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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1929-06-14 · 24 (14.6.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
5 (1929)
Issue
24 (14.6.1929)
Date
1929-06-14
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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(taeiuöeMatt PER ISRAELITISCHEN RELIGIONSG&ME-I N DB ZU I EJ D7lflm AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT llXtfl V7der GEMEIN DEVERWALTUNGH i .. Cniiclndt'blatt crsdirlnt (ccUmi iVritag und wird den Mltfilledi'rn drr Rellglons^em-rlnd«!' unentgeltlich h die Post zuitrtitclU — Schrlftleltung: iiu'lndrrabblnrr (lustav Cohn, Leipzig, Löhrstrafie IO NUMMER 24 / JAHRGANG 5 FREITAG 14» JUNI 1020 AnzcIgcnvcrwalUing und Druck: lUidulrudtcrci August Prien. Leipzig, Bröderslr. 5g - I'ernruf 7OOO0 - l'ostsdieck Leipzig 539 20 - Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung des Verfassers gestattet Kurz nach dem Übertritt in den Ruhestand verstarb am 11. Juni d.J. nach Uingerem Leiden Herr Max Graf Lehrer an unserer Religionsschule I Er hing mit heißer Liebe an seinem Beruf, in dem es ihm noch vor einiger Zeit vergönnt war, sein 5oj;ihrigcs Dienstjuhiläum zu begehen. Sein Amt in unserer Gemeinde hat er 30 Jahre lang mit vorbildlicher Pflichttreue und Gewissenhaftigkeit verwaltet und es verstanden, in der heranwachsenden Jugend die Treue zu unserer Religion zu wecken und zu pllcgcu. Wir werden dem Verewigten ein dankbares und treues Gedenken bewahren! Leipzig, den II. Juni 1939. Der Vorstand und die Verordneten der israelitischen Rcligionsgemeinde zu Leipzig Am 11. Juni verstarb unser lieher Kollege, Herr Max Graf im Alter von 70 Jahren. In einem arbeitsreichen, langen Lehen ist der Entschlafene vielen Generationen von Schülern durch seine tiefe Liebe zum Judentum und seine treue Pflichterfüllung Vorbild gewesen. Denen, die gemeinsam mit ihm an der Erziehung der jüdischen Jugend gearbeitet haben, war er ein jederzeit hilfsbereiter freund. Sein Andenken werden wir stets in Ehren hallen! Leipzig, den 11. Juni 1929. Das Lehrerkollegium der Religionsschule I DIE GOTTER ANDERER Schwuausbetrachtung zum zweiten Gebot Von Dr. Adolf Altmann, Obcrra'bbiner in Trier Immer und immer wieder fühlen wir Juden uns am I-este der Offenbarung in einem besonderen Malle gehoben. Können wir uns doeli an diesem Tage immer wieder aufs neue vor Augen führen, wie groU und mächtig die Einflußnahme auf die II cnschheit war, die dureli unsere Vermittlung vom Sinai aus¬ King, Schon rein äußerlich, wenn die gehobenen Töne der Neginaus laut werden, die mit ihrem eigenen Schmelz der Vor- I sung der zehn Gebote an unserem Feste eine besonders feierliche Note verleihen, schwellt sich unsere Brust voller Freude 1 nd Selbstbewußtsein, und mit einem Hochgefühl sondergleichen zieht uns das stolze Bekennerwort des Propheten ona durch den Sinn: Iwri onauchi, „ich bin ein Hebräer!*. I nd erst wenn wir uns den Inhalt dieser Sinai-Botschaft zum itewulJtscin führen, wie darf erst da unsere Seele in geistigein tobe schwelgen! Der Kundige weill es, und der Unkundige ihnt es: Hier ist das Gröüte vom Großen ausgesprochen; hier ind die Fundamente niedergelegt, auf die sich, wie auf Granit estützt, die Pfeiler der Menschenwürde für alle Zeiten ergeben und aufbauen. In diesen mit so jubilierender Betonung orgetragenen, von Gemessenheit und W ürde zeugenden Worten, die das Herz des Hörers hoch und höher schlagen lassen, spricht — das fühlt man — die Ewigkeit der Gottheit ewige Wahrheiten für die Menschheit. Hs gibt ein altes Gemälde, das stellt einen Kiesen dar, der auf seinen Schultern die Weltkugel trägt. Das soll bedeuten. dalJ der Mensch zum Träger des Weltalls bestimmt sei. Wir Juden kennen einen anderen Kiesen, der trug die Welt auf seinen Armen. Es war Moses, der die Tafeln des Zehngebots vom Sinai brachte. Diese Tafeln bedeuteten die Welt, denn sie brachten der Welt einen neuen Sinn. Vornehmlich zog dieser neue Sinn in die Welt durch die Erschütterung, die die zehn Gebote der heidnischen W cltbetrachtung brachten. Ks gibt nur einen Gott, es gibt keine Götter. Diese beiden ersten grundlegenden, wegbahnenden Voraussetzungen für die Ermöglichung der weiteren Sittengesetze, wie sie in dem ersten und zweiten Gebot niedergelegt sind, gaben Weltall und Menschheit ein anderes Gepräge, ein neues Gesicht; sie wirkten grundstürzend auf alles Leben und Denken ein. Und wenn auch die Auflösung des Heidentums erst einer langsamen. Jahrtausende andauernden Entwicklung vorbehalten

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