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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1929-11-15 · 46 (15.11.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
5 (1929)
Issue
46 (15.11.1929)
Date
1929-11-15
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Seite 3 Rabbi Schmelke und Rabbi Wolf, dem Fröhlichen, von jener liebenswerten Qestall des Qottesnarren Sussja, und der des Apter Rebben, dessen Lesenden die Qeschichte seiner Wandlung vom Gerechten zum Liebenden ist, und dessen Qrabstein mir die Worte Haut: „Der Israel liebte", Martin Buber verlebendigte in seiner Person iür uns das Bild lener Rebbegestalten des alten Chassldlsmus, von denen er selbst sagt, «JaIi sie nicht mussar predigten, nicht mit Gewalt verbessern und erziehen wollten, und doch ihren gewaltigen Einfluß auf die Menschen hatten, iiicln weil sie ihn haben w Ol 1 ten, sondern weil sie ein großes Beispiel leinen und durch die Unwillkürlichkeit Ihrer Person und ihres Haseins wirkten. Wir haben Buber viel zu danken, und das soll heißen: Wir haben nachzudenken. Dr. Sophie Cassel. Jüdische Familienforschung Die Anteilnahme an der famillengeschichtllchcn Forschung isi in Jen letzten 20 30 Jahren in weiten Volksschichten außerordentlich gewachsen, in indischen Kreisen allerdings nicht in dem Maße, wie es zu wünschen wäre. Das man darin liegen, daß erst seit wenigen Iahten eine Zentralstelle hierfür geschaffen worden ist. Immer und ZU allen Orten hat es luden gegeben, die sich für ihre Herkunft, ihre Vorfahren, für deren Tun und Treiben lebhaft interessierten. So mancher hat Daten und Namen sorglich nesammelt. Noch viel größer ist die Zahl derer, die zu schriftlicher Fixierung niemals gekommen sind, die aber in lebendigem Wort ..der Väter gern gedenken" und versuchen, die mündliche Überlieferung ins Herz, der Enkel zu senken. Aber trügerisch und vom Zniall abhängig ist das Schicksal solcher Familientradition. Unendlich klein ist die Zahl der jüdischen Familien, die auch nur seit drei Generationen am selben firtc hausen. Stadtleben und Großstadtkultur sind allem, was Tradition heißt und Familiensinn fördert, gar wenig hold. Die Familie wird aufgelöst, ihr Zusammenhang gelockert; sehr oft bleibt die ältere Generation In der Provinz, zurück, die Kinder wachsen In der Großstadt auf. ohne ihre Großeltern zu kennen, und die beste Gelegenheit zu lebendiger Anschauung der Vergangenheit Kein verloren. Teilen die indischen Familien dieses Schicksal mit allen, auch den nicht indischen Großstädtern, so kommt bei ihnen noch hinzu, daß der Glaubenswechsel, die Taufe oder doch die religiöse Indifferenz und Gleichgültigkeit geeignet sind, zwischen Nachfahren und Vorfahren eine kulturelle Kluft zu schaffen. Das bedeutet aber nicht bloß einen Verlust für das indische Individuum, sondern für das ganze Judentum. Wie dem Antaeus der griechischen Sage die Berührung mit seiner Mutter Erde stets neue Kraft verlieh, so zieht die nichtjüdische Welt aus der nährenden Scholle die erhaltende Lebenskraft. Die Städter sterben ans. aber die Städte bestehen durch den Nachzug vom Lande. Von hier fließt dauernd frisches Blut in den Adern jedes Volkstums und befruchtet und erhält seine Kultur. Anders beim .luden. Seil Jahrhunderten vom Bodenbesitz ferngehalten, isl er dennoch am Leben geblieben. Was ihn erhielt, war seine Familie. Sie mußte vieles ersetzen. Sie war die Muttererde, aus der die Fähigkeit wuchs, den Stürmen der Verfolgungen, den Kämpfen des Alltags durch die Zeilen zu trotzen. Sie M heule iür dieses Volk ohne eigen Land, ohne eigene Sprache mindestens für die vielen, die Ritus und Dogma entfremde) sind, die einzige, Klammer geworden, die sie mit ihrem Wurzelboden verbindet und im Judentum