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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1929-08-16 · 33 (16.8.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
5 (1929)
Issue
33 (16.8.1929)
Date
1929-08-16
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Als Morit/ Steinschneider gemeinsam mit David Cassel den Plan einer jüdischen Enzyklopädie bekannt gab (1844), scheiterte das Unternehmen; aber nicht allein, wie der Verfasser des Artikels „Enzyklopädien" (im II. Bande des Jüd. Lex., Sp. 425) meint, infoige der „Verstandnislosigkeit des jüdischen Publikums", sondern wohl im gleichen Maße, weil die wissenschaftlichen Vorarbeiten noch nicht weit genug gediehen waren. Es war schon eine ungeheuere Leistung, als Steinschneider den „ersten enzyklopädischen Versuch einer systematischen Übersicht der jüdischen Literatur nach ihren Hauptrichtungen" unternahm; denn erst wenige Jahrzehnte zuvor war begonnen worden, wissenschaftlich-methodisch an die Dinge des Judentums heranzugehen. Noch fehlten die Einzcluntersuehungcii, gering war die Zahl der berufenen Spezialforscher, aus deren Zusammenarbeit eine solche üesamtübersicht erstehen konnte. Es gehol ten dazu die wissenschaftlichen Qualitäten eines Steinschneider, um gleichwohl eine so bedeutungsvolle Arbeit wie die in Ersch und Qrubers Enzyklopädie erschienene Abhandlung über die jüdische Literatur zu schaffen. Der Mangel an wissenschaftlichen Fundamenten mußte aber notwendigerweise beim Publikum ein Mißtrauen gegenüber der wissenschaftliehen Zuverlässigkeit hervorrufen: es konnte noch nicht reif sein für eine Enzyklopädie, weil für ein solches Werk das Wissen noch nicht reif war. Heute darf man wohl sagen: Die Zeit für ein „Jüdisches Lexikon" ist längst gekommen. Beweis dafür sind die Erfolge der schon erschienenen Enz\ klopidlen in nichtdeutscher Sprache: Die englische „Jewish Encyclopedia" (1901 1906 in New York- London, 12 Bde), die hebräische „Ozar Yisrael" (1906 1913 in New York, 10 Bde.), die russische „Jewrejskaja Enziklopedia" (1900 101J Petersburg, 1(> Bde.). In deutscher Sprache war wohl Hamburgers: Realenzyklopädie für Bibel und Talmud (1870 1 SS'J, Suppl. 1890 1001) erschienen; aber sie beschränkte sich in der Hauptsache auf das biblische und talmudische Judentum, und sie mußte auch sonst bei aller Gelehrsamkeit und allem Fleiße des Verfassers, schon deshalb Lücken und Unzulänglichkeiten aufweisen, weil ein solches Werk nur durch gemeinsame Arbeit vieler, die mit den verschiedenen Einzelgebieten durch vertieftes Studium innig vertraut sind, auf eine wissenschaftlich hohe Qrundlage gestellt werden kann. So erfüllt das im Erscheinen begriffene „Jüdische Lexikon" (Jüdischer Verlag Berlin. Bisher erschienen Bd. I: A C, Bd. II: I) H) eine wichtige Aufgabe. Es beseitigt eine Lücke, die doch vielfach außerordentlich schmerzlich empfunden wurden war. Und es ist sein besonderer Vorzug, daß es, auf wissenschaftlicher Grundlage, sich weniger an den Qelehrten vom Fache wendet, sondern in allgemeinverständlicher Form ein Nachschlagewerk für den großen Kreis derer bieten will, die nicht imstande sind, sich in die einschlägige Literatur zu vertiefen und doch zuverlässige Kenntnis über Fragen des Judentums anstreben. Über die praktische Verwendbarkeit eines solchen Vaakes kann eist die längere Benutzung eil! abschließendes Urteil gestatten, wenn festgestellt werden konnte, daß alles, was mau suchte, in zureichender Weise in ihm gefunden werden konnte. Aber die Stichproben beweisen, daß die Stichworte mit großem Geschick ausgewählt worden sind. Es wird zweifellos allgemeine Anerkennung finden, daß den auf die Gegenwart bezüglichen Dingen ein breiter Raum gewährt wurde, und daß dabei die verschiedensten Gebiete, Literatur und Geschichte, Archäologie und Religi »nsanschauung, Liturgie und Hebräische Sprache keineswegs zurückgedrängt wurden. Es wäre verfehlt, an dieser Stelle Einzelnes herauszugreifen; man wüßte nicht, wo beginnen und wo enden. Das Werk als solches soll gewürdigt werden, und das kann nicht besser geschehen, als wenn es auf seine kulturelle Bedeutimg hin betrachtet wird. Besonderheit dieses „Jüdischen Lexikons" ist der einheitliche Cieist, der alle die lausende von Stichworten verbindet. Es mußte zwar seiner Form nach ein Lexikon in alphabetischer Folge der Artikel sein; aber leicht ist hinter dieser Form die innere Geschlossenheit zu erkennen. Und so stellt es ein grandioses Zeugnis für die Kulturleistung des Judentums und seiner Bekenner in Vergangenheit und Oegenwart dar. Wir erleben gerade jetzt einen gewaltigen Aufschwung der Interessiertheit an allem Jüdischen innerhalb und außerhalb des Judentums. Eine Generation, der das Wissen vom Judentum fremd geworden oder geblieben war, hat ein brennendes Verlangen danach, sich mit den Ideen und den Schicksalen vertraut zu machen, die Juden und Judentum geschaffen und erlebt haben, weil eine Generation heranreift, der das Judentum mehr bedeuten möchte als ein inhaltloses Wort. Der Weg zu bewußtem Judentum wird wieder gesucht; er

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