Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 35 (30.8.1929)
- Date
- 1929-08-30
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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(Bemcinö eblatt DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEME-INDE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG« Diifi Gomelndeblatt »*rsdiHnt Jeden Freitag und wird dm Mltftlicdera der Kellf(innsfremelnde unentgeltlich durch dir Post zugestellt — S r Ii r 1 f t 1 r 11 u n g : (ü-melnderabblncr Gustav Colin, Leipzig, Löhrstraße IO NUMMER IS / JAHRGANG 5 FREITAG IO» AUGUST 102© Anzelgcnvervaltung und Dnkkl Buiiulriukerrl August Mti«. Leipzig, Hruderslr. SO - l'ernruf 7<M>O0 - IN istsiin ik Leipzig SWtO - Naihdrutk nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung des Verfassers gestattet Na cli ruf! Durch das plötzliche Ableben der Krau Regina PfWTerblülli halx II WH' l'llll'll M Iiiiut/.Ik neu Verluil erlitte Dir I ichi' /um indischen ne in so doli Malte auszeichnete. Iiat de teil Bejrründunc der Jüdischen V olkspartei in unsere vort* Volke und der Gerechtigkeitssinn, der die Ver ersten Reihen Jahren wurde sie von uns als unsere erste weibliche Vertreterin in das Kollegium der Gemeindeverordneten entsandt, sie hat mit vorbildlichem storbc •führt und sie war \<in \nl.i P Iiis zuletzt eine unserer besten und treuesten Mitarheiterinnei , or /uei Eifer und I limra >c an dein \\ , le unserer (lemeinde mitgearbeitet. Das Anilenkcn iler so früh Dahiiuteschiedc wird in Indien Ehr diall eil werden. Jüdische Volkspartei Leipz'u RABBINER UND SOZIALE ARBEIT Von Rabbiner Or. Pelil Goldmann, Leipzig Die Ausdehnung und die innere Stärke der katholischen Arbeiterbewegung beruhen zu einem großen Teile auf der Sozialarbeit der Geistlichen. Mit tiefem Verständnis hat der katholische Klerus auch hier die Zeichen der Zeit erfaßt, und teils gewiß auch aus dem äußeren Cirunde, um die Fuhrung der Massen in der Industrie nicht aus der Hand zu verlieren, mehr aber noch aus der Erkenntnis, daß wahre Religion von der sozialen Tat nicht zu trennen ist, widmet sich der katholische Priester mit anerkennenswertem Eifer, oft mit höchster persönlicher Aufopferung dem großen Qebiete des Sozialen, und nicht nur in der sozialen Leistung, sondern ebenso auch in einer Stärkung der Kirche blüht der Erfolg. Auch von den evangelischen Qeistlichen und der evangelischen Kirche ist unendlich viel getan worden, und der Erfolg wäre noch größer, wenn nicht in ihr im Gegensatz zu der neutralen, rein kirchlichreligiösen Haltung der großen Mehrheit des katholischen Klerus die soziale Arbeit sich mit politischen Tendenzen reaktionärer Art nur allzuoft verbunden hätte, so daß das arbeitende Volk mißtrauisch wurde und in der Sozialpolitik Führern folgte, die mit der Religion nichts zu tun haben wollten, wenn sie ihr nicht gar feindlich gesinnt waren. Im Judentum liegen nun die Dinge ganz anders, so daß zunächst Vergleiche nicht angebracht zu sein scheinen. Die deutsche Judenheit ist beruflich nicht so gegliedert wie die umgebende nichtjüdische Bevölkerung. Die Zahl der Arbeiter und Handwerker ist verhältnismäßig ganz gering, die große Masse war bisher gewerbetreibender und kaufmännischer Mittelstand, der eine stete Neigung zum Selbständigwerden und zur wirtschaftlichen und sozialen Unabhängigkeil in sich trägt. Es scheint also zunächst, daß bei uns deutschen Juden einerseits wegen der relativen Wohlhabenheit die soziale Fürsorge weniger Gelegenheit zur Betätigung habe, und daß sie in ihrer modernen Ausgestaltung dem Wesen des Juden, der auch iu der sozialen Tat den Individualismus lieht und das Schema verwirft, nicht entspreche. Für das wenige, das zu tun sei, genüge die alte, jüdische, bewährte Zedoko sowohl iu ihrem Umfange und in ihrem Wesen wie in ihrer Form. Eine tiefere Betrachtung der Dinge zeitig! freilich ganz andere Ergehnisse. Zunächst schreitet die Proletarisierung insbesondere der Großstadtjuden unaufhaltsam fort! Die .Möglichkeiten des Selbständigwerdens schwinden immer mehr; aus der großen Masse der jüdischen Jugend wird ein Heer von meist kaufmännischen, aber auch industriellen Arbeitnehmern, die mit Arbeitslosigkeit, mit geringer Besoldung, mit der Sorge für das Alter und allen anderen sozialen Problemen sich herumzuschlagen haben, denen die Selbständigkeil und die materielle Sicherheit, wie sie ihren Vätern noch beschieden