Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 38 (20.9.1929)
- Date
- 1929-09-20
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nummer :t.s Der Frauenverein „Ruth" und derJüdiicheFrauenbund, Ortsgruppe Leipzigs veranstalten am Sonntag, den 22. September d. .!. vormittags l i Uhr im Saale des Kaufmännischen Vereinshauses, Schulstr. 1, eine GEDENKFEIER für Frau Regina Pfefferblüth s. A. VUe Männer und Frauen, die das Andenken dieser um unser Gemeindeleben so verdienten Trau ehren wollen, sind herzlichst geladen. Besondere Einladungen werden nicht versandt. Nur Erwachsene haben Zutritt. Zu der am Sonntag, dam 12. September d. J., vorm. n Uhr, im Saala daa Kaulmännitchan Vareinshauaas, Schulatraßa 1 stattfindenden Gedenkfeier für Freu Regina MMM s. IL bitten wir um rceht zahlreiche Beteiligung unserer Mitglieder. Jüdische Volkspartei Leipzig Aussprache im Plenum der Knessio der rabbinlsche Rat eine Entscheidung hierüber treffen wird. Dr, Carlebach (Altona) trat Im Namen der deutschen Agudah In leidenschaftlichen Worten, die ihren Eindruck nicht verfehlten, für die Abschaffung oder mindestens Mildenini: des S 4, damit die Agudah nielil durch Gewaltmittel Glciehstrebende fernhält, sondern in Liebe und Milde alle jene aufnimmt, die willens sind, innerhalb der Organisation der Agudah mitzuarbeiten. Bereiten wir den Weg allen Verführten, auf daß sie zurückfinden zur Erhabenheit und QroBartigkeil der jüdischen Religion. Hr. Carlebach schloß, mit der Bemerkung, auch die deutsche Landsmannschaft der V.gudah werde sieh dem Spruch des rabbinischen Rates unterwerfen, aber sie werde nie aufhören, eine Revision dieser Bestimmung tu fordern. Ks sei ferner notwendig, daß der rabbinisehe Rat im Einvernehmen mit der Knessio (iedaulo ein Stalin ausarbeitet, in welchem ein Modus der Abstimmung und Entscheidung für Spruchfällc klar formuliert ist. Oberrabbiner Zirelsohn (Kischinew) seht noch weiter als;'• Carlebach und fordert direkt die vollständige Oeffnung der Tore def Agudah-Organisatlon für alle, die eintreten wollen, insbesondere für die Jugend, damit diese nicht Infolge einer künstlichen Absperrung e Reihen des religiösen Judentums verliBt. Demgegenüber trat ■ terbach (Halberstadt) .ds Sprecher der Minorität der deutschen Kation inr die Beibehaltung der ietsigen Passung des § 4 ein. Jüdische Verbände und Gemeinden Das jüdische Palästinawerk Die deutschen Mitglieder der Jewish Agency für Palästina, das Initativkoniitee für die Erweiterung der Jewish Agency in Deutschland und Präsidium und Zentralkomitee des Kcren Hajessod (Jüdisches Palastinawerk) E. V. erlassen folgenden Aufruf: ..Hilfe durch Auibau". I >as große Werk jcr Einigung der Judenheit für denPallstinaaufbau ist in Zürich gelungen. In feierlicher Form haben sich neben den Vertretern der Zionistischen Organisation die Repräsentanten der jüdischen Gemeinschaften aller Länder verpflichtet, mit aller Kraft au der lir riehtung der jüdischen nationalen Helmstätte In Palästina mitzii arbeilen. Offizieller Träger des Palästinawerks ist seit diesem Tage die erweiterte Jewish Agency für Palästina. Unvergeßlich wird in allen Teilnehmern der Eindruck jener Stunde weiterleben, in der nach langen Zeiten der Zersplitterung der große und dauernde Mund allei Teile der jüdischen Welt zu gemeinsamer Tat geschlossen wurde. Es ist eine bedeutungsvolle Fügung des Schicksals, daß der Ab scliluß der Erweiterung der Jewish Agency gerade an dem Tag ei folgte, an dem in Erez-Israel Juden die Opfer von Ueberfällen wurden Das arabische Volk in Palästina In seiner großen Mehrheit stein dein Aufruhr mit seinen barbarischen Untaten fern. Er ist das Werk einer kleinen Gruppe, die für ihren Einfluß fürchtete, und der der Streii um die Klagemauer willkommenen Agitationsstoff bot. Ruhe und Ordnung sind wiederhergestellt und werden aufrechterhalten bleiben. Die Mandatarmacht, die die Verpflichtung übernommen hat, das Land „unter solche politischen, administrativen und ökonomischen Bedingungen zu setzen, die die Errichtung der jüdischen nationalen Heimstätte sichern", wird dieser Verpflichtung nachkommen. Wenn der Aufruhr als niedergeschlagen angesehen werden kann, und wenn er nicht viel mehr Opfer gefordert hat, so ist das daraui zurückzuführen, daß die Juden seihst sich bis zum Eintreffen der Truppen tapfer verteidigt haben. Ohne Wehr sind nur in dem abgelegenen Hebron 65 Lehrer und Schüler des Lehrhauses hingeschlachtet worden. Die anderen Toten (ihre Zahl beträgt nach den letzten Nachrichten etwa 6(0 sind in zäher Verteidigung von Haus. Hof und Familie gefallen. Wenn wir die Zahl der jüdischen Einwanderer verdoppeln, verdreifachen können, erhöhen wir aus eigener Kraft die Sicherheit der Siedlung. Zehntausende junger Juden stehen bereit, die in das Land gehen wollen. Haben wir die erforderlichen materiellen Mittel, dann ist an Erreichung unseres Zieles nicht zu zweifeln. Für Judentum und jüdische Zukunft sind die Toten gefallen, haben die Ueherlcbeiideii sich verteidigt. Wir dürfen uns nicht auf unfruchtbare Trauer und wirkungslose Proteste beschränken. Im Unglück offenbarte sich immer in besonders schöner Weise die jüdische Solidarität. Wenn heute Juden in Palästina augegriffen werden, wo sie einem Werk des Friedens und der Gesittung leben, das von der gesamten Kulturwelt anerkannt und bewundert wird, dann muß sich der jüdische Lebenswille in Taten offenbaren. Nicht Spenden und Almosen, in üblichen Hilfsaktionen erbrach*, erwarte) die palästinensische Judenheit von Ihren Brüdern in der ganzen Welt, sondern treue Pflichterfüllung und großzügige Förderung des begonnenen Werkes. Pflicht ledes Juden ist es. im gegenwärtigen Augenblick rasch und mit voller Hand große Summen dem Jüdischen Palästinawerk zur Verfügung zu stellen. Die Parole des Keren Hajessod, des offiziellen Fonds der erweiterten Jewish Agency. is| heute „Hille durch Aufbau". Erhöhte und beschleunigte Beiträge sind erforderlich. Wir wollen Zerstörtes schnell wiederherstellen, um Neues und Größeres schaffen zu können. Brutale Gewalt und Unrecht haben noch niemals die Kraft gehabt, den Mut. die Energie und die Hoffnuiigsfreudigkeit der Juden zu erschüttern. Bahnet den Weg! Der Aufruf trägt außer den Namen der Mitglieder des Initiativkomitees folgende Unterschriften: Stadtkämmerer Bruno Asch (Frankfurt u.M.) - Rabbiner Dr. Leo Baeck (Berlin) Dr. M. Bileski (Berlin) - Justizrat Dr. Blau (Frankfurt a. M.) ■ Kurt Blumeufeld (Berlin) Dr. Naluim Goldmanu (Berlin) — Dr. Georg Halnem (Hamburg) Dr. Bernhard Kahn (Berlin) - Dr. Alfred Klee (Berlin) - Dr. M. Roscnblüth (Berlin) Salinen Schocken (Berlin) Konmierzicnrat Pierson Simon (Berlin) Dr. M. Soloweitschick (Berlin) — Rabbiner Dr. Isak Unna (Mannheim) Direktor Oscar Wassermann (Berlin). Bankkonto: Deutsche Bank, Berlin W. Mauerstr. 35. Postscheckkonto- Keren Haiessod, Berlin Nr. KM 951. Zuschriften an „Jüdisches Palästina werk" (Keren Haiessod) Berlin W 15. Meinekcstraße 10. fSTOUiWERCJ^ Kakao Schokolade i Pralinen