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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1929-05-03 · 18 (3.5.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
5 (1929)
Issue
18 (3.5.1929)
Date
1929-05-03
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHKN RKI.ICilONSCKMKINDK ZU LEIPZIG Nummer 18 „Knechte waren wir bei Pharao Iii Ägypten" zu rezitieren, erinnerte sieh eine von den beiden Schwestern, dali sie voriges Jahr um die Zeit auch an der Pessachtalel gesessen hatten, aber es war eine andere Talel gewesen, Vater und Mutter lebten, und ihnen, den beiden Schwestern, waren zum Fest neue Kleider genäht worden. Da hatten sie es sich nicht vermutet, dali sie jetzt würden an einem fremden Tisch mil fremden Frauen sitzen müssen, und Jusek die Tafel halten würde . . . Und einer fing das eine Auge zu zwinkern an und die Unterlippe zu zittern. Und auf dies Beispiel begannen der andern Schwester einzelne Tränen über die Hacken zu rollen. Und auf ihrer beider Heispiel hin erinnerte sich eine der Nachbarinneu an ihr Unglück: Als Note, der Hethausdiener. lebte, ging's ihr doch Uber die Malten gut, d. h. gut ging's ihr niemals, aber besser als jetzt bestimmt, wo sie die Unterdienerin sein muß, denn Ojser, der Hethausdiener. der früher bei Note, dem Hethausdiener. Unterdiener war. ist jetzt nach ihres Note Tod vom Unterdiener zum Hethausdiener erhoben worden, und sein Weib (incssi ist so groll geworden, hach (iottchen. dali maii gar nicht mehr au sie heran kann! . . . Solche Betrachtunsen stellte Pessi, die Bethausdienerin, an und zog dabei ein so schiefes Gesicht, dali Sossi, die Händlerin, hätte übermenschliche Kräfte haben müssen, wenn sie noch ihre Tränen hätte zurückhalten können. Sossi erinnerte sich an trübe Dinge: Siebenundsiebzig Weiber, die einem alles vor der Nase wegschnappten, keinen Pfennig verdienen ließen, die Kunden verwohnten, das Geschäft ruinierten, vollständig ruinierten! Ferner erinnerte sie sieh au ihre ältere Tochter, die schon lange gestorben war, noch als Kind. K'ossj hatte sie geheißen, wenn Rossi nicht gestorben wäre, wäre sie jetzt schon ein Mädchen, das sieh sehen lassen konnte, und vielleicht schon Mutter von Kindern. Und auch an ihren Mann erinnerte sich, wie der Ärmste sein Lebtag sich abgequält hatte, war elendes Ungeschick gewesen, untauglich zu jeglicher Arbeit. Kranker, der Ärmste. Und während Sossi, die Händlerin, leise Bas der Haderin, die Haggadah nachsagt, und sieh genau wie sie im I dazu wiegt, badet ihr Qeslcht in Tränen. Und sogar die „Vorsprec rin" selbst, Basale, die Haderin, hört selber nicht auf die Worte Haggadah. die ihr so geläufig vom Munde fließen, ohne dali s ., recht weil.!. Sie erinnert sich auch an ihren Kummer, an ihre Kin die fort sind in das ferne, ferne Amerika. Sie schrieben ja wohl < dort ganz gute Briefe, dali sie dort ein „Leben machen", nämlich, arbeiten sehr viel und können sich sehen lassen. Zum Beweis dal wie gut es ihnen geht, haben sie ihr Photographien geschickt, dort „pictures" hei Heu, und sie versichern ihr, wenn die Qeschi oder wie das dort heißt, die „business", sieh etwas bessern werdt i, dann werden sie ihr einige Rubel schicken, oder wie das dort he „Dollars", zusamt einer Sehiffskarte, und werden sie hindberhoh dorthin in das grolle, glückliche Land, wo alle ein „Leben mach, wo alle Menschen gleich sind: ein Mensch kann sich dort mitten der Straße vor Hunger tot ausstrecken, und niemand wird ihm d leisesten Vorwurf machen . . . Doch so lange mögen die Lei kranken, wie lange Bassje nicht hinfahren wird. Sie hat hier ai Kinder. Dali es ihnen leider nicht gut gut — was soll man macht Das steht in Qottes Hand. Alles kommt von Qottl Solche Qedanken hat Bassje, die Baderin, und liest die Haggai fließend herunter und merkt selbst nicht, wie sie weint und ihr Tränen herunterfließen. Bis es eben zu dem zweiten von den ,.