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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1929-04-19 · 16 (19.4.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
5 (1929)
Issue
16 (19.4.1929)
Date
1929-04-19
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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ig April 1929 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Seite 3 auch nach den ihr bekannten Berechnungen über die Umlaufzeil der Gestirne; aber wenn die Saut;mf dem Felde zeigte, daß die Differenz zwischen Sonnenjahr und Mondrechnung zu groß geworden war, dann wurde der Ausgleich herbeigeführt. RechenmäBig ergibt sich, daß nach den heute gültigen Bestimmungen für die Ordnung des jüdischen Kalenders nach mehre ren Tausenden von Jahren das Pessachfest erst im Mai gefeiert werden würde. Das wäre in aller Zeit nicht möglich gewesen, da in einem, solchen Falle der Schaltmonal denn nur in einem Schaltjahre ist dieser späte Beginn möglich unterblieben wäre. Doch es wäre müßig, sicli darüber heute Gedanken ZU machen. Hoffentlich wird bis dahin der Prophet Elia gekom inen sein, der alle solche Fragen lösen w ird. vn. Jüdische Verbände und Gemeinden Sächsische Rabbinervereinigung \m Sonntag, den 7. April. t;inie zu Zwickau unter dem Vorsitze de! Rabbiners Professor Dr. Winter. Dresden, die Vereinigung jei sächsischen Rabbiner. Aus der reichhaltigen Tagesordnung dür- (en die nachfolgenden Erörterungen und Beschlüsse das Interesse der großen jodischen Öffentlichkeit in Anspruch nehmen. Zu dem Kampfe, den Rabbiner Dr. Goldmann, Leipzig, um die Befreiung jüdischer Kinder v 0 m S e Ii u i b es U c h an Sabbate n und jüdischen Feiertagen führt, wurde beschlossen, daß nach der Wahl des neuen sächsischen Landtages durch Vermittlung des sächsischen Gemeindeverbandes, dessen Vorstand auch der Vorsitzende der Rabbinervereinigung angehört, eine Eingabe eingereicht wird, die die unerläßlichen Forderungen des religiösen Judentums erhebt. Des weiteren wurden Einzelheiten aus der S e e I s o r g e B n Strafanstalten erörtert. Zum nächsten Punkte der Tagesordnung wurde beschlossen, die an den sächsischen Hochschulen eingeschriebenen Studenten in den Kreis der sozialen und seelsorgerischen Bemühungen zu ziehen. In Dresden. Leipzig und M i t twe I d a soll der Versuch gemacht werden, die Studierenden dlnie Unterschied der politischen und religiösen Einstellung zu sammeln und bei geselligen und geistigen Veranstaltungen ihr Interesse fur das Judentum zu wecken und ihr jüdisches Verantwortllchkeits- Kcfühl zu stärken. Nach der Besprechung einzelner Aufgaben der \\ .. ii d e r f ii r sor ge und der Erörterung von Standesangelegenheiten ging die Versammlung zum Hauptpunkt der Tagesordnung über, zum I. e h r p I a n für den Religionsunterricht In Sachse n. Rabbiner Dr. Gärtner. Zwickau, hielt ein gründliches und interessantes Referat über den „Systematisehen Religionsunterrich t", in welchem er vornehmlich die vorhandenen Lehrmittel kritisch beleuchtete, ihre Fehler aufzeigte und die Forderungen für die Abfassung neuer, geeigneter Lehrbücher anfüllte. In einer für den Juni in Aussicht genommenen weiteren Versammlung soll dieses Referat besprochen und die weiteren Themen, dir Unterricht in biblischer Geschichte, in jüdischer (lesellichte und Im Hebräischen behandelt werden. Unsere Gemeinde Redaktionsschluß für Nr. 17 des Gemeindeblatts Mit Rücksicht auf das Pessach-Fest soll die nächste Nummer des Gemeindeblattes am Donnerstag, dem 25. April erscheinen. Alle lür diese Nummer bestimmten Zuschritten müssen demgemäß späte- (ens Montag früh l'hr in unseren Händen sein. Die Schriftleitung.! essach-Unterstützungen Das Fürsorgeamt der Israelit. Religionsgemeinde gibt foleudes bekannt: Ks wird uns mitgeteilt, dal! seitens des Moaus-Chitim-Aushusses in den anderen Leipziger jüdischen und Tageseitungen die Gemeindemitglieder, die sich wegen Pessachnterstfltzung an den Moaus-Chitim-AusschuB gewandt haben, sucht werden, sich an die israelitische Religionsgemeinde zu Leipzig zu wenden. Wir weisen darauf hin, daß dem Gemeindevorstand eine estimmte begrenzte Summe, die nicht überschritten werden arf, für das diesjährige Pessachfest bew illigt ist. Daher können 1 ir lediglich die von der Gemeinde Betreuten mit