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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1929-03-29 · 13 (29.3.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
5 (1929)
Issue
13 (29.3.1929)
Date
1929-03-29
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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(ÖemeittöcMatt D :R ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMErlNDE- ZU LEIPZIG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG« p .rimdudc-hlalt erscheint Jeden Ireltan und uird d ut gliedern der ItclinionsKc melnde uiicn(ff,eUlidi 1 du: di die IN ist zu Liest eilt — S C h T1 f 11 8 11 U II U 1 G rulerabblner Gustav Odin, Lcip/iu, Lohrstraftc 10 NUMMER II / JAHRGANG 5 FREITAG 29.MARI 1020 Amctoroverwltwui und Druck: Bikbdruckcrel \umus1 l'ries, l.cip'ip. Brudersir. 50 - Fernrul 70006 - ratsei) eck Lelp/In 53<>2<) — Nachdruck nur mit (^uellenu 11 gäbe und mit (•curliiin^un^ des Verl.issers BjOtuUlel BERUFSWAHL UND BERUFSBERATUNG Von S. Adler-Rudel, Berlin In diesen Wochen, in denen lausende junger Menschen die Schule verlassen und ins Leben treten, stehen Eltern und Erzieher vor der folgenschweren Entscheidung, die Berufs ahl ihrer Kinder zu bestimmen. Wenn auch die Entwicklung der letzten Jahre, der Ausbau der öffentlichen Berufsberatung und Lehrstellenvermittlung die Berufsentscheidung der Jugendlichen erleichtern, so ist doch die Verantwortung der Erziehungsberechtigten nicht geringer geworden. Am allerm -<teu ist dies dort der Fall, wo die Frage der Berufswahl ernsthaft überlegt und die Entscheidung nicht dem Zufall überlas: 1 wird. Wer im Bewußtsein der Verantwortung, die auf ihm liegt, den Versuch macht, jenen Beruf für sein Kind zu ermitteln, der eine gewisse wirtschaftliche Sicherheit gewährleistet, der stößt auf oft unüberwindliche Hemmnisse. Von den Litfaßsäulen, aus den Spalten der Tagespresse, durch Flugblätter und in Versammlungeil warnen die verschiedenen Berufsverbände vor neuem Zuzug zu ihren Berufen. Jeder Berufsinteressenverband ist bestrebt, die Lage seines Berufes und de: en Zukunftsaussichten möglichst düster auszumalen. Die An st vor der heranwachsenden Konkurrenz läßt den Berufs eg smus der Vereinigungen und Verbände in maßlose lieber In Hingen verfallen. Obwohl diese Warnungen zumeist nicht t genommen werden, tragen sie doch dazu bei, die Berufsil zu erschweren und die banne Sorge, mit der die Eltern wirtschaftlichen Zukunft ihrer Kinder entgegensehen, zu jern. Die jüdischen Litern stehen der Frage der Berufswahl r Kinder noch mit ganz besonderer Sorge gegenüber. Zu an sich schon vorhandenen Schwierigkeiten, die im Wesen er Frage begründet sind, gesellen sich jene Erschwernisse, aus der eigenartigen jüdischen Wirtschaftssituation resulen. Die durch die historische Entwicklung bedingte Beschichtung der Juden in Deutschland, die mehr als die fte aller jüdischen Erwerbstätigen in den kaufmännischen ufen zusammendrängt, hat im jüdischen Bürgertum auch i besondere Auffassung vom sozialen Wert der verschie- 8H Berufe gezeitigt, die ihren Ausdruck gefunden hat in der Jen jüdischen Familien gepflegten Berufstradition, die seit r von dem Bestreben der Eltern getragen war, ihren Kin- 11 den Weg zum Aufstieg zu ebnen. Auf diesem Boden er .hsen die Vorurteile neuen bestimmte Berufe, die Minder- ^ertuiiK der manuellen Arbeit, die im Handwerker und ncrblichen Arbeiter einen gesellschaftlich nicht vollwertigen tischen sah. d< du dk tu Der seit Jahrzehnten versuchten Berufsumschichtung der Juden mußte ein wesentlicher Erfolg versagt bleiben, weil sie nicht von den Erfordernissen der wirtschaftlichen Lage des einzelnen getragen wurde, sondern von diesem im Interesse des Ansehens der Gesamtheit die Wahl von Berufen forderte, deren Iraner von derselben Gesamtheit mit schlecht verhohlener Geringschätzung behandelt wurden. Die Not unserer Zeit hat auch hierin bereits in manchem Wandel geschaffen. Die Verarmung des jüdischen Mittelstandes hat innerhalb desselben frühere soziale Gegensätze ausgeglichen und mit veralteten Vorurteilen aufgeräumt, die schaffende manuelle Arbeit setzt sich allmählich auch bei den Juden durch und erlangt jene Achtung und Wertschätzung, die ihr bei anderen Völkern schon längst entgegengebracht wird. Der Wandel der sozialen Verhältnisse läßt im Judentum eine innere Umstellung in der Bewertung der Arbeit heranreifen, durch die die Berufsentscheidung der heranwachsenden Generation tiefgehend beeinflußt wird. Im Gegensatz zu den Umschichtungsbewegungen früherer Jahrzehnte, die künstlich hervorgerufen wurden, ist die gegen wärtin sich vollziehende Umschichtung die Ionische und na tflrliche Folge der wirtschaftlichen Lage der Juden, die den einzelnen und die Gesamtheit zwingt, nach neuen Möglichkeiten zu suchen und neue Wege zur Erlangung Wirtschaft lieber Sicherheit zu beschreiten. Der Berufsumschichtungsprozeß, der in den letzten Jahren im Judentum eingesetzt hat, ist der jüdischen öffent Henkelt viel zu wenig bekannt, er wird deshalb auch nicht mit jeuer Aufmerksamkeit beachtet, die hier zweifellos geboten ist. Wichtiger aber als die Aufmerksamkeil der öffentlichkeil ist die Tatsache, daß jene, die es angeht, und die von der Umschichtung selbst am stärksten erfaßt werden, die jüdische Jugend, den Frauen des Berufes größtes Interesse entgegenbringt Während in Versammlungen und Zeitungen noch Wege und Möglichkeiten der Umschichtung diskutiert werden, sind zwei Laktoren herangewachsen und zu Trägern der Umschichtung geworden, die jüdische Jugendbewegung und die jüdische Berufsberatung. Es lient im Wesen unserer Zeit und in der Stellung, die die Jugend sich erobert hat. daß die Fragen der Berufswahl nicht mehr wie früher von Litern und Vormündern allein entschieden werden. Die Jugend, deren Schicksal und Zukunft oft durch die Berufsw ahl bestimmt werden, w irkt mit an der Wahl

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