festhält. Wer daran arbeilet, den Zusammenhang der jüdischen Familie zu erhallen und dem einzelnen das Interesse und die Kenntnis der Vorfahren zu vermehren, der wirkt nicht bloß für die Erhaltung des Judentums, sondern auch für die Ertüchtigung und Rückenstärkung der nach uns Kommenden, denn der Durchforschung der eigenen Familie wohin ein kaum zu überschätzender Wert Inne für die Erweckung eines gesunden und berechtigten Selbstgefühles. Der „Gesellschaft für jüdische Familienforschung", die seit 1924 besteht, ist es gelungen, ihre Ideen in erfreulichem Maße zu verbreiten. Sie zählt zur Zeit etwa 5i>u persönliche und etwa 30 korporative Mitglieder, letzt .jlt es, dahin zu streben, weitere Kreise heranzuziehen. Je Krößer die Zahl, um SO mehr kann geleistet und Ulli so mehr dokumentarisches Material kann erschlossen werden. Gerade in bezug darauf bietet sich noch ein weites Feld der Betätigung. Ein ungeheueres Urkundenmaterial liegt noch zerstreut, unbeachtet und vernachlässigt herum. I >a ist vor allem das, w as i u d e n b a m 111 e n noch au allen Urkunden vorhanden Ist ''her kurz und lau« dürfte es verloren sein, wie leider schon so vieles unwiederbringlich dahin ist. Hier nilt es zu reiten, was noch zu reiten ist. Da sind weiter die allen (iemeindeakten. die viel wertvolles Matertal einhalten. Sie sind bisher meistens sehr stiefmütterlich behandelt, Dann das unübersehbare Material der sogenannten „Judenakten" aus der langen, vielhundertjährigen Schutzludenzeit. Die Akten liegen in den Städtischen und staatlichen Archiven und sind in sehr vielen Fällen noch vollzählig vorhanden. Es bedarf nur ihrer Erschließung. Sie neben über viel .luden der früheren Zeit weitgehende Auskunft. Perner die Protokolle über die Annahme der Familiennamen aus dein Anfang des vorinen Jahrhunderts. Man sieht, in welch weitem Maße es möglich ist. außer der Betätigung für die eigene Familie, Forschungsmaterial für das Archiv der Gesellschaft und für ihre Zeitschrift (die „Mitteilungen") zusammenzutragen. In diesen „Mitteilungen" bringt die Gesellschaft stets ein reiches und interessantes genealogisches Material und solches aus den Grenzgebieten der Erbforschung und Eugenik. Die „Mitteilungen" erscheinen vierteljährlich, doch ist in Aussicht genommen, sie mit dem Wachsen der Gesellschaft zweimonatlich erscheinen zu lassen und ihren Inhalt zu erweitern. Probenummern werden auf Wunsch unentgeltlich abgegeben. In dem Familie na rchiv ist es gelungen, die überwiegende Mehrzahl aller indischen Familienchroniken und zahlreiche s t a m m i a i e l ii zu vereinigen. Mit den Mitteilungen verbunden ist ein „Suchblatt", das Gelegenheit gibt Rundfragen zu veröffentlichen zwecks Aufschluß über Familienmitglieder oder -beziehungen. Diese Prägen fanden bis jetzt sieis Beantwortung, biswellen aus weiter Lerne. Hei weiterer Verbreitung des Blattes wird dieser Austausch Immer ergleblgei und wertvoller. In den wenigen Jahren ihres Wirkens und mit den immerhin bescheidenen Mitteln, die ihr zur Verfügung standen, hat die Gesellschaft schon recht Beachtenswertes erreicht. Jetzt ist der leitende Vorstand bemüht, weiterzuwirken: er ruft tieshalb weiteste Kreise auf. durch ihren Hei tritt zur Gesellschaft diese zu unterstützen. Wenn auch nicht iedes Mitglied gewillt oder in der Laue isi, tätin mitzuarbeiten, so werden doch Alle durch die „Mittellungen" in stetem Zusammenhang bleiben und bei genealogischen Arbeiten für die eigene Familie nach Möglichkeit Unterstützung seitens des Vorstandes finden. Eugen Melhejjer ■ . m mVm w s c-n ■*•«:■.-Peiersstraße 20 im Meßhaus-Neubau „Petershof" Elegantc nerrenwäsdie, stets dos Neueste In vornehmen Krawatten

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