\ Hechern" gekommen war. und der Jüngste der Könige Hause macl um einen Schluck Wein abzutrinken, da erschraken alle Weil r selbst, und Bassle, die Baderin, fuhr sie derb an und wischte sich Augen mit der Schürze trocken und schneuzte die Nase. „Was heult ihr denn plötzlich mitten drin los. was ist heul Versöhnungstag? Tempelzerstörung? Na, so was?" Erst da beruhigten sich die Weiber, als die eine dem „Kötli den Wasserschöpfer und eine Schüssel zur Handwaschung brach die andere die heißen Fische aus dem Ofen reichte, die dritte di i Meerrettich auftrug. Der jüngste der „Könige" sprach den Seg über den. „der geboten, ungesäuertes Brot zu essen". Die Frau stimmten mit Amen ein. Und die Mahlzeit begann still und wortli Unsere Jugend Jüdischer Jugendring Leipzig In der I" ü h r e r r a t s s i t z u u g vom IS. April 1929 wurde die unten abgedruckte neue Satzung des Jugendrings angenommen. Da der Jugendring in dem Verein „Das Haus der Jüdischen Jugend", der in den nächsten Tagen gegründet wird, eine führende Rolle zugeschrieben bekommen hat. war es notwendig, seine Satzungen etwas konkreter zu fassen, als die bisherigen es waren. In allernächster Zeit wird nun der Jugendring bis auf ein oder zwei Vereinigungen alle jüdischen Jugendbünde und -vereine zusammenfassen, so dali der Weg zu seinem Ziel als geebnet betrachtet werden kann, der Weg nämlich zur Erfassung und Pflege des der gesamten jüdischen Jugend Gemeinsamen, über allen parteilichen Verschiedenheiten Stehenden. 1 r das Sommerhalbjahr wurde folgende Leitung gewählt: Leiter: Hans Oesterreicher, Ste 11vert retender Leiter: Fritz Grübcl. Soziairessort: Nunja LuboschQtz, S p o r t r e s s o r t: Max llojda. M ä d chenre-ssort: Irma Cohn. \ ortragsressort: Fritz Grübe! für den Jung-Jüdischen Club, dessen künftige öffentliche Vortrüge euch Jugendringveranstaltungen sein werden. Vertreter des Jugendrings im Vorstand des Vereins „Das Ha der Jüdischen Jugend" zu Leipzig werden sein: Haus Oesterreich (Kameraden) zugleich Vorsitzender des Vereins; Jacob Brande (Ksr, Dr. Kurt Cohn (Studentengruppe des e.V.): Max Weiser (Kadimal Die Geschäftsführung des Jugendrings mußte Hans Oesterreich) an seinen Stellvertreter abgeben, da er schon als Vorsitzender des \ , eins „Das Haus der Jüdischen Jugend" sehr stark in Anspruch genoi men sein wird. Alle Zuschriften an den Jugendring sind daher Fritz Crübel, N 22. Gohliser Str. 18, zu richten. Satzung lies Jüdischen Jugendring I.uip/.itc. beschlossen ain ls. April 19 S i. N ■ me and Si 1z. Der Jüdische Jugendring Leipzig (im loliend den kurz „Jugendring" genannt) hat seinen Sitz in Leipzig. Solange i ReichsansschnB der Jüdischen Juzcndverbinde, Sitz Herlin. besteht, ist ihm angeschlossen und zur Mitwirkuni an seinen Arbeiten verpflichtet. 8 2. /. w e c k und Qrundla■ e n der .1 u gendringar b e i Der Jugendring will »amtliche jüdischen Jugendvereinigungen Leipzigs « lammeniasten zwecks gemeinsamer Arbeit auf allen die gesamte jüdis^: lugend angehenden Interessengebieten. V.r enthält sieh als solcher ied Stellungnahme gegenüber allen Parteien und Richtungen im Judentum. R von ihm zu leistende Arbeit darf nicht in bewußtem Widerstiruch zum jüdisch ReligKMSgesetl stehen. S .J. Stellung der .1 u gcndringverelnig u u gen i Jugendring. Dk Im Jugendring (usanuncngeschlossenen Vereinigung! sind zu gegenseitiger Loyalität und zu freundschaftlich!, r Zusammcnartx innerhalb des lugeildriugs angehalten. Ihre Selbständigkeit bleibt durch <l CT Central-Theater -BETRIEBE LEIPZIG Anton Schneider / Dittrichring 19 CT-KAFFEE - RESTAURANT Kapelle Jost / Kapellmeister Amstel CT-CASINO-TANZCABARET Täglich 5-Uhr-TEE bei freiem Eintritt Kein Gadcckzwang

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