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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1929-08-23 · 34 (23.8.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
5 (1929)
Issue
34 (23.8.1929)
Date
1929-08-23
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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23 August 192!» GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 5 des Gemeinwesens bildete die Finanzierung der Arbeit die Elnheitssammlung (Community Chest) ihre wichtigste Auigabe. Eine genaue Berechnung der Aufwendungen für soziale Arbeit Im ganzen Lande ist kaum zu machen. Schätzungsweise berechnet man allein für die Stadt New York die Summe von b(> Millionen Dollar jährlich, für Chicago 23400000 usw. In folgendem soll näher auf die jüdische Wohlfahrtsarbeit in New York, die für amerikanische Arbeitsmethoden besonders charakteristisch ist, eingegangen werden. Der jüdischen W'ohlfahrtsfederation In New York sind die wichtigsten Wohlfahrtsanstalten aus Manhattan und Bronx angeschlossen. Dazu gehören die größten Krankenhäuser der Stadt, wie Mount Sinai. Beth Israel. Mount Libanon usw., eine Reihe von Waisenhäusern. Anstalten für gefährdete Kinder. Schulen für Taubstumme und für Krüppel, das Montctiore Altersheim und Siechenhaus, einige Religlons- und hebräische Schulen usw. Der erste durchgreifende Versuch, die New Yorker YA'ohlfahrtsarbeit zu vereinigen, wurde von Felix M. Warburg und einer Gruppe seiner Freunde im Jahre 1916 gemacht. 31 Anstalten wurde garantiert, daß sie nicht weniger bekommen als die Summe, die sie jährlich durch eigene Sammlungen aufbringen, falls sie sich der Federation anschließen würden. Der Frfolg war durchschlagend: über 2 Millionen Dollar - eine halbe Million mehr als die Anstalten selbst sonst gesammelt haben — wurden aufgebracht. Dadurch wurde die Existenz der Federation gesichert. Heute sammelt die l'ederation etwa 5 Millionen Dollar jährlich und unterstützt damit ihre 91 Anstalten. Von 1917 bis 1928 haben die 91 Anstalten 87910556 Dollar ausgegeben. Da/u hat die l'ederation fast die Hälfte — -42974-1511 Dollar beigetragen. Der Rest wurde durch Pflegegeldcr und Fxtraspenden gedeckt '). Die l'ederation leistet direkt keine Wohlfahrtsarbeit, sie sammelt nur für die Wohlfahrtsinstitutionen das Geld ein und verteilt es. Die Federation hat unter den Juden von Manhattan und Bronx zur Zeit 32 000 Mitglieder, die ihr regelmäßig jährlich Beiträge entrichten. Der Miudestbetrag ist Kl Dollar. Die Mitgliedsbeiträge machen jährlich eine Summe von 3' , Millionen Dollar aus. Das übrige Geld sammelt man durch jährliche Sammelaktionen (Drives). Für diesen Zweck ist ein Budget Business Men's Council organisiert worden. Der Council hat 135 Abteilungen, die sich aus 135 wichtigsten Berufen und Geschäftsbranchen zusammensetzen. In jeder Abteilung arbeitet ein Ausschuß mit einem Leiter. Die Leiter wählen unter sich od Ratsmitglieder, die die Exekutive von Business Men's Council bilden. Als Leiter wird gewöhnlich eine Person gewählt, die in der betreffenden Branche führend ist und deren bedeutendsten Vertreter persönlich kennt. Der Anteil, den die Industriellen an die l'ederation zahlen müssen, wird von den Leitern und den Ratsmitgliedern jeder grollen Branche bestimmt. Die (leider wurden folgendermaßen verteilt1'): Proicnl Medizinische Anstalten...... Armen- und Krankenffirsorgc .... Kinderfflrsorge........ Soziale Gesundheitsfürsorge .... . . . 6.2 Bildungsanstalten ........ . . . 5.1 Anstalten für gefährdete Kinder . . . ... 4.«* Gewerbeschulen......... . . . 4.0 Organisation sausgaben......... 4..f Altersheime und Krflppelheime...... -'.< Schulen für Stumme, Taube und andere Krüppel M Verschiedene andere Tätigkeit....... 0,9 Zusammen 100,0 ') Program and ObiOCtives of l'ederation for tiie Slipport of Jev isli Philantropic Societiea of New-York City ly2s. -) Forward vom IQ. Februar 1929. Wie aus der Tabelle zu ersehen ist. betragen die Yerwaltungskosten der l'ederation für das Sammeln, Verteilen und Verwalten der (leider etwas mehr als 4"... Dieser ganz unbeträchtliche Anteil wird durch moderne Arbeitsmethoden erreicht. Die Arbeit der einzelnen Anstalten steht nicht unter direkter Kontrolle der l'ederation. die Verbindung besteht nur darin, daß der Haushaltplan einer jeden Anstalt der l'ederation vorgelegt werden muH und der Zustimmung eines Komitees von Sachverständigen bedarf. Die Komiteemitglieder stehen zu diesen Anstalten in keinen persönlichen Beziehungen und sind in ihrer Arbeit vollkommen unparteiisch. Ähnlich wie in New York ist die Wohlfallrtsarbeit auch in anderen gröliercn Städten in WohlfahrtS-Federations organisiert. So gibt es große Wohlfahrtsorganisationen in Chicago. Philadelphia, Boston. Cleveland, Detroit. Cincinnati usw . Einen Überblick über die jüdische Wohlfahrtsarbeit in verschiedenen amerikanischen Städten gibt die nachfolgende Tabelle; .1 ü d i s e Ii e \V oh II ah r ts pf I e g e in v e r S e Ii i e d e n e n a im erikanisctien St ä d t e n .') Stadt Judische Bevölkerung Wieviel Qeld Bammeln die Wohlfahrt»- federation* $ Durchichnlttlichei Beitrag je<ies Juden ■ Manhattan-Bronx .... S4I BOß 4 77o:i|<l •Villi Chikago........ 325 000 1 .-»4SOI1 4.7l> Philadelphia...... 270000 1 4." 2 o:«» r,.:ts Brookün........ 860 7£0 7( M> 940 0.85 00 ODO ."oii7:il .->.ii:t Cleveland....... 85000 477 022 6|53 Baltimore....... liS 00(1 138054 li.4.". St. Louis....... 50000 400870 8.00 Detroit........ 75000 372213 4.'.l(i 35000 339 320 »,40 Pitt burg....... 53000 S04 600 .-..7:» Los Angeles...... 66000 ■:h:> _'7s 4.:iu Newark N. .1....... 65000 243000 :t.7.1 33 ooo I'.»:t(i7^ s.:t!» Neworleam....... VIOIHI i:»:» 148 1 14.7:» Man schützt die Summe, die die jüdischen Wohlfahrtsorganisationen in den Vereinigten Staaten jährlich ausgeben, auf nicht weniger als 37850000 Dollar, außer einer Summe von weiteren Hl bis 20 Millionen Dollar, die jährlich in Amerika für die jüdische Wohlfahrtsarbeit in anderen Ländern aufgebracht wird '). Vergleicht man die Leistungen der jüdischen Wohlfahrtspflege in Amerika und Deutschland, so darf man nicht vergessen, daß, abgesehen vom höheren Lebensstandard in Amerika, die freiwilligen Leistungen schon deshalb höher sein müssen, weil die sogenannten Pflichtleistungen (Soziale Beiträge usw.) so gut wie ganz fortfallen und auch aus den Steuerbeträgen wesentlich weniger für die Wohlfahrtspflege zur Verwendung kommt als es in Deutschland der Fall ist. Wenn auch die amerikanischen Arbeitsmethoden nicht ohne weiteres auf die deutschen Verhältnisse zu übertragen sind, so kann man doch — w ie es auch in der jüngst stattgefundenen Tagung für jüdische Wohlfahrtspflege in Frankfurt am Main hervorgehoben wurde einiges in bezug auf die rationelle einheitliche Geldsammlung und -Verwendung lernen In diesem Sinne soll das hier verarbeitete Material eine Anregung und ein Beitrag zur Diskussion über die Frage der Gestaltung der Arbeitsmethoden innerhalb der jüdischen Wohlfahrtspflege in Deutschland darstellen. Dr. Schlesin g e r. ■) Forward vom 10. Februar 1929. *) „Die soziale Arbeit in den Vereinigten Staaten von Sophonisba P. Brechinridge. Veröffentlichungen der Internationalen Konferenz für Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik vom 9. bis Juni I92S.

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