Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 39 (27.9.1929)
- Date
- 1929-09-27
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer 3) AUFRUF zum Beitritt In den verein Judisdies Jugendhaus". Leipzig Die Unterzeichneten haben in einer Versammlung am 10. Juli 1929 den Verein „Jüdisches Jugendhaus', gegründet. Ältere und Jugendliche unserer Gemeinde wirken zusammen, um dem heranwachsenden Geschlecht ein Heim, einen Ort für seine Arbeit an den jüdischen und allgemein menschlichen Zielen zu schaffen. Wir rufen deshalb alle, denen das Wohl der jüdischen Jugend am Herzen liegt, dazu auf, dem Verein .Jüdisches Jugendhaus" beizutreten. Für die Gruppe der Förderer: Gem.-Rabb. Dr. Ephr. Carlebach Gustav Cohn Isidor Felsenstein Dr. Felix Goldmann S. Gottheb Hugo Kaufmann Dr. F. Loebenstein Dr. A. Pietrkowski I. B. Sachs L. Tumpowsky Moritz Ury Für den jüd. Jugendring, Leipzig: Jacob Braude Dr. Kurt Cohn Hans Oesterreicher Max Weisenfreund § 1. Der Verein „Jüdisches Jugendhaus, Leipzig" bezweckt die Schaffung eines dauernden Heinis für die Besamte jüdische Junend Leipziss und für andere gemeinnützige, der jüdischen Jugendpflege, dienende Zwecke und nach erfolgter Schaffung dessen Erhaltung. §2. Der Verein „Jüdisches Jugendhaus, Leipzig" wahrt völliRe Unparteilichkeit innerhalb der jüdischen Richtungen; seine Bestrebungen haben ausschließlich dem Wohle der jüdischen .luvend zu dienen. Diese beiden ersten Paragraphen der Satzungen des am 10. Juli 1929 gegründeten Vereins „Jüdisches Jugendhaus, Leipzig" umfassen kurz und genau den Zweck, den sich die Gründer und Förderer gesetzt haben. Wir haben in diesem Blatt, als wir noch für den üedanken und die Organisation, die ihn verwirklichen soll, warben, standig die Nöte geschildert; die die jüdische Jugend Leipzigs taglich trägt, und deren größte das Fehlen eines gemeinsamen Heimes bedeutet, l'ngeachtet aller Parteirichtungen innerhalb unserer < kemeinde schloß sich zuerst die Jugend im jüdischen Jugendring zusammen zur gemeinsamen Bekämpfung gemeinsamer N.-t. Den zweiten Schritt tat sie jetzt, indem sie den Verein ..Jüdisches Jugendhaus" zusammen mit den älteren Menschen unserer Qemeinde ins Leben rief. Sie beide, Alte und Junge, hoffen, daß die jüdische Öffentlichkeit den Gedanken einer gemeinsamen Tat für das folgende Geschlecht aufgreifen und damit die Erreichung des gesteckten Zieles ermöglichen wird. in ihren selbstgeschaffenen Bünden und Vereinigungen zu genügen. Erleben der Natur auf den Fahrten, geistige Tätigkeit auf den Heimabenden und in Arbeitskreisen, üemeinschaftserlebnis durch körperliche und geistige Erneuerung der jungen Juden, Rückführung des gehetzten Großstadtmenschen in Feld und Wald, Kenntnis der jüdischen Geschichte, unserer Religion, der hebräischen Sprache, Vertiefung in die geistigen Güter des Judentums sind die sclbstgewähltcn Aufgaben, die die Jugend zu verwirklichen sucht. Und trotzdem eine Not der jüdischen Jugend. Voraussetzung aller geistigen Arbeit ist ein Heim, sind eigene vier Wände zur ungestörten Verwirklichung ihrer Ziele. Achtzig vom Hundert unserer Jugendlichen enstammen unbemittelten Kreisen, sind häuslich beengt, ohne Möglichkeit, selbst im Kreise ihrer Gruppen geistig zu arbeiten. — Diese Mittel sich zu beschaffen, ist die Jugend außerstande. Hier hat sie das Recht, von den Älteren zu verlangen, und deren Pflicht ist, ihr beizustehen, ihr die materielle Grundlage zu schaffen, der Jugend ein Haus zu geben. Der Jugend ein fruchtbares Wirken zu ermöglichen, sollte freudige Aufgabe aller jüdischen Älteren sein. Für die Lebensentwicklung von 1200 Jungen und Mädchen, die heute schon in unseren Jugendverbänden vereinigt sind, und für Tausende von jüdischen Kindern, denen dieses Haus ein neues, langersehntes Heim sein wird, muß das „Haus der jüdischen Jugend" geschaffen werden. Erkennt die Verantwortung, die ihr der jüdischen Jugend gegenüber habt, und helft uns, das Haus der Zukunft bauen! Wozu brauchen wir ein Haus der jüdischen Jugend? Wer die Jugend hat, hat die Zukunft. Arbeit für die jüdische Jugend bedeutet Arbeit für die Erhaltung des Judentums. Die Jugend hat zunächst die Pflicht, in eigener Arbeit zu wirken, und weitab von den Kleinlichkeiten des Politischen in der jüdischen Jugendbewegung jeder Richtung Geltung zu serschaffen. Sic hat versucht, diesem Ideale durch die Arbeit Jeder sende die beiliegende Beitrittserklärung ausgefüllt an Verein: „JÜDISCHES JUGENDHAUS", Leipzig, Vors.: Hans Oesterreicher, Leipzig N 22, Springerstr. 17. Beiträge und Spenden auf Postscheckkonto Leipzig Nr. 68274 oder auf unser Konto bei der Commerz- und Privatbank, Dep.-Kasse G, Leipzig O 27.