Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 13 (29.3.1929)
- Date
- 1929-03-29
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Numm i; Verdienst. Erwachsen auf ostjüdischem Boden, hat diese Kunstform Ihre Lebensberechtigung erw iesen: denn sie i s t eine Kunstform. Nicht kollektiv modern und nielit Individualistisch iM sie ein Ausdruck lenes liidischen Geisteszustandes, der das Beste und Edelste unserer I rbmasse ist, der das ist, was der Jude heule und immer der abendländischen Kultur als seinen Beitrag schenkt Es ist kein Zufall, daß. unter den Büchern der Gegenwart „Der Streit um den Soldaten Grischa" und »Der Fall Maurlzius" von .luden geschrieben sind. Auch hier gehi es um „Gerechtigkeit", aber niqht bloß um Gerechtigkeit, sondern um mehr: es gehl darum, daÖ der Einzelne wie die Gesamtheit freiwillig jene unermeßliche Verantwortung Obernehme, daß alle mil innerer I ust in ihrem Tun die innere Forderung: das „Gesetz" und die „Lehre" ausleben, daß sie wirklich vollsaftig leben, aber auch volle Verantwortung tragen. Die Maßlosigkeit des Verantwortungswillens und der Rahmen „des Gesetzes" verbinden sich zu einer Heiligung iedes Tuns, das in diesem Geiste getan wird. Der Held unseres Spieles geht nicht zugrunde, well er wie die griechischen Helden In der Hybrls seine Erlebensgrenzen Überschreitet und maßlos wird und fällt, sondern weil er allein die Verantwortung tragen will und sein eignes moralisches Gesetz verletzt. Er wurde ,-erurteilt, er hat sich selbst gerichtet. Darum zum Schluß: das ist die jüdische Kunst: die Heiligung vot Einzelmensch und Gemeinschaft, indem alle sich nach Verant- .....2 drängen und durch das Gesetz der reinen Seele ihre Gottes- Sehnsucht stillen. Deshalb: Möge sich die Einrichtung des literarischen Gerichts ten! In dein Geiste, in dem wir es kennenlernten. So |ung. Und so jüdisch 1 Unsere Gemeinde Israelitischer Wohltätigkeitsverein zu Leipzig \ht. Solhadkolonie Diirrenbcrg (Alfons-Jacobson-Klnderhelm) Das Kinderheim wird am 7. Mai 1929 eröffnet. Es werden fünf Kolonien hinausgeschickt, Anmeldungen für sämtliche Kolonien werden entgegengenommen: M o n t a g . den s. April 1929, Dienstag, den 9, April 1929 und Montag, den 15. April 1929, 10—12 Uhr vormittags im Gemeindeamt (Löhrstr. 10, Erdg.) Spätere Meldungen können nicht berücksichtig! Weiden. Moaus Chitim-Ausschuß 1929 Es sei aul den an anderer Stelle veröffentlichten Aufruf des Ausschusses hingewiesen. Der Ausschult bittet. Spenden, die für Moaus Chitim 1929 bestimmt sind, an die Herren J. Felsenstein (Postscheck- 55077 und J, B. Sachs (Postscheckkonto 55 127) sowie an die linderen Herren des Ausschusses zu überweisen. Wegen Zuwendung von Beihilien mögen sich Gesuchsteller ebenan die genannten Herren J. B. Sachs. Humboldtstr. 2.3 (Anruf 271 IM und 16220) und M. Tager. Löhrstr. 13 (Anruf 217 82) wenden. Die Heiligung des Liebeserlebens von dem hohen Ethos iüdisch-sittlicher Weltanschauung gelrag ncr Vortrag des Herrn Dozenten Dr. J. H e i n e m a n n - Breslau rch warme Begeisterung des Redners die auf Einladung der des Jüdischen Frauenbundes zahlreich erschienene Zuhörerschaft. Tragen des Liebeserlebens beschäftigen gegenwärtig den Menschen besonders stark, den jüdischen Menschen mit der besonderen sUi das Judentum zu ihnen verhalte, und wie der jüdische Met >cl vot i! nen aus zum Judentum gelange. Die Antwort auf diese I rage kann in das eine Wort zusammengefaßt werden, das in der FoTd Ischen Eheschließung gesprochen wird: Du sollst mir angehe! 11g t sein. Mit dieser Auffassung unterscheidet sich d dlsche Weltanschauung wesentlich von allen anderen, die sich ai. Formen zurückführen lassen. 