Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 44 (2.11.1928)
- Date
- 1928-11-02
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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4. Jahrgang Nr. 44 2. Movtmfctr 1928 miinMkf dzr J*r&eliti$cken Amtliches NdxhrichteH ^Jtr a^Hicihdevcrw^ltuM kz l iqiongqz tfizindz V* itfafa &*IA V \ II Geaatadsblatt »scheint »6chentlich am F t».j i MUolledarn der Religion .gemeinde wird ei un- 'jiltlUh durch die Post zugestellt. Bezugspreis für Nlohtenltglieder monatlich V) Ptannige. Anzeigenannahme - H Teteher. GlockenstraSe U. Telephon 14449. 3-hriltleitunq: G;m nij L. )ur- ©»'»n. i *,i»ig, LShrstr 10 Telej.'i«t. ./cli. .; >"> k n«. ■ lag; W. Teicher Le pilq. 31 ictemti. I , r inon Anisigenpreise- Di < 4 grspalteas n ■ *.ei < ~ Ptm'li:aad kleine A zeigen 10 PI J lachlaaeattM uid Te« nsvat« na : i be-id I ar.f. - f'ir ütn Inseratenteil: J. Kühne, Bau ig irr. 9 (Telephon 14449, iY.t ~.-.arit'Heitung übelnimmt fQdie unter den, Samen des Verfassers erscheