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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1929-01-25 · 4 (25.1.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
5 (1929)
Issue
4 (25.1.1929)
Date
1929-01-25
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Seite ti GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Nulluni; Ein altes jüdisches Frauenbuch (Z'eno ur'enoh) In einer Veranstaltung des Jüdischen Frauenbundes, Ortsgruppe Leipzig, sprach am Mittwoch, dem 16. Januar, Trau Or. Badts i r .111 ii. In einem stimmungsvollen und von reichem Wissen zeugenden Vortrag Ober »Ein altes indisches Frauenbuch" (Z eno ur'enoh). Sie leiteie ihren Vortrag mit den W orten ein. die der amerikanische Dichter Wall Whitmann seinen Gedichten voransetzt: ..Kamerad, dies Ist kein Buch. Wer dieses Buch berührt, der berührt einen Menschen". Dieses Buch, das dei Jüdischen Frauengeneration zur Zeit unserer Urgroßmütter ein Freund und Geleiter durch das Leben war. ist so stark von dem W esen jenes Frauengeschlechts eriiillt. daO unsere Vormütter Mir unserem geistigen Auge wieder erstehen. Voraussetzung für das Verständnis dieses eigenartigen Buches ist ein kulturgeschichtlicher Rückblick auf die Zeit und Denkweise jener Zeit. Iis ist bekannt. daB die Jüdischen Frauen, die von vielen religiösen Übungen ausgeschlossen sind, ihren besonderen Jüdisch-religiösen Pflichtenkreis haben, der sich um die drei großen Frauenpflichten, Challo, Niddo, Hadlokoh gruppiert, i nd mit diesen Frauenaufgaben beschäftigte sieh in jener Zell ein Kanzer Literaturzweig. Besonderer Beliebtheit erfreute sieh der „ßrantspieget", aus dein man ersehen kann. daB die l""rau jener Generation tiar kein so gedrücktes Leben führte, wie mau nach den uns bekannten Schilderungen der Ghettozelt annimmt. Die Frauen leiteten vielfach große Unternehmungen, führten ein großes Hauswesen, trugen einen eigenen Siegelring, mit dem sie ihre Vertrüge siegelten. Jene 1 iteratur sprach aber nicht nur von den Pflichten, sie predigte nicht nur Muss.ir. sondern sie bot auch in der Wiedergabe schöner Midraschim, .Märchen. Sagen und Legenden, viel Erbauliches für Ucist und Gemüt und gaben so in anmutiger Form den Frauen das Wissen, das die Manner sich im Lehrhause erwarben. Ein solches Buch war auch die „Z'enoh ur'enoh", die ihren Namen nach einem Zitat aus dem Hohelied hat, d. h. Z'enoh ur'enoh b'nauB J'ruscholajim „Kommt heraus und schaut ihr Tochter Jerusalems". Ihr Herausgeber ist Jakob heu Isaak. Das Buch enthält eine Uebersetzung des Pentateuchs, der Haftaroth, der 5 Megilloth und nun als Besonderes Erklärungen ZU jedem Vers und z\v;ir in der In unserem Jüdisch-geistigen Leben so vielfach angewandten Form von Frage und Antwort. Die Z'enoh ur'enoh Killt das l eben der biblischen Gestalten, von dem die Bibel nur knapp und klar erzählt, In allen menschlichen, kleinen Zügen weiterleben, ergänzt die knappe Schilderung der Bibel und bringt uns alle ihre Gestalten menschlich «an/, nah. Als die Z'enoh ur'enoh erschien, war es Kriegszeit, aber kein Wort spricht in diesem Buch wie In anderer zeltge- — scher Literatur vom Krien. So eingespannt ist das Leben der luden in ihre religiöse Gedankenwelt. Die Z'enoh ur'enoh ist Im largon «eschrieben, dem „Mameloschen", und so auch dem Germanisten eine Fundgrube für seine Sprachforschung. Fs gibt heute noch Menschen, die ihr Leben ganz Im Sinne der Z'enoh ur'enoh führen, stark erfüllt von Liebe iür dieses alte, Jüdische Frauenbuch ist Fräulein Bertha Pappenheim, die das erste Duell des l'cntateiich bereits Ubersetzt hat Da sich kein Verleger gefunden hat. konnte es nicht herausgegeben werden. Aber für ein anderes Buch, aus der gleichen Gefell stammend, das „Maasebuch", ebenfalls von Fräulein Pappenheim übersetzt, hat der Frauenbund den Verlag übernommen. Iis wird demnächst erscheinen, in weiten Kreisen mit Spannung erwartet Neue Bücher I >r. S i e n m ü n d I a m p e 1. Vorgeschichte des israelitischen Volkes und seiner Religio«. Mit Berücksichtigung der neuesten inschriftlichen Ergebnisse auf kritisch-historischer Grundlage dargestellt Zweite, völlig umgearbeitete und vielfach erweiterte Auflage in drei teilen. 1.T eil: I he Methoden. Frankfurt M. l'/2* (\ crlau.l.Kuutfiiiannl. In seinein vor etwa ls Jahna erschienenen Werke hatte der verdienstvolle forscher den Versach unternommen. Jas durch die vorderasiatischen Wichtige Neuerscheinung! Oer Talmud in Deutsch übersetzt v. Lazarus (ioldsuhmidt komplett in 11 Lein.-Banden zu je ca. 800 Seiten Supskripi"nvprciv JC PI. IV pro Hand Bestellungen bei : Dudiiuintiiung PI. W. Kaufmann, Leipzig Cl, Brühl 0 Ausgrabungen ZUtaEC geförderte reiche lnselirilteinnaleri.il für die Beleuchi der israelitischen Urgeschichte und damit für die wissenschaftliche Wei unserer Bibel nutzbat eu machen. Mit tiefschürfender Beherrschung des fangreichen Stoffes hatte Jampel den Nachweis gcfOhrt, dall die Karst, der Bibel, entgegen der dazumal in Mode gekommenen radikalen Kritik. ^, in diesen dokumentarischen Zeugnissen die glänzendste Rechtfertigung erl Inzwischen hat dieses Material eine ungeheure Bereicherung erfahren. An - seits haheti besondere Umstände das so bedeutsame W erk damals nicht /in Geltung kommen lassen. Iis muH daher aufs freudigste begrüßt wei dall der Verfasser das Werk nunmehr, gestützt auf die neuerschlossi , Quellen, erneut veröffentlicht. Im vorliegenden ersten Teil (ein /weiter i die Vorgeschichte des Israelitischen Volkes, ein dritter die der israelltis Religion behandeln) setzt sieh Jampel mit den bibelkritischen Methi auseinander. Lr fuhrt au Beispielen, die er den Thesen der „vornehm RcprSsentanten des extremsten Radikalismus in der Bibclforschung" nimmt, den Nachweis, dall die von der Bibelkritik angewandten PorSChui grundsitze nicht Anspruch auf unvoreingenommene historische Quellenwci erheben dürfen. Die Schule von Wellhausen, die in den letzten Jahrzel die protestantische Theologie beherrscht hat. Eduard Meyer, dessen i Stellungen der Geschichte des Altertums sich grundlegende Anerkennung worben haben, und selbst (iraetz. der groBeGeschichtsschreiber des Indem haben dadurch eine durchaus schiefe Beurteilung des biblischen Schrift! und damit des Judentums überhaupt hervorgerufen. Die Polgerungen, dh auf Grund solcher Methoden ziehen, brechen zusammen. Jampel wendet mit seiner Kritik nicht nur gegen die christlich-theologische Bibclkritlk, dem richtet auch ein Wort der Mahnung an indisch-liberale wie au lüdh konservative Bibelforscher, warnt die einen vor dem Betreten des vom tremen Radikalismus vorgezeichneten Weges und mahnt die anderen. . reine Vernunft auch in relicionsw issenschaftlicheii Prägen zu achten, um ihrer Hilfe die Tradition zu läutern." I"s ist nicht möglich, an diesei St auf Hinzelheiteti der so ungemein interessanten Beweisführung elnzugt Soviel aber darf gesagt werden, dall sie zwingend ist. Und es mull beson dankbar anerkannt werden, dall Jampel sich mit seiner Darstellung nicht einen engen Kreis von Fachgelehrten wendet, dall es ihm vielmehr gelun ist. den durch die Fülle von Problemen so spröden Stoff gemeinverständ zu behandeln. Wir konnten mit freundlicher Genehmigung des Verfassers Stuck aus dem Werke /um Abdruck bringen und verknüpfen damit W unsch, dall dem Buche recht zahlreiche Leser hesehieden sein mögen, aus ihm eine neue Schätzung unserer alten Bibel gewinnen werden. (i Aus dem Gemeindeamt Wochen-Zeittafel 25. bis M. Januar 1929 — 14. bis 20. Sch'wat 5689 1929 Januar Sch'wat 5689 Freitag 25. 14. Sonnabend 26. 15. S. B'schallach Sonntag 27. Iii. S. Schiroh Montag 2«. 17. Dienstag 29. IN. Mittwoch M). 19. Donnerstag 31. 2(1. Gemeindesynagoge Sabbatgottesdienst: Freitag, 25. Januar, Abendgc 17 Uhr mit Predigt (Rabbiner Cohn); Sonnabend. 20. Januar, Moru gebet {> i hr. Nachmittagsgebet 17 Uhr, anschließend Lehrvortrag (Ri Iiiner Cohn): Abendgebet 17..IT I hr. Morgengottesdiensl an Sonn- und bürgerlichen Feiertagen s i wochentags 7,30 I hr. Abendgottcsdiensl 17 I hr. Synagoge bz-Chaim, Otto Schill Str. 4 Freitag, den 25. Januar, abends l7Uhr; Sonnabend, den 26. Jam früh N,.?U Uhr, luiclmiittuK l<> Uhr. Ausk;uik I7..M Uhr. Wochentags iriih 7..}n Uhr. abends 17 Uhr. Talmud Thora Synagoge, Keilstr. 4 Sabbatgottesdienst : Preitag abend s Uhr; Sonnabend ab» 3,34 Uhr: Wochentags Mine tut 5 Uhr.

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