Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1929-08-30 · 35 (30.8.1929) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
5 (1929)
Issue
35 (30.8.1929)
Date
1929-08-30
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4876568-5968790-5969110--2651-4880226
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

Seite 4 GEMEINDEBLATT DLR iSRAKUTISCIlEN RF.LIC.IONSCLMLINDF. ZU LEIPZIG Nummer Jüdische Verbände und Gemeinden Konstituierungder Jewish Agency Am Sonntag, den ll. August, Uhr nachmittags, trat in der Tun balle zu Zürich der Council der Jewish Agency in seiner ersten ragung zusammen. Außer den zionistischen und nichtzionistischen Mitgliedern des Council der Agency hatten sieh mehr als 2<MK) Uäste .luv allen Ländern zu der Eröffnungssitzung eingefunden. Der große Saal war bis auf den letzten Plati getollt Die Spannung unter den Anwesenden war groH. Professor Einstein, Lord Melchett, Dr. Weizmann, Louis Marshall, Felix M. Wnrburgi >n Herberl Samuel, Direktor Oskar W assermann und Schalom \sch winden bei Ihrem Erscheinen auf der Estrade mit rauschenden Ovationen begrüßt l>r. \\ elzmann begann seine Eröffnungsansprache hebräisch, setzte sie englisch fort und trug den Haupttell seiner Ausführungen in deutscher Sprache vor. Er führte ans. daß dieser Tag und diese Stunde in den Annalen der indischen Geschichte fortleben werden. Sie bezeichnen den Beginn eines neuen Abschnitts im gesamtjOdischen . Wohl sind noch nicht alle indischen Gemeinschaften In dem »; der Jewish Agency vertreten, aber die Jewish Agency stein auf festem Boden, bereit, allen .Inden die Möglichkeit zu «eben, an dem Wiederaufbauwerk In Palästina teilzunehmen. Diese Aufgabe sei nicht Monopol Irgendeines Teiles der .luden, sondern gemeinsames \ echt und gemeinsame Verpflichtung des gesamten Judentums. Durch das Palästina-Mandat sei die Sache der jüdischen Heimstätte mit der Gemeinschaft aller Völker verbunden. Die indische Welt i< sich nach dem Kriege durch den Zusammenbruch des osteuro- ,:i Judentums und durch die Einwanderungssperre in den über- - heu Ländern stark verändert. Die Not steigt, und die Probleme drängen einer Lösung zu. Hier stehe Palästina im Mittelpunkte. Es ( in Palästina letzt ein indisches Heimatgefühl entstehen, das auch für dielenigen luden, die in anderen Ländern leben, und deren ineingeschränkte Gleichberechtigung als Bürger dieser Länder die allen gemeinsame Voraussetzung sei. ein ideales Werk bedeutet. Die Zionisten haben niemals Palästina allein für die Zionisten, sie haben es für alle luden erbauen Wullen. Es sei nur folgerichtig, wenn man nunmehr an die jüdische Gemeinschaft der Welt herantrete, um d e große Arbeit, die niemals von einem begrenzten Kreis von .luden geleistet werden könne, auf eine breitere Basis zu stellen. Dr. W elzmann wies nochmals auf die Ziele der Jewish Agency hin und betonte, daß Zionisten und Nlchtzlonlsten nunmehr als trete und gleichberechtigte Männer zusammenkämen; Objekt dieser Gemeinsamkeit sei ein System praktischer Arbeit zur Erreichung bestimmter praktischer Zwecke. Möge diese Arbeit einigend wirken und den \ sgangspunkt bilden für eine große neue Einheil in Israel. Im Namen der e I dge nö SS 1 SC h e n B U u d e s b e h ö r d e begrüßte Minister DI nie her) von der Abteilung für Auswärtiges die illustre Versammlung. Es spraJi hierauf ein hoher Beamter der M a n d a t s k o m mi^sin n d e s Y ii I k e r b u n d e s , und schließlich begrüßte den Council im Namen der schweizerischen Judenheit der Vorsitzende des schweizerisch-jüdischen < i e in e i n d e V e r I) a n d e s , Herr Dreyfuss- Brodsky. Mit ungeheurem Beiiall wurde Professor Albert Einstein begrüßt. Er bezeichnete es als die Größe des Tages, dal! hier eine Nation begründet werde. Er zollte Dr. W eizmann hohe Anerkennung und rühmte die tapfere und begeisterte Minorität der Zionisten. die sich durch ihr opfervolles Pioniertum moralisch das Recht erworben haben, auch in Zukunft einen bedeutenden Einfluß innerhalb der fcgenc) auszuüben. Die Versammlung brachte Einstein eine mehrere Minuten dauernde Huldigung dar. Es sprachen sodann Sir Herbert Samuel, der erste Oberkommlssar Großbritanniens in Palästina. Louis Marshall, der Führer der amerikanischen Niclitzionisten und Verhandlungspartner Weizmanns, Felix M. Warburg, der Präsident des American Joint-Distribution Committee's, Leon Blum vom Standpunkte eines internationalen Sozialisten, der Dichter Schalom Asch und Nahum S o koI o w. Am Montag, den 12. August, hielt der Council der Jewish Agencj seine erste Arbeitssitzting ab. Zum Präsidenten der konstituierenden Tagung der Jewish Agcnc\ wurde Louis Marshall (New York), zum Vizepräsidenten Lord Melchett (London) gewählt. Das Maus bereitete dem Präsidium ein. rauschende t Kation. Prot. Dr. Ch. Weizmann hielt die Programmrede und umrll das Arbeitspensum der Jewish Agency. Den schwierigsten Punkl bildet die Forderung, daß die Regierung den Juden freie Staats ländereien in Palästina zur dichten Besiedlung zur Verfügung steiler soll, wozu la die Regierung gemäß dem Mandate verpflichtet ist. Es sei jedoch nicht abzusehen, wann die Regierung solche Staatslündcreien würde hergeben können. Das gute Land befindet sich bereits in Privatbesitz: solches Land müsse man zu hohen Preisen kaufen. Man müsse von der Regierung fordern, dal! sie die seit langem beschlossene und auch schon begonnene Katastrlerung des Hodens beschleunige und einen Teil der Bcisanbödcn, die den Arabern gegeben wurden, deren Bearbeitung die Araber aber noch nicht in Angrlfl genommen haben, da sie anscheinend den Hoden gar nicht brauchen, nach Vereinbarung mit den arabischen Besitzern für eine jüdische Kolonisation zur Verfügung stellt. Die landwirtschaftlich beschäftigtigten Bewohner müßten 25 bis M\ Prozent der jüdischen Bevölkerung ausmachen. Dr. Weizmann legte dar. daß man auf Grund des vom Kongrell angenommenen Budgets jährlich 1000 Familien mit 4000 bis 5000 Seelen auf dem Lande ansiedeln, und daß die (iesamteinwanderung in den nächsten fünf Jahren auf 100000 Personen gebracht werden könne. Dr. Lee K. Frankel, der hervorragende amerikanische W irt- SChaftsfOhrer und Vizepräsident der Metropolitan Insurance Company, schlug die Gründung einer wirtschaftlichen und Finanzkorporation mit einem Grundkapital von 15 Millionen Dollar vor. Er teilte dabei gleich mit, daß die Herren Felix M. Warburg und Lord Melchett als erste Heiträge für eine solche Korporation je eine halbe Million Dollar bewilligt haben. Diese Mitteilung wurde von der gesamten Zuhörerschaft mit einem ungeheuren Heifall begrüßt Prankel fuhr fort: Wir müssen trachten, weit höhere Ziffern zu erzielen, als wie sie der Zionlstenkongreß in seinem beschlossenen Budget festgelegt hat. Dr. Lee K. Frankel zählte die wirtschaftlichen Möglichkeiten Palästinas auf. wies auf den Reichtum des Toten Meeres und auf die Entwicklung des Touristenverkehrs hin und sagte, es wäre Zeil dalt der Palästina-Aufbau außerhalb jeder Philosophie stehe und ein sicherheitbietendes wirtschaftliches Unternehmen werde. Felix M. W arburg, von der Zuhörerschaft sehr herzlich begrüßt, unterstützte warm das von Lee K. Frankel vorgebrachte Wirt- Schaftsprogramm und betonte, es gelte jetzt, mehr arbeiten und weniger kritisieren. Fr sprach die Hoffnung aus, daß siel; die Herren von der nichtzionistischen Seite mutig und großzügig für geschäftliche Unternehmungen in Palästina interessieren werden. Colonel F. IL Kish skizzierte die politische Trage Palästinas und des Indischen Nationallleims, erklärte, daß die Mandatarinacht in vielfacher Hinsicht ihren Verpflichtungen, wie sie ihr vom Mandat vorgeschrieben sind, nicht nachgekommen ist, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die erweiterte Agency in einem weit höheren Malle die Mandatarmachl wird veranlassen können, die Rechte und berechtigten Forderungen der Juden zu erfüllen. In der NachmittagSSitZUng von Montag, den 12. August, kamen meist Mitglieder des zionistischen Teils des Councils der Jewish Agency zu Worte. Fs sprachen M. M. Usslschkin, Kurt Blumenfeld, Nahum (joldmann. Dr. Chalm Arlosoroff, Reines, Ben Gurion, Dr. Schmarjahu Lew in und Richter Lew is. Die zionistischen Redner befürworteten die Konsolidierung der bestellenden Siedlungen und ein beschleunigtes Tempo in der Aufbauarbeit Sie betonten, daß der Taktor ..Zeit" eine geradezu ausschlaggebende Rolle spiele. Im Namen des Misrachl spracli der Maler Hermann Struck. Von der Seite vT I KtOilWERO( Kakao Schokolade i Pralinen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.