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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1929-11-08 · 45 (8.11.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
5 (1929)
Issue
45 (8.11.1929)
Date
1929-11-08
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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ßemeinö cbktt DER ISRAELITISCHEN REL1GIONSGE-M&INDE- ZU I CID7I^L AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT La 1« ■■ Mm 1^7 DER GEMEINDEVERWALTUNG! Das Ormi'lndt'blall <-r»dii-lnl |<'drn I tritt* und wird den Mltullcdrrn der HrllKlunsKinirlndr unriiiKt-lilith durd« dir Fiml zuiirMrlll - S < h r 1111 r 11 u n k : GemrlndiTAhblntT ItUHIHV Cohn. L<-Ip/Iit. InhritrnbV lu NUMMER 45 / JAHRGANG S FREITAG 8. NOVEMBER 1020 Aiwlgrnvemrtllunii und Drink Hudulruikrrrl Au^UKt Pik«. Lelp<m, Knnl. rsir ,Sg - IVrnrut 7<H»iK» - PoMsdirck \x\\um ,S;j*jil' ~ rVidnlrutk nur nili UmHm - •iiiumIh* iiimI ihm * •t'lii>litlil|illitK <|r* \ rrtaNM-rs ^i st.ttlrt Der zweite Freitagabend-Gottesdienst in der Gemeindesynagoge Im amtlichen Teile des „Gemeindeblattes" gibt der Gemeindevorstand davon Kenntnis, dali am Freitag, dem 15. Novo m b e r, abends 7' i Uhr in der (i e m e i n d es y n a g o g e ein /weiter Freitagabendgottesdienst stattfindet. Mannigfache Umstände, vor allem der Wandel in den wirtschaftlichen Verhältnissen der Juden, haben dazu geführt, dali der Sabbath auf weite Kreise unserer Gemeinschaft seine religiöse Kraft nicht mehr zu üben vermag. Der harte Zwang eines ungemein schweren Lebenskampfes hat viele selbständige Juden und die Überwiegende Mehrzahl aller jüdischen Arbeitnehmer dahin geführt, dali sie den Sabbath /.um Werktage machen mußten. Mit tiefem Schmerze entbehren sie das kostbare Gut des religiösen Ruhetages. Das Getriebe der Arbeit verschlingt aber auch jene Stunden, in denen nach jahrhundertealtem Brauche in unseren Synagogen die Gemeinde zum Sabbathgebete sich vereinigen sollte. Und doch könnten solche Stunden viel von den unvergänglichen Wirkungen des Sabbaths auch denen «eben, die sie nicht restlos verspüren können. Sie würden das Bewußtsein der Verbundenheit mit der Gemeinschaft bewahren und stärken, durch die Pflege der Oberlieferung auch au die Pflicht ZU ihrer Weitergabe an die kommenden Geschlechter mahnen: würden die großen seelischen Werte, die aus erhebenden Andachtsstunden für die Stellung zu dun Fragen des Daseins und für den Mut zum Lebensschaffen Hießen, auch ihnen «eben. Wieviel Verlangen nach der Teilnahme au solchen Stunden auch den an unseren religiösen Ruhetagen Werktätigen noch innewohnt, beweist das unverkennbare Anwachsen der Beterzahl, sobald keine beruflichen Hindernisse dem Besuche des Gottesdienstes entgegenstehen; ganz besonders auch bei Jen Freitagabendgottesdiensten im Sommer, wenn sie zu späterer Stunde beginnen. Alle diese Erwägungen waren Anlaß, dali in unserer Rcligionsgemeinde solchem Bedürfnis Rechnung getragen werden soll, in einer Reihe anderer großstädtischer Gemeinden werden schon seit Jahren unter zahlreicher Beteiligung der berufstätigen Männer und Frauen, ganz besonders der Jugendlich e n , neben dem Gottesdienste bei Lintritt des Sabbath zweite Gottesdienste abgehalten, deren Besuch allen Berufstätigen durch die Ausetzung nacll Schluß aller Betriebe möglich gemacht wird. Wenn die gleiche Einrichtung nun auch in Leipzig getroffen wird. SO geschieht es in der Überzeugung, dali weite Teile unserer Gemeinde davon Gebrauch machen und damit beweisen werden, dali ihnen die Liebe zum Judentum nicht verloren gegangen ist. SOZIALISMUS IM ALTEN JUDENTUM Von Alexander Babad A. Sklavenverhältnisse. Eine immer fließende Quelle der Sklaverei hatten die alten Völker in den Kriegen, die nie aufhörten. Im Judentum hat es zwar auch Sklaverei gegeben, aber infolge der Frziehung durch die Religion und ihre Gesetze wurde sie von vornherein gemildert und am frühesten überwunden. Der Abscheu vor der Knechtschaft und die Liebe zur Freiheit, die unaufhörlich In der Bibel Ausdruck linden, ist der beste Beweis dafür, wie der Sklaverei zu Leibe gegangen wurde. Hier ein Beispiel: Du darfst nicht den Knecht seinem Herrn ausliefern, der sich zu dir vor seinem Herrn gerettet hat. Bei Dir soll er bleiben, in Deiner Mitte, an dem Orte, den er erwählt, in einem Deiner Tore, wo es ihm gut geht. Du darfst ihn nicht bedrücken. Die Freiheit des Menschen wird hier zum höchsten Ideal erhoben und durch folgende Sätze unterstrichen und erläutert: Mir sind die Kinder Israels Knechte: meine Knechte sind sie, die Ich herausgeführt habe aus dem Lande Ägypten. Aus dieser Knechtschaft vor Gott, leitet der große ('■eist Jochanan ben Sakai in Kiduschin 22 II die Freiheit vor den Menschen ab. Mit anderen Worten: Die Knechtschaft vor Gott begründet die Freiheit vor den Menschen. Die persönliche Freiheit konnte aber manchem Menschen mitunter verloren gehen mau denke an die Heuschreckenplage, Regenmangel, Tod des Familienoberhauptes, Feuersbrunst U. dergl.. wodurch schnell einmal eine Familie ins Unglück stürzen konnte und keinen anderen Ausweg fand, als die arbeitsfähigen Menschen als Sklaven zu verkaufen . und da hat für solche Fälle die Thora Hilfe gefunden. Sie konnte die Sklaverei nicht ganz verhindern, vielleicht wollte die Thora sie auf einmal aus taktischen Gründen auch gar nicht

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