1. Der schrankenlose Sinnengenuß, der geradezu zum relii Kult erhoben wurde, wie beispielsweise bei den Babyloniern. Anschauung löst alle Schranken der Sinnlichkeit auf und schafft die doppelte Moral. 2. Im Gegensatz, zu ihr steht jene andere Anschauung, d Unterdrückung des naturhaften Triebes fordert: Die Askese des stentums, zu erklären aus einem doppelten Pessimismus, dem p sehen (der Mensch ist von Natur sündhaft) und dem kosmischen Weltuntergang steht nahe bevor), der weitverbreiteten Anschi jener Zeil, in der das Christentum entstand. 3. In ganz anderer Richtung entwickelt die Romantik, die M poesie, die Anschauung vom Liebeserleben und gestaltet sie sierend. Ihnen allen stellt das Judentum die Anschauung des sittl Monotheismus entgegen: dem Glauben an die Naturkräfte als I den heiligen Gott, der das gesamte Leben, also auch das Liebest zu heiligen fordert: dem Pessimismus der Askese den sittlichen mismus, daß der Mensch, wenn er auch nicht gut sei, so doch die In sich trage gut zu werden, und den kosmischen Optimismu ewigen Bestehens der Welt und die Aufgabe des Menschen, an steten Erhaltung durch Vervollkommnung des Menschen mitZUWi und schließlich der Minnepoesie, die Achtung vor der Frau als lieber Persönlichkeit, als Gattin und Mutter, wie sie im jüdi Schrifttum In unendlicher Schönheit In Erscheinung tritt. Von di Standpunkte aus werde der Kros durch die sittliche Religlosltü heiligt, indem auch das Triebhafte im Menschen zur Höhe edi Empfindung erhoben werde, wie umgekehrt das Religiöse eine W< liehe Förderung durch den Eros erfahre: Der Sabbatgedanke fange seine stärkste Verwirklichung vom Eros, dem Gcdankei Reinheit des Liebeserlebens in der jüdischen Familie. Bezeichnen die jüdische Anschauung sei. daß als das Bild für die heiligsten I findungen des jüdischen Menschen, für die Beziehung zwischen und Mensch, so häufig das Bild der Beziehung zwischen Mann Weib gewählt worden ist. Darin bekunde sich die ganze Grölii Forderung, die das Judentum hinsichtlich der Reinheit diese: Ziehungen aufstellt. Jii- Jrci 'sen icsc unit die iirichj. der ICH Iter ben ocs der en: -ittlien sein der für npioti und der Bc- Kundgebung der Agudas Jisroel Zu einer imposanten Kundgebung gestaltete sich der Wt abend, den die hiesigen Agiido-Gruppen am 12. März unlä der bevorstehenden 2. Kenessio Gcdauloh (September 1929 In V veranstaltete. Der Präsident des geschäftsführenden AusSChu Herr Jacob Rosenhelm- Frankfurt war eigens zu diesem Zw nach Leipzig gekommen, um In einem durch Form und Inhalt gl ausgezeichneten Referat die hiesigen jüdischen Kreise mit de der Kenessio zu behandelnden Problemen bekaiintzumachcn. der wannen Begrüßung des Agndoführers durch die Versamm ergriff zunächst der Vorsitzende das Wort, um in herzlicher spräche den verehrten Gast ZU feiern und ebenso auch den am! Redner des Abends. Herrn W. S. .1 a c ob s o n - Hamburg. Mit. des Vorstandes der deutschen Landesorganisation, zu begrüßen Alsdann erhielt zunächst Herr W. S. Jacobson das Wor einem einleitenden Referat, das die Pflichten des Einzelnen ge über der Gesamtheit umriß. Vom Adar-Gcdanken und der Sein Lehre ausgehend, entwickelte der Redner den Hegriff von I'flicht zur jüdischen Gemeinschaft, zur organisatorischen Erfas aller auf dem Boden der Thon und Tradition stehenden iüdis Menschen zum Zwecke der Durchhciligung der Gesamtheit ihrer Verbindung zu einer gottgewollten Thoragemelnschaft auf Aufgaben einer von ihrer hohen Bestimmung erfüllten, ihrer antwortung der Geschichte gegenüber bewußten Gemeinschaft CT Central- Theater -BETRIEBE LEIPZIG Anton Schneider Dittrichring 19 CT-KAFFEE-RESTAURANT Kapelle Valencia Kapellmeister Amstcl CT-CASINO-TANZCABARET Täglich 5-Uhr-TEE bei freiem Eintritt Kein Gcdcckzwang