind auch einige Teile der jüdischen Geschichte herausgehoben, fur den Leseunterricht hätte eine SOrgtältigere Korrektur vorgenommen werder. sollen, für den Inhalt hätten wir gerade in diesem Zusammenhange weniger den apologetischen Untertou gewünscht. Dagegen dem religiösen (iesetze. zumal der jüdischen Sittenlehre, breiterer Kaum gegeben sein sollen. Trotz, dieser Beanstandungen darf das Much als für den ihm zugedachten Sonderzweck recht geeignet bezeichnet werden: die Auswahl der Themen und ihre Zusammenfügiing verraten den erfahrenen Lehrer. Das lluch wird sich zweifelsohne als sehr nützlich erweisen. —o—. Der „Thesaurus Ken Yehuda" im Manuskript beendet. In Berlin weilt gegenwärtig Herr Ehud Ben Yehuda aus Jerusalem, Sohn des 1923 verstorbenen hervorragenden hebräischen Sprachforschers flieser Heu Yehuda, um die Drucklegung des großen „Millon" (Thesaurus totius flcbraitatls), des Lebenswerkes von Elleser Ben Yehuda, das im Verlag Laiigenscheidt in Herlin in 12 Monnmentalblnden erscheint, zu fördern, flicscr Heu Yehuda ist Schöpfer der modernen gesprochenen hebräischen Sprache. Iür deren lebendige forteilt» icklung er Außerordentliches geleistet hat. Die Vollendung und Herausgabe seines ..Millon" wird von seiner Witwe und seinen Kindern forlgesetzt. In einem Qesprlch mit dem J. I .A.-Vertreter teilte Herr Lhud Heil Yehuda mit. dal) das Manuskript des Thesaurus bereits fertiggestellt ist und dall die Familie Heu Yehuda nunmehr an die Herausgabe der letzten Hände schreitet. Mein Vater, fuhr Herr fluid Heil Yehuda fort, h.it 19 fahre vor dem Auftreten Theodor Herzls unter dem Motto „Eine Sprache, ein Volk, ein Land" mit der Wiederbelebung der hebräischen Sprache in frez Israel begonnen. Mit meinem Uruder IthaSMf Heu Avi hat er die erste hebräische 1 ..ges/eitung „Do.ir llayom" begründet. Sein „Millon" ist das auf jahrzehntelanger Forschung beruhende größte und vollkommenste Wörterbuch der alt- und neuhebrüischen Sprache. Vor 48 fahren begann er mit der Abfassung desselben. 1909 übernahm der Verlag Professor Q. Laugensclici.lt. Berlin-Sc böneberg, die Herausgabe dieses Werkes, dessen Erscheinen die wissenschaftliche Welt mit Spannung entgegensah. Noch zu Lebzeiten des Vel f.issers erschienen die ersten fünf Hände (bis zur Vollendung des Buchstaben „Lamed"). flieser Heu Yehuda hat das ganze Werk noch selbst vollendet Die vier letzten Kuchstahcn hat der Verlasser in vollständigem Material zurück gelassen, um die Sichtung and Anordnung derselben bHtb seiner Fa-

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