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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1929-09-06 · 36 (6.9.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
5 (1929)
Issue
36 (6.9.1929)
Date
1929-09-06
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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emctnö ebktt DER ISRAELITISCHEN REU Gl ONS GEMEIN DE- ZU | f-|D7\Clm AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT LUIIAmIWDER GEMEINDEVERWALTUNG« Das Gemclndrblatt rnidirlnt |oden Prrltag und wird den MltKlirdcrn der Rrll|(lon8Rrnii'inde unentgeltlich durdi die Post zugestellt — Schrlftlcltung: ('•rmclndcrabblner Guatav Colin, Leipzig, 1 fihrstniüe 10 NUMMER 16 / JAHRGANG $ FREITAG 6» SEPTEMBER 1020 Aniclgcnverwnltunu und Drucfc: Hudutrutkrn l August Pttetj LelpxiK. BrOuYrstr. SO - IVmrul 7<M)<K> - ratsdictk LclptiH 53Q2() - Nuthtlri.rit nur mit Quellen" angäbe und mit (äcnrhndgung drs Verfassers gesUttet ZU DEN VORGÄNGEN IN PALÄSTINA Ungeheuer schmerzliche Ereignisse haben sich in Palästina zugetragen. Wieder einmal wie schon so oft im Laufe der Jahrtausende ist der Boden des heiligen Landes mit dem Blute von Juden getränkt worden. Wir stehen dem, was da geschehen ist, noch zu nah, sind über die Tatsachen, die tieferen Hintergründe und die nächsten Anlässe, noch zu wenig im klaren. Aber was auch immer die Feststellungen aufhellen werden: Einmütig ist die Erschütterung, mit der die Schreckensnachrichten die Juden aller Richtungen und aller Länder erfüllt haben. Juden, die ihre ganze Hoffnung, ihre ganze Zukunft auf das einstige Land Israels gesetzt hatten, die in heiligem Idealismus dem durch Jahrhunderte verwüsteten Boden neue Frucht abzugewinnen unter unermeßlichen Schwierigkeiten auf sich genommen haben, sind von der zahlenmäßig weit überlegenen arabischen Bevölkerung in wohl vorbereiteten Angriffen überfallen, viele in bestialischer Weise gemordet, viele schwer verletzt worden. Blühende Dörfer, die unter unsagbaren Entbehrungen aufgebaut wurden, sind niedergebrannt, Felder verwüstet. Hunderte von Familien sind in bitterstes Leid versetzt, Tauseiu'e obdachlos geworden. Uber die Vorgänge selbst zu berichten, ist hier nicht der Ort, ist auch nicht erforderlich, da die gesamte Tagespresse mit Spannung über die Entwicklung der Dinge laufend unterrichtet. Aber es muß auch an dieser Stelle dem allgemeinen Empfinden tiefster Trauer Ausdruck gegeben werden. Wo immer Juden Opfer von Uberfällen werden, gehört ihnen alles aufrichtige Mitgefühl aller jüdischen, ja aller menschlich empfindenden Menschen. Und wie viel mehr im heiligen Lande, wo so viel opferfreudiger Idealismus so schwer getroffen ist. Zur 200. Wiederkehr des Geburtstages Moses Mendelssohns MOSES MENDELSSOHN ÜBER GEWISSENSFREIHEIT Des Denkers Botschaft an unsere Zeit Von Rabbiner Gustav Cohn Ali die Spitze seiner Darstellung Moses Mendelssohns stellt Qraetz den Gedanken, daß die Lehensgcschichtc dieses Denkers deshalb so interessant ist, „weil sie vorbildlich die Qetchichte der Juden in der neueren Zeit ist, wie sie sich aus Niedrigkeit und Verachtuno; zur Höhe und /um Selbstbewußtsein emporgearbeitet haben". Dieser Weg, den Mendelssohn gegangen ist, von dein Augenblick an, da er schüchtern stotternd am Hosenthaler Tor in Berlin Einlaß begehrte, um ZU „lernen", bis zu der stolzen Höhe des allgemein gefeierten Philosophen, ist um so bedeutungsvoller, als er planmäßig beschritten und zurückgelegt wurde. Mit dem Ziele geistigen Aufstiegs hatte er die Enge der Heimatstadt verlassen; aber sehr schnell befestigte sich ihm bei seinem eigenen Wachsen die Erkenntnis, daß dieser heiße Durst nach Wissen nur einem höheren Zwecke dienen dürfe: mit ihm die Wohlfahrt der Menschen steigern zu helfen. Unter diesem Gesichtswinkel steht seine gesamte Denkarbeit. Nur die philosophischen Betrachtungen bedeuten ihm etwas, die „auf der Wallfahrt zur Glückseligkeit den Wegweiser oder Meilenzeiger vorzustellen" bestimmt und geeignet sind. Und immer trachtet er danach, sie ans Ende ihrer Bestimmung zu führen, sie in Werke und Taten umzusetzen, l ud als hätte er in keinem Augenblicke jene Stunde aus dem Gedächtnis verloren, da er beim Betreten Beilins die ganze Schmach jüdischer Rechtlosigkeit hatte empfinden müssen, gipfelt und mündet seine Lebensarbeit in dem leidenschaftlichen Bemühen, den Boden für den Aufstieg seiner Gemeinschaft zu bereiten. Oberblickt man die Reihenfolge seiner Schriften, SO könnte es scheinen, als sei ihm die Sache des Judentums erst in späteren Jahren wieder zur eigenen Aufgabe geworden. Bis auf seinen schnell wieder preisgegebenen Versuch, eine hebräische Zeitschrift herauszugeben (nur zwei Nummern des „Kohelcth mussar" erschienen 1750), beschäftigt ihn scheinbar keine jüdische Frage. In Wahrheit dreht sich aber seine

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