einem kleinen Betrag unterstützen, während wir alle anderen Gesuchsteller nur mit Mazzos versorgen können. Halachischer Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Carlebach Her halachische Vortrag, den Herr Rabbiner Dr. Carlebach am Wnft T\2W nachmittags 16 I hr in der Talmud Thora-Synagoge (Keilstr.) halten wird, hat zum Thema: niVO mS'HX mxn nach den Stellen in: rt"3 rUün WtO -T'-'p DTIDB 'V'3 qT VT* Dem Gedächtnis des Herrn Justizrat Carl Lehrecht Die Bestattungsfeier unseres allverehrten Justizrats Carl Lebrecht gestaltete sich zu einer Kundgebung der tiefen und aufrichtigen Verehrung, deren sich der Heimgegangene erfreute. War auch, seinem letzten W unsche entsprechend, eine Bekanntgabe seines Heimganges durch die Tageszeitungen vor der Bestattungsfeier unterblieben, so hatte sich doch eine zahlreiche Trauergemeinde zusammengefunden, die, gerade weil bei ihr alles Konventionelle ausgeschaltet war. umso eindrucksvoller wirkte. Die ganze Verehrungswürdigkeit des Heimgegangenen fand denn auch in dem Verlaul der Feld beredten Ausdruck. Nach einem Präludiuni und dem vom Synagogenchor vorgetragenen enosch k'chozlr lomow hielt Herr Qemeinderabbiner l'r. Qol d m a n n die Gedenkrede. Sie zeichnete das Mild des durch mehr als vier Jahrzehnte mit der Gemeinde aufs innigste verwachsenen Mannes, bei dem die Vornehmheit der Gesinnung, die aufrichtige Herzlichkeit seiner Persönlichkeit und die Begabung für ein groll und edel angelegtes Leben die hervorstechendsten Merkmale gewesen sind. Lauterkeit des Charakters kennzeichnete sein Verhältnis zur Umwelt, feinstes Kunstverständnis, besonders für die reinste Kunst, die Musik, machten seine innere Welt reich und beglückt. Namens des Vorstandes und der Verordneten der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig widmete Herr Gemeindevorsteher Carl Goldschmidt dem langjährigen Syndikus tief empfundene Worte des Dankes. Fr hob besonders die Unparteilichkeit hervor, mit der der Berater der Gemeindevertretung die außerordentliche Fülle seiner Kenntnisse der einschlägigen Gesetzesbestimmungen vermittelte, und das freundschaftliche Verhältnis, das sich zwischen dem Syndikus und den wiederholt wechselnden Gemeindevertretungen jederzeit gebildet hatte. I iir den Sächsischen Israelitischen Gemeindeverbaiid und die Israelitische Reügionsgemeinde Dresden gab Herr Rabbiner Prof. Dr. Winter. Dresden, den Gefühlen der Trauer Aasdruck über den Verlust des Mannes, der insbesondere auch beim Aufbau des Qemeindeverbandes sich unschätzbare Verdienste erworben hat. Für den Pauliner-Altherrcnvcrband sprach Herr Dr. Henschel und dankte iiir die Treue, die der Bundesbruder seiner Verbindung von der Studentenzeit an unentwegt gewahrt habe. Der Liebe zur Heimat, die der Verstorbene durch seine tätige Mitgliedschaft im Verein der Rheinhessen bewiesen habe, widmete ein Vertreter dieses Vereins wehmütige Worte des Dankes. Tiefempfundene P.mkcsworte rief auch Rechtsanwalt Wide mann, der berufliche Mitarbeiter des Verstorbenen, seinem treuen Arbeitsgefährten in die Ewigkeit nach. Als letzter sprach persönliche Gedenkworte Herr Qemeinderabbiner Dr. Carlebach. Fr rühmte den wahrhaft religiösen Geist, den der Heimgegangene durch die W ahrung der bürgerlichen Gesetze bei den Beschlüssen der Gemeindevertretung bewiesen habe, denn die Beachtung der im Staate gültigen Gesetzesbestimmungen sei dem luden nicht blolt als Staatsbürger, sondern auch vom jüdischen Religionsgesetz zur heiligen Pflicht gemacht. Unter den Klängen eines gemischten Chors wurde alsdann die sterbliche Hülle des Verstorbenen aus der Halle zur Gruft getragen und zur ewigen Ruhe beigesetzt. Mit Herrn lusti/rat Lebrecht ist ein Manu dahingeschieden, der ein Stück unserer Gemcindegcschichtc lebendig verkörperte Als Lebrecht am 1. Juli lss7 damals noch als Referendar, als Rechtsanwalt wirkte er erst seit 1S<)0 die Stellung des Sekretärs der Gemeinde übernahm, zählte die Gemeinde rund .'500 Seelen (960 Steuerzahler). Den Aufstieg der Gemeinde au! das etwa Vierfache der Seelenzahl, der sich in diesen -10 Jahren vollzogen hat. hat Lebrecht Schritt für Schritt miterlebt. Fr war gleichsam der ruhende Pol in der Flucht der Erscheinungen, war Mitarbeiter von Mexander

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