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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1929-09-06 · 36 (6.9.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
5 (1929)
Issue
36 (6.9.1929)
Date
1929-09-06
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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. September 1929 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIG'ONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite S RENNEN zu LEIPZIG Sonnabend, den 7. September, nachmittags 3 Uhr Sonntag, den 8. September, nachmittags 3 Uhr FLACH" UND HINDERNIS-RENNEN u. a. Wanderpreis de» Vereins für Hindernisrennen Mk. 7000. und Ehrenpreis gesamtpreiSe Nächste Renntage: Sonnabend, 14. September (Leipziger Stiftungsorels Mk. 21 OOO. ) Bw_ , _ „ *-s,^k*"k Sonntag, 15. September (Teutonia-Preis Mk. 13 500. ) PIK.. .3\9. \t \t \ß - — MOSES MENDELSSOHNS STELLUNG IN DER NEUEREN PSYCHOLOGIE Von Heinrich Kuhn, Charlottenburg Uberblickt man in diesen Tagen des Gedenkens die Urteile, die über Mendelssohns Leistungen auf dem Gebiete der Philosophie gefüllt wurden, so füllt die Gegensätzlichkeit seiner Beurteilung auf. Kuno Fischer, Gervinus U. a. verwerfen ihn als Popularphilosopheit, Falekenberg, Windelband, Zeller u. a. räumen ihm in ihren Werken über die Geschichte der neueren Philosophie einen bescheidenen Platz ein. Seine berühmten Zeitgenossen, allen voran Kant, haben selbst trotz groller Gegensätze in M. einen Philosophen geschützt, dessen Abhandlungen für die Entwicklung des Geisteslebens besonders auf zwei Gebieten einen bedeutenden Fortschritt darstellen: in der Ästhetik und in der Psychologie. Dieses Verdienst um die Ästhetik hat Prof. R. Zimmermann in seiner Geschichte der Ästhetik bereits eingehend und kritisch hervorgehoben (IS'jS). Eine besondere Abhandlung „Die Psychologie Mendelssohns" verfaßte 1 SSf) Dr. L. Goldhammer, Wien. Die neusten Forschungen über dieses Thema sind in Prof. M. Dessous „Geschichte der neueren Psychologie" enthalten. In der Ästhetik war Mendelssohn ein Anhänger von Baiungarten, dessen „Aesthetika" die weiter unten behandelte ästhetisch-psychologische Leistung M.s bedingte, wenngleich er auch hier seine eigenen Wege ging. Seine ästhetischen Schriften haben nicht nur auf Immanuel Kants „Kritik der Urteilskraft" und auf Schiller, sondern vor allein auf Leasing gewirkt. Die „Briefe über die Empfindungen" wurden die Anregung zum Laokoon. Bedeutungsvoll war der Schritt, den Mendelssohn von der Ästhetik zur Psychologie machte. Die damalige Psychologie erkannte der Seele nur zwei Vermögen zu: Erkennen und Wollen. Die in dem (iehiet der Ästhetik auftretenden Phänomene (Wohlgefallen oder Milifallen an einem Kunstwerk, Traurigkeit, Heiterkeit usw.) versuchte man als eine Tütigkeit des Erkennens zu erklüren. Teils der Gegenstand der Empfindungen, teils deren BewuUtseinsfunktion selbst enthalte Lust oder Unlust. Anfangs wandelte M. in denselben Bahnen. Aber schon in der „Rhapsodie oder Zusütze zu den Briefen über die Empfindungen'4 ging er über den bisherigen Standpunkt hinaus. Lust und Unlust haben eine objektive und eine subjektive Seite. Lust ist bedingt durch die Vollkommenheit, die der Mensch erkennt und selbst erstrebt. Das Erlebnis der Vollkommenheit ist Glückseligkeit. Wir erkennen nun zwar die Vollkommenheit, aber dieses Erkennen ist noch nicht das Wohlgefallen, sondern es erzeugt es in der Seele. So reift ihm die Erkenntnis, daß Lust-Unlust aus einem eigenen Seelenvermögen stamme. Bereits in der „Rhapsodie" wird ausgesprochen, daß das allgemeine Gesetz von der lustbetonten Glückseligkeit „denket, will und fühlet sich selig im Menschen". Mag dieses Fühlen auch noch mit Empfindungen gemischt gedacht sein, so reflektieren diese Empfindungen doch nicht allein auf den Gegenstand, sondern auf den Bcw ulUseins/ustand und dessen Verhalten zum Erkenntnisiuhalt. Die Anlage zur Dreiteilung des Seelenvermögens ist hier jedenfalls bereits enthalten. Johann Nicolas Tetens, dessen 1777 erschienene „Philosophische Versuche über die menschliche Natur und ihre Entwicklung" das Problem der Dreiteilung des Seelenvermögens behandelt, hat M.s Arbeit gekannt und gewürdigt: „Herr Mendelssohn und Herr Burk ... haben mit großei Scharfsinnigkeit viel Vortreffliches über diese Sache gesagt." Tetens rechnet das Gefühl „zu den einfachen Grundüulleruugen der Seele". Er erkennt, daß das Fühlen „mehr auf den Aktus des Empfindens als auf den Gegenstand desselben geht". Es bleibt zwischen Empfinden und Gefühl keine oder nur eine schwankende Grenze. „Da ist nämlich Fühlen und Empfinden nichts anderes als die simple Reaktion der Seele .. auf ihre Icidcntlichc absolute Veründerung, ohne ein weiteres Bestreben, neue besondere Verhältnisse hervorzubringen." „Daher ist das Gefühl und Rezeptivitüt ein und dasselbe Vermögen." Es wäre demnach also das Gefühl die unterste noch unklare Bewulttscinsstufe überhaupt; ja im Fortschritt seiner Versuche wird das Gefühl geradezu der „Urcharaktcr" der Seele, wührend Vorstellen, Denken, Wollen aus diesemabgeleitete höhere Modifikationen sind. In der höheren Bew ulitscinssphärc würde dann das Gefühl um so mehr zurücktreten, je entwickeltere Vennögensstufen des Vorstellens und Denkens aus ihm hervorgegangen sind. Fühlen wäre etwas Primitives im Sinne eines Ursprünglichen, durch welches die Häuser / Hypotheken / Hausverwaltungen REIMANN & KIRMSE / LEIPZIG LEPLAYSTRASSE 3 GEGRÜNDET 1907 FERNRUF 235 76

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