Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 20 (17.5.1929)
- Date
- 1929-05-17
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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(Seraeitiöebkfc PER ISRAELITISCHEN REU Gl ONS GEMEIN DE- ZU LEIPZIG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG! i.is (»cmelndrblall rrsdirlnl Jcdrn Vrvltan und wird ilen MltHlledern tlrr Hellglonsgom rinde uncntKoltlldi ,irdi die Post /umstellt — Schrlftlrltung: .cmclndrrabblncr (lustnv Cohn, Leipzig, LohrstraÜe 10 NUMMER 20 / JAHRGANS S FREIT AC IL MAI 1 O 2 0 AMriMNnrdkM nad Druck: ituiiidruikcri-i AmmI Mea. Lrlpztii, llrüdcrstr. 90 - 1 ernrui Tooof» - l'oststhedt Lclpzl« Jttn - Niididrmk nur mit Qudiwi anhabe und mit lfcnrhmt|iunK des \ erfassen gestattet Den jüdischen Lehrern Mitteldeutschlands zum Gruß! Am 21. und 22. Mai »'Tsammcln sich die jüdischen Lehrer aus Mitteldeutschland und mit Ihnen Vertretet der anderen Lehrerverhändc Deutschlands in Leipzig, um ihre zur Tradition gewordene Pfingstkonferenz mit der besonderen .Note einer Jubiläumstugung abzuhalter Fünfzig Jahre hindi rch ftat der „Verein israelitischer Lehrer Mitteldeutschlands" seinen Zielen nachgestrebt, hat er der jüdischen Lehrerschaft Gelegenheit zum geistigen Austausch von Erfahrungen und Plänen gegeben, hat er sie mit den Ergebnissen neuer Forsdiungen und den Vcrsudicn mit neuen Methoden bekannt gemacht, hat er durch das Bewußtsein der Eintracht zwischen den Standes- und Berufsgenossen das Selbstbewußtsein gesichert. (>anz besonders der Lehrer muß sich bei der großen Aulgabe, die ihm anvertraut ist, seine Frische bewahren, seinen Geilt beweglich erhalten, um der Jugend ein verständnisvoller Führer zu bleiben, dem nichts fremd wird, was sie erfüllt. Diese stete Erneuerung fand der jüdische Lehrer im Beisammensein mit den Kollegen. Damit erfüllt die Vereinigung der Lehrer eine Aufgabe, für die wir alle, die wir ihnen unsere Kinder anvertrauen. Dank wissen. So heißen wir denn die jüdischen Lehrer aufs herzlichste willkommen. Wir beglückwünschen die .Vereinigung israelitischer Lehrer Mitteldeutschlands" zu ihrem Jubiläum und wünschen ihr einen gedeihlichen Verfaul der Verhandlungen, denen die Genugtuung Uber ein halbes Jahrhundert des Bestehens einen festesfrohen Charakter verleiht. Wir wünschen von I lerzen. daß es der Vereinigung gelingen möge, unentwegt die Arbeit an der jüdischen Jugend zum Segen für die jüdische Zukunft zu fördern Mögen es anregende Stunden und frohe Tage werden, die die Lehrer in unstet Stadt verleben. Vorstand und R a b b i n a t der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig DIE RELIGIÖSE ENTWICKLUNG IM KINDES- UND JUGENDALTER Von Dr. Heinrich Stern (Berlin) Mit Ireaadliclier Gcnehmifsag des Verlassen entnehmen wir die nachstehenden AnsfBhrnngen der im Philo-Verlag erschienenen, InBcrst beachtenswerten Schrift: Psycho- 11) k i i' Jn Religionsunterrichts. Die Schriftleitern. Wie alle Entwicklung steht auch die religiöse unter dem von Herbert Spencer formulierten (irundgeseiz aller Entwicklung, dein (leset/, der DIf fert n - zierung: „Alle Entwicklung geht vom Unbestimmten, Gleichartigen zum Bestimmten, Ungleichartigen." D. h. die religiöse Entwicklung geht ans von unklaren, noch gänzlich unpersönlichen zu Immer klareren, bestimmteren Gefühlen und Vorstellungen, bis das religiöse Bewußtsein ein mehr oder minder starkes individuelles Gepräge annimmt, wenn es selbstverständlich, wie jede andere Seite des Charakters, auch allgemeine Züge beibehält. — In ihrem Verlauf lassen sich, dem Amerikaner Starbuck zufolge, dem die übrigen Psychologen im allgemeinen beipflichten, in der Hauptsache drei Perioden unterscheiden: 1. die Zeit des rezeptiven Kinderglaubens. 2. die unruhige Kinderzeit. ,1. die Zeit des religiösen Wiederaufbaues am linde der Kiuderzeit. Diese Entwicklung verläuft rein gesetzmäßig, unabhängig von der Individualität. Schwankungen herrschen nur in der zeitlichen Begrenzung der einzelnen Stufen. Allgemeinpsychologische Beobachtungen ergeben, daß man sich vor jeder Ycrtrühung hüten muß, dali man also gut tut. die Grenzen weit hinauszuschieben. So stuft Pöhlmann auf Grund seiner Untersuchungen am Nürnberger Gymnasium folgendermaßen ab: Zeit der Tradition bis zum 15. Lebensjahr. Zeit der Revolution vom 16. bis zum 18. Jahr, Zeit der Restauration, des beginnenden Eigenglaubens, die folgenden Jahre. Mit dem 25. Lebensjahr gilt die religiöse Entwicklung allgemein als abgeschlossen. Wenn wir uns diesen Abstufungen anschließen, so dürfen wir doch nicht annehmen, dal! während der ersten Stufe keinerlei Wandlung des religiösen Bewußtseins Stattfindet; sie läßt, sich nur nicht genauer verfolgen. Auch müssen wir uns immer gegenwärtig halten, daß die Grenzen fließend sind. Art und Tempo der Entwicklung sind weiterhin von Faktoren abhängig, die außerhalb der Persönlichkeit liege:] und sehr mannigfaltig sind, so vor allem der bestimmende