Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 1 (4.1.1929)
- Date
- 1929-01-04
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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(Bemeuiöeblafc DER ISRAELITISCHEN REUGIONSGErMErlNDE- ZU LEIPZIG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG! i m GemelndebJnM emdielnl Irden I reltMH und wird , ii Mh Niedern der Rellgtoniifemelndc unenl rjeltlkk di (In- Puäf tuaeatelll - Schrtftleltungi metndcrabbliter t>nst.i\ Cohn, Leipzig, l<AhretratteKl NUMMER 1 / JAHRCANC S FREITAG 4» JANUAR 1020 traelgenverwaltunji und Druck: Budidrudierel tuffutl Pries* Lelpxlg« BrQdenrtr« )W - lernrul 70O0Ö - Port- ■dien I rlpsln >v> -< > - Nadidrucfc nur mit Quellenangabe hikI »iit Genehmigung den Verfeuern netl«»tte1 DIE JUDEN UND DIE GRAPHISCHEN KÜNSTE Von Karl Schwarz. Itcr H c I n e-13 u n d, c I n e i ü d i s c Ii c Iiuc hgemeinde, Merlin W 57, Pallasstr. 10/1 ] (Mitgliedsbeitrag für diu vier Jahresrcihcnbände Iv'M. 14. . bei vierteljährlicher Zahlung RM. .*.75i, veröffentlich) als vierten Hand seiner zweiten Jahresreihe eine außerordentlich anregende Arbeil des bekannten Kunstschriftstellcrs K ,i r I Schwarz: Die ' u den i n d e r k ii n s i. Mit 50 Bildtafeln in Tiefdruck und 9 Textbildern. Holzfreies Papier, in Ganzleinen gebunden. Mehr als .'nn Künstler aus allen Zweigen der Kuustbctätigung und uns allen Zeiten und Ländern werden in diesem Werke gekennzeichnet. Eine kleine „indische Kunstgeschichte", in zusammengedrängter Form ein gemeinverständlicher Führer: den mit dein Stoffe Vertrauten eine dankenswerte, oft vermißte Ubersicht; den vielen, denen das Kunstschaffen der Inden bisher fremd war, oder die den Kunstleistungen der luden gur xn skeptisch gegenüberstanden, ein Wegweiser zum Verständnis dieser in der Qcschichtc zu stiefmütterlich behandelten Materie. Mit freundlicher Genehmigung des Verlages sind wir in der Lage, unseren Lesern d.is nachstehende Stuck zu bieten. T^X ic Kunst des Impressionismus förderte auch die graphi- 1 sehen Künste. Mit iIir traten die sogenannten Peintres *—* Rraveurs auf, d. Ii. die M;iler. die dem Bilde auch in Ra- ■ erung und Lithographie zu der gleichen Höhe wie der Malerei < rhalfen. Es bedarf nur des Hinweises auf Namen wie Pisro, Israels. Liebermann und Ury, um mit diesen r bedeutendsten Impressionisten der wichtigsten Kunstlänr zugleich die hervorragendsten Graphiker zu bezeichnen, e sind längst zu Klassikern der Radierkunst und der Lithoaphie geworden. Die Zahl der jüdischen Graphiker Wächst nun schnell an. allen Ländern, allen Künstlervereinigungen, die den verschietnsten Kunstrichtungen angehören, finden sicli jüdische Künst r von bedeutenden Qualitäten, lauen Überblick über Ihr chaffen zu geben, .st kaum möglich; denn last alle, die auch s Maler hervortreten, betätigen sich auf diesem Gebiet und Ltzen liehen ihre malerischen Leistungen ebenso bedeutende i aphische. Nur einige Künstler, deren Hauptgewicht die S c h w arzeißkunst ist, müssen hier noch hervorgehoben werden. Zu ilgemeincr Anerkennung hat es II ermann Struck gerächt, dessen feine Radierungen eine virtuose Beherrschung lei Technik verraten. Besonders seine /arten KaltnadelradJeingen erheben den Anspruch auf künstlerische Leistungen, während die «rolle Reihe seiner Porträts, darunter vieler bedeutender Zeitgenossen, sich mehr im Sachlichen als Künstlerischen erschöpfen. Zu der Zeit des aufblühenden jüdischen Interesses fanden seine Charakterköpfe ostjüdischer Typen und die Darstellungen jüdischen Zeremoniells viel Beachtung. Es fehlt aber diesen Blättern, obgleich sie die Werke eines überzeugten und orthodoxen .luden sind, das Pulsierende des Blutes, da l>ei Struck das Künstlerische durchaus durch das Verstandesmäßige übertönt wird. Seine palästinensischen Landschaften können trotz, der Zartheit der Technik das eigenartig Atmosphärische dieses Landes, das Vibrieren des Lichtes und Leuchten der Sonne nicht Uberzeugend wiedergeben. Ganz anders Ephraim Moses Lilien, der in seinen jüdischen Blättern, in deren Heist seine Kunst ganz aufging, eine eigenartige Stilistik herangebildet hat, die aber manchmal durch technische Unvollkommenheiten stark behindert wird. I ilien sucht seinen Weg, den man nicht ohne eine gewisse Rührung verfolgt. Ir wollte dem Jüdischen in seiner Kunst eine Note verleihen und dieses auch durch eine spezielle Ornamentik betonen. Er suchte die Anregung hierzu in den frühen Drucken des hebräischen Buches. Eine Lösung ZU finden war ihm aber nicht beschieden. Er erkannte die Notwendigkeit der Wiederbelebung des jüdischen Buches, das durch das neue Schrifttum endlich wieder an Interesse zu gewinnen begann. Die Lieder des Ghetto von Morris Rosenfeld sind wohl seine bedeutendste Schöpfung. Die von ihm jedoch begonnene illustrierte Bibelausgabe, die über die erstell Bände nicht hinauskam, muß als ein mißlungener Versuch abgelehnt werden. Halt sich jüdische Künstler auch auf dein Gebiet der Karikatur betätigt haben und betätigen, verdient deswegen hervorgehoben zu werden, weil der Jude im allgemeinen eher gctieigt ist. eine mehr sentimentale als heitere Kunst zu pflegen, und auch in Genredarstellungen immer einen elegischen Ton anschlägt. Frederick Burr Opper, 1857 in Madison geboren, gilt als ein bedeutender politischer Karikaturist Amerikas. Achtzehn Jahre lang war er Hauptillustrator der bekannten Zeitschrift „Puck " und ging 1899 /.um ..New York Journal" über, wo er durch seine witzigen Zeichnungen stark auf die öffentliche Meinung im Präsidentenkampf im Jahre l'MI einwirkte Auch als Illustrator der Werke von Mark Twain hat er sich einen Namen gemacht Ein zweiter amerikanischer Meister dieses Faches ist der in Worms is(,s geborene Henry Mayer, der 1885 nach Mexiko und später nach Chicago über siedelte. Er ist in Europa durch seine Beiträge in den ..Mint-