Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 42 (18.10.1929)
- Date
- 1929-10-18
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer 4_! Die Pariel Poale Xi«>n trete für volle Gleichheit der Araber ein, wie sie überall für die Gleichheit der Menschen eintrete. Die paar Ost- Juden, die gegen das allgemeine Wahlrecht sprechen, seien eine unbedeutende Minderheit. Die ostjüdische Arbeiterschaft wolle gegen die Gemeinde nichts unternehmen, sie fordere nur die Volksgemeinde. Warum richte man sich nicht nach Berlin, das ein demokratisches Wahlsystem hat und Mustergültiges auf sozialem Gebiet leiste. Hie Finanzielle Leistungsfähigkeit der Gemeinde sei durch das jetzige Wahlrecht nicht verschlechtert worden. Die Wähler des Redners verlangten, dafl der Antrag auf das allgemeine gleiche Wahlrecht immer wieder gebracht wird. Ein Antrag Lustig auf Schluß der Debatte wird angenommen, Ks sprechen noch die Redner, die sich vorher zum Wort gemeldet hatten. Herr T U m po w s k y billigt es. dal! durch den Mund des Herrn Seiinger immer wieder die Stimmen zu Gehör gebracht werden, die weite kreide der Gemeinde repräsentieren. Ks sei kein glücklicher Gedanke des Herrn Dr. Qoldschmldt gewesen, den Kampf zwischen lud.m und Arabern mit unseren Innerjfldischen Kämpfen zu vergleichen. Zwischen uns sollte nicht Macht und (iewalt entscheiden, wie es sonst in der Welt ist. Herr Stein beantragt Verlesung seines Antrages, dies wird abgelehnt. Herr Breslauer führt aus, das ungleiche Ausscheiden je eines Drittels der Gemeindevertretung habe sich nur in den ersten 4 Jahren ausgewirkt, jetzt sei dies hinfällig. Der Antrag Seiinger wird mit 20 gegen 11 Stimmen abgelehnt. Her Antrag Stein wird gegen B Stimmen abgelehnt. Herr Tumpowsky zieht seinen Antrag auf Kommissionsberatung zurück. 2. Nach einer Pause wird die Krage erörtert, wie der bei der Aenderung der Wahlordnung beschlossene Einheitsstlm m ze tt e 1 zu verstehen ist. lim Unklarheiten ZU beseitigen, wird vorgeschlagen, durch einen Nachtrag zur Wahlordnung genaue Bestimmungen zu treffen. Der Nachtrag wird in der vorgeschlagenen Fassung einstimmig ohne Aussprache angenommen. 3, Im Anschluß hieran gibt der Vorsteher bekannt, daB als \\ ,i Ii I t a g Sonntag, der I. Dezember, festgesetzt ist. Die Liste der ausscheidenden Qemeindevertreter wird verlesen. A. IS ist ein Antrag eingegangen, zu der S a m in I u n g „Hilf e durch Aufbau" zum jüdischen Palästinawerk einen Beitrag zu gewähren. Der Vorstand hat schweren Herzens beschlossen, mit Rücksicht auf die schwierige finanzielle Lage, und nur aus diesem Grunde, eine Beihilfe abzulehnen. Der Vorsteher gibt das Ergebnis einer Umfrage bei anderen Gemeinden über deren Verhalten bekannt. Herr Tumpowsky glaubt, daB eine Aussprache nur über die Hohe des Heitrages notig sei, weil ein Beitrag nicht verweigert werden kann. Dem Mitgefühl müsse auch durch die Tat Ausdruck gegeben werden. Die gesamte Judenheit sei in ihren Gefühlen bei dem Unglück einig gewesen. Dieses sei lediglich auf Verhetzung zurückzuführen. Unerträglich würde die Mißachtung sein, die wir uns dann zuziehen würden, wenn wir den begonnenen Aufbau nicht fortführen konnten. Der Aufbau solle trotz der schwierigen Lage gefördert werden. Herr Rosenfelder beantragt, 2011 Mk. zu bewilligen, Heu Dr. Halberstam schlägt Kitio Mk. vor. Herr Direktor Groß will die Krage nicht auf das politische Gebiet hinübcrgcspielt sehen und betont die Einmütigkeit der Tauer über das Unglück. Ks müsse aber geprüft werden, ob die Finanzlage der Gemeinde die Förderung kultureller Taten dieser Art vertrage. Eine bloße Geste durch Bewilligung eines kleinen Heitrages komme nicht in h'rage. Die Finanzlage bedinge Ablehnung des Antrages. Herr Stein erklärt. daB dicsi Krage unabhängig vom Etat betrachtet werden müsse. Ks handele sich um eine außerordentliche, einmalige Ausgabe, die eventuell aus außerordentlichen Mitteln bestritten werden mUBte. Herr Direktor Ar o u s t e i n bittet, da eine Bewilligung aus (iemcuidcmitteln nicht möglich sei, in der Versammlung eine Sammlung vorzunehmen, um deren Sympathie zum Ausdruck zu bringen. Herr D u b i n e r verwirft diesen Gedanken und verweist auf die öffentliche Sammlung. Bei der QröBe unseres Etats spiele ein mäßiger Beitrag keine Rolle. Herr Se 11 ng e r regt an, man möge auf eine liberale Ausgabe verzichten, um einen Beitrag zu ermöglichen. Herr '1" u tu p o w s k y würde den Antrag zurückziehen, wenn er fraktionell behandelt werden sollte. Kr könne nur durch einen einmütigen Beschluß angenommen werden. Ks wird beschlossen, einen Beitrag zu gewähren, die Hölle von KHK) Mk. wird abgelehnt, 5(10 Mk. werden bewilligt. Die Bewilligung gilt für die Sammlung ..Hilfe durch Aufbau". 5. Herr Moritz Pfeftcrhlüth hat der Gemeinde aus Anlaß des Ablebens seiner Gattin RM. 500, in bar und Aktien der Spar- und Kreditkasse A.-G. im Nennwert von RM. 1000, zur Errichtung einer Regina und Moritz Pfefferblüth-Stlftung geschenkt; die Zinsen sind am Jahneltstage an Bedürftige zu verteilen. Die Stiftung wird mit Dank angenommen. 6. Kin Antrag Seiinger, die Pr Og r a m m e der W a Ii I p a r - t e i e ii im Gemeindeblatt bekanntgeben zu dürfen, wird abgelehnt, weil der nichtpolitische Charakter des Blattes gewahrt werden soll. Ks folgte eine nichtöffentliche Sitzung. Jüdische Verbände und Gemeinden Religiöse Weltfriedenskonferenz 1930 In Frankfurt a. M. wurde soeben eine Sitzung des Exekutivkomitees der religiösen Weltfriedenskonferenz beendigt, die sich mit der Vorbereitung eines allgemeinen großen Friedenskongresses simtlicher Religionen befaßte. Der Kongreß soll im Jahre 1930 zusammen- Etwa 70 Vertreter von insgesamt II Religionen, auch der jüdischen, nahmen an der Sitzung teil. In der Eröffnungssitzung sprach inner anderen Dr. Shailer Matthews, der Präsident der theologischen Pakultüt der Universitär Chicago, der Vorsitzende des Exekutivkomitees, der bei dieser Gelegenheit von dem großen Interesse berichtete, dem der Gedanke des Kongresses begegnete: überall in der Welt sei eine starke Bereitwilligkeit zur Beschickung der Friedenskonferenz vorhanden. Die Grüße des Friedensbundes „Deutscher Katholiken" übermittelte Pfarrer W e i d n e r (Frankfurt); für den Weltbund iiir internationale Freundschaftsarbeil der Kirchen sprach Ptarrer Manz (Frankfurt). AK Vertreter der Frankfurter lüdischen Qemeinde und des l-'riedcnsbundes der deutschen Juden begrüßte Rabbiner Dr. Seligmann die Versammlung und führte aus: der iiidisehe Friedenshand habe sich als letzter der Interkonfessionellen Prledensgemeinschafl angeschlossen, obwohl er als erster seine Kräfte in den Dienst des Friedens gestellt habe. Der Friede werde kommen, wenn alle guten Willens seien. Wer aber nicht mitwirke an der Sicherung des Friedens, der mache sich mitschuldig am Krieg. Im Namen der Stadt Frankfurt begrüßte Stadtrat Dr. Keller die Mitglieder des Kongresses. Generalsekretär A t k i n - son (Amerika) berichtete über die bisherige Tätigkeit der Organisation. Hierauf fand eine achtstündige Debatte über den Tagesort statt. Die im wesentlichen von Amerikanern beherrschte Leitung schlug Genf als Tagungsort des Hauptkougresses vor: die Vertreter des fernen Ostens forderten die Einberufung nach Indien. Bei der Abstimmung wurde mit 2.1 gegen 20 Stimmen Genf abgelehnt. Schließlich wurde beschlossen, daß die Konferenz im fernen oder nahen Osten stattfinden solle und das (ieschäftsführeiide Komitee eine Stadt zu bestimmen habe. Mit dieser Entscheidung bleibt die Krage offen, ob Kalkutta oder Jerusalem gewählt wird. Generalsekretär Atklnson schlug vor. die Konferenz 1032 in Jerusalem abzuhalten. Vorher soll noch eine Sitzung des Exekutivkomitees stattfinden. Der dem Exekutivkomitee vorgelegte Bericht über die Weltkonferenz sieht die Bildung von vier Kommissionen vor, die folgende Kragen behandeln sollen: 1. Welches sind die Einflüsse in der Well, die zum Kriege führen? 2. Welches sind die geistigen Kräfte der Menschheit, die diesen Einflüssen entgegentreten können? 3. Prüfung der Ar- KTOliWERCI-( Kakao Schokolade i Pralinen.