Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 52 (29.12.1928)
- Date
- 1928-12-29
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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i Seraeiub cblatt PER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMHNDE ZU .tlPZIG AMTLICHES NACHRICHTENBLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG! hrlftleltungi Gciucindcrtbbtner Guttut Cohn, /iy, Lflhrttruflc it>. - Die Schrtftleltuni QbernluMri i Aiv untfr 'l< ni N.imrn iles \ crlusMrs t-rsdicinciHlYn i Agc un<t ilif \ erelroiMChrichten nur die nrcflgcicli i \ eiuntwortung — Nachdruck nur mit Quellen" ibe uiul mit Genehmigung dei Verfetten Bettuttel NUMMER S2 / JAHR6AN6 4 SONNABEND 20* DEZ» 1028 D.is Genclndcblttf ertchclnt wöchentlich an Kreltag und u Ird den Mitgliedern der Reltgtontgemelndc unentgeltlich durch die Pott nigettcllt* - traelgen* er* titung und Drucki Buchdrutkerel tugwri Prleti Lelpxlg, broderitraflc 5Q r'ernrul "(hk)(> Potttchcck Leipxlg 539 3o Antelgenvertreten l. Külmr, Lclptlg, Bauhofitrattc <> DIE LEIPZIGER JUDENGARKÜCHEN DES 18. JAHRHUNDERTS Historische Studie von Arno Kapp, Leipzig I M früheren Zeiten nahmen die nach Leipzig reisenden jüdi- :hen Kaufleute ihren K< cli gleich mit auf die Messe. Für die us großen Fernen zur Messe fahrenden jüdischen Händler dies natürlich mit großen Kosten verknüpft, denn sie durften Köche keineswegs andere Arbeiten verrichten lassen, de einer der Diener etwa beim Mandel ertappt, so ließ ihn Rat in gefängliche Haft bringen, und mir ein hohes Löse- . das sein Herr zu entrichten hatte, verschaffte ihm wieder reiheit. Als im IS. Jahrhundert sich die Zahl der jüdischen besucher gewaltig steigerte, eröffneten RncHgc Judenköche Leipzig für die Dauer der Messen Judcngarc Ii en. Welche Bedeutung diese im Laufe der Zeit erlangerfahren wir aus den Akten des Leipziger Ratsarchives. besuchten im Jahre 1755 folgende Judenköche die Osterssc: Heinrich Levi und Moses Salomon aus Dessau mit 31 Qehilfen; die Köchin Qenthe, die Frau des Benedict Moses aus Qröpzig mit 27 Qehilfen; Jacob Hirsch und Köchin Zipora aus Halberstadt mit 38 Qehilfen, gesamt also 101 Personen. Hin Jahr später finden wir sogar i Judenköche mit 138 Qehilfen in Leipzigs Mauern. Unter den Köchen genoß Samuel Fürth aus Dessau einen uz besonderen Ruf als tüchtiger und sauberer Qasthalter. Am lanuar des Jahres 1765 erbat er vom Leipziger Rai das I'riviv. mit seinen „O e h ü 11 f e Rind e n d r e v M e s s e n e i n c udenfleischkocherey exerzieren (ausüben) zu irffen." Für diese Konzessionserteilung erklärte er sich ni Rate gegenüber bereit, 50 Taler sofort an die Einnahmeube zu entrichten, aber auch „überdieß alles dasjenige richtig izugeben, was ein anderer Judenkoch abzuführen habe." Der Rat nahm dieses freiwillige Angebot selbstverständlich ern an. Fr lud Fürth einige Tage später vor sich auf die Ratstube, WO er ihn einen Revers unterschreiben ließ, in welchem :h Fürth verpflichtete, s< fort die 50 J'aler zu bezahlen, auch ußerdetn versprach. ..niemals ein anderes Qewerbe oder Kar Iwan Handel zu treiben." Qleichzeitig wurde ihm noch mitteilt, dall er sich nur während der drei Messen in der Stadt aufalten dürfe! Nicht nur in Leipzig sehen wir Judengarküchen unter dem Schutze des Rates entstehen, sondern auch in den Vor- Städte n der Meßstadt So durfte der Judenkl ch Wolf Jacob zur Neujahrsmesse I77n vor dem Peterstore gegen 10 Taler Jahreszins eine Garküche errichten, denn die jüdischen R o ß h ä ndler. welche in Meßzeiten v o r d e in Peterstore, also außerhalb der Stadt logieren mußten, (der Aufenthall in der Stadt w ar den Pferdejuden überhaupt verboten) hatten sich mehrfach darüber beschwert, daß sie ..den ganzen Tag über kein warmes Essen bekämen." Diese freiwillig angebotenen Konzessionsgelder bewirkten, daß der Rat am 22. April 1774 sämtlichen auf der Messe anwesenden Judenköchen an Ratsstelle erklärte. „d all sie inskünfftige nicht mehr die Stadttore passieren könnten, o h ne e t w a s dafür zu kc be n." Her Judenkoch Moses Salomen aus Dessau erklärte daraufhin, da« er ..seit ,11 Jahren in den hiesigen Messen eine Judenkoclierey, 6 Qehilfen und einen Schächter gehabt, aber niemals für diese Conzcssü n etw as gegeben habe." Er erklärte sich aber bereit, für die Folge nunmehr für jede Messe 3 Taler zu zahlen. Auch alle anderen Köche waren bereit, für ihre Garküchen Konzessii RSgebÜhren zu entrichten. Mit dein Wachstum Leipzigs vermehrten sich auch die „Judenfleischkochereicn". Im Jahre 1776 zur Ostermesse, w aren deren bereits elf im Betriebe. Die Besitzer hießen: Meilem a n n E z e c h i c 1 und Hey n e m a tl u M e n d e I. beide aus Dessau. Moses Salomon. Jacob David,Hirsch Levy, Isaak Hirsch. Wollt" Jacob und Loebel Levi aus Dessau. Samuel Michael von Dresden. Aarou Nathan und Samuel Herz von Qröpzig und I saa c Meyer von Halberstadt. Jeder Koch mußte für seine Helfer durch den Lid erhärten, „daß diese vor sich selbst und andere keine eigene Handlung betreiben." Das Essen in den Garküchen fand nicht immer den Beifall der Gäste. So schrieben die Berliner Juden am M. Dezember 17('s an den Rat zu Leipzig (Titl. I I 4-4):