Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 14 (5.4.1929)
- Date
- 1929-04-05
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4876568-5968790-5969087--2377-4879973- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
5. f 'l IW» GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN REL1GI0NSGEMEINÜE ZU LEIPZIG Seite 3 sal s alle jüdischen Gläser Im Kimon-Milgroim V/VI gusamme äsend behandelt hat, erübrigt es sich, liier nochmals darauf ein gehen. — Auf jüdischen Grabsteinen finden sich ebenfalls sje tiarmige Leuchter (gelegentlich fehlen einer oder mehrere .\, ) in erhabener Arbeit, elngemelBelt oder auch autgemalt Zu nmenstellungen finden sich In den bereits erwähnten Werk Qa . eis und In dem ausführlichen Katalog der Inschriften vom ,M te Verde" in Rom, den Müller und Bees zusammen unter (jen Schriften der Gesellschaft zur' Förderung der Wissen- Scl | des Judentums veröffentlicht haben. Viele kleine Aufsiii beschrieben einzelne Funde, die meist, wie hei Müllcrße< die Inschriften in erster Linie berücksichtigen und die bild- ||cl i Darstellungen nur nebenher erwähnen. Die Materie ist jed h so interessant, daß sie demnächst eine zusammenhäi nde Bearbeitung erfahren muß. Ks mag gleich hier gesuu sein, daß die beiden Stücke des Kaiser-Fricdrich-Muscums In rterlin die beiden Haupttypen geben; sie sind übrigei ausgezeichnet im Katalog des Museums von Wulff bes rieben worden, so daß hier gleich mit der Einord ng begonnen werden kann. Der Grabstein aus der „Vigua Rai mini" in Rom ist durchaus naturalistisch und zeigt einen soi. im ausgeführten Leuchter mit aufgesetzten Ollampen. Dei udere Grabstein wurde bei den deutschen Ausgrabungen in A et gefunden, er gibt nur ein Schema ohne Gliederung des Leu iters und ohne Lampen. — Ob bei dieser Abkürzung das Verl i. Tempelgerät zu kopieren, auch auf die Abbildungen eingev <t hat. ist wohl möglich, aber nicht unbedingt anzunehuii.! Zwischen beiden Typen stehen zahlreiche Zwischcnstufen, die sich besonders in der Form des Fußgestells und in der Behandlung der Armenden unterscheiden. Wahrscheinlich köl ten sie nach diesen Unterschieden geordnet und lokalisiert wei en. Auf Tonlampen sind sehr häufig siebenarmige Leuchter allgebildet (auch hier fehlen oft einer oder mehrere Arme); ob diese Lampen alle aus jüdischen Gräbern stammen, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, weil die ersten Christen häufig Lampen mit diesem Symbol (auch Palmen, ülkrüge und Fische finden sich hier wie dort) benutzten. Bei der Fülle der vorhandenen Darstellungen, die über die Sammlungen der ganzen Frde verteilt sind, fällt es sehr schwer, eine Bearbeitung zu unternehmen, es müßte zuerst einmal versucht werden, die in Katalogen und Zeitschriften beschriebenen Stücke zu vergleichen und zu richten. Diese Arbeit dürfte, soviel man heute sagen kann, ähnliche Ergebnisse zeitigen, wie sie für die Darstellungen auf den Grabsteinen angedeutet wurden. Auch auf Synagogendekorationen sind siebenarmige Leuchter zu finden. Fs mag auf die ausgezeichnete Veröffentlichung der Deut scheu Orient-Gesellschaft von Kohl-Watzinger über die galiläischen Synagogen hingewiesen werden. Diese sorgfältige Arbeit gibt auch weitere Duellen an, zu denen noch die im Weltkriege entdeckten synagogalen Mosaikfußböden hinzukommen, von denen jüngst einer im Milgroim-Rimon III bekannt gemacht wurde. Leider stehen über viele Funde noch ausführliche Berichte aus, so daß an eine erfolgreiche und zusammenfassende Bearbeitung nicht gedacht werden kann. Der siebenarmige Leuchter ist im Altertum zum Wahrzeichen des Judentums geworden, das in seiner Bedeutung fast der des Kreuzes bei den Christen entspricht. Das Bild des Leuchters bezeichnet den Inhaber des Grabes oder des Gebäudes geradezu als .luden; diese antike Tradition hat sich bei den orientalischen .luden besonders in vorwiegend mohammedanischen oder christlichen Orten bis heute erhalten. Die occidentalen .luden haben dies Symbol nur selten angewandt, erst durch die kabbalistischen Strömungen trat es wieder jetzt in rein mystischer Bedeutung, in den Vordergrund. Auf Amuletten und Misrachblättern und dergleichen finden wir solche siebenarmigen Leuchter, die fast ausnahmslos den anaturalistischen, abgekürzten Typ geben und oft von kabbalistischen Sprüchen gebildet werden. Mag auch das sogenannte Davidsschild (das ebenfalls ein seit altersher bei den Juden vorkommendes Emblem ist. so Gaster im Rimon-Milgroim III), bei uns heute zum jüdischen Wahrzeichen geworden sein, die Lichter des Chanukkafestes erinnern uns stets von neuem an den Leuchter im Heiligtum Jerusalem. Frich Toeplitz. Jüdische Verbände und Gemeinden üViläums-Tagung des Jüdischen Frauenbundes wii 9. bis II. Juni tag! in Berlin der Jüdische u Frauenhn d vom Deutschland. Die Tagung gewinn! eine besondei Bedeutung dadurch, dali der Bund in diesem Jahre sein 25jührig Bestehen feiert. Die verantwortlichen Vertreterinnen des Bunde erden auf Qrund ihrer langjährigen Arbeit über die Entwicklung de^ Jüdischen Frauenbundes berichten und die Zukunftsaussichten der |Q( .heu Frauenbewegung und jüdischen Frauenarbeit erörtern. Der Jfti -che Frauenbund, der 5(1 (HMI Mitglieder umfallt, und dem -450 Fr; envereine aller jüdisch-politischen Richtungen angeschlossen sin versprich! sich von dieser Tagung, die in allen Kreisen schon leb ifien Widerhall findet, wesentliche Förderung der gesamten Ar: it. Mner Anregung von Frau Rebekah Kohut, New York, die au im Jahre eine jüdische Frauenkonferem In Wien cinberui i hatte, folgend, findet vom 4. bis (>. Juni 1929 in H B m hur« ei Internationale jüdische Frauentagung statt. M >ler Vorbereitung dieses Kongresses ist ebenfalls der Jüdische Fr lenbund von Deutschland betraut worden. Ftwa 20 außerdeutsche U er werden ihre Vertreterinnen entsenden. Aus dem reichhaltigen Pl ramm, das sich mit sozialen und Erz lehuruzsf ragen, Frauen- »I i in den Jüdischen Gemeinden, sozialer jüdischer Frauenarbeit t)< häftigt, nennen wir Frauen, die für das gesamte Judentum von In esse sind, wie Völkerbund, .lewish Auency usw. Im Anschluß an in i schon ausgesprochene Wünsche sollen die Möglichkeiten d <■ QrOndung eines Frauen-Weltbundes erneut in Cr ikuiiu geiogen werden. Die Arbeit des Hilfsvereins der Deutschen Juden In Berlin fand die Jahresversammlung des Milfsvereins der Deutschen Juden statt. In Vertretung des Präsidenten des Milfsvereins, Dr. James Simon, leitete Herr Generalkonsul Eugen Landau die Versammlung. Nachdem Herr Bankier Willy DreyfuB den Finanzbericht erstattet hatte, «ab Herr Dr. M. Wisch nit /. e r einen überblick über die Tätigkeit in der Berichtszeit. Die Not der Juden hei t im Osten sei grCBer als je vorher. Vor dem Kriege habe es einige Pogrome gegeben, jetzt bestehe ein dauernder unblutiger Pngromzustand. .Millionen Juden seien aus ihren Berufen herausgedrängt, der Antisemitismus wachse, und es fehle nicht au Auswirkungen nach Deutschland hin. Die Jugend verkümmere, weil die Regierangen nationalistisch, chauvinistisch seien und das jüdische Schulwerk nicht nur nicht fördern, sondern es hemmen. Die A U S W a nde r e r f Q r S 0 r g e sei nach wie vor das Hauptgebiet der Tätigkeit des Hilisvereins. Die Pforte überseeischer Länder verschneite sich immer mehr der Einwanderung. Die Auswanderung sei dadurch in ihrem Umfange zwar kleiner geworden, aber die AuswanderuiiKsfürsorue erfordere wegen der erhöhten SchwieriKkeiteu weit mehr und kompliziertere FOrsorgearbeit als früher. Durch seine Organisation und Tätigkeit entlaste der Hilfsverein die deutschen Gemeinden. Auch dein Verband der Russischen Juden in Deutschland habe der Hilfsverein durch Gewährung von namhaften Zuschüssen für einzelne AuswanderungsfUle seine Unterstützung geliehen. Für die Übersiedlung j u n k e r L e u t e aus den Ländern des Ostens und Deutschlands nach dem Orient zur unmittelbaren Aufnahme von Arbeit daselbst habe der Hilfsverein einen erheblicher, Beitrag geleistet In der Berichtszeit passierten den Schlesischen Bahnhof In Berlin rund 30 000 Personen, die deutschpolnische Grenze in Stentsch etwa 7500, Hamburg und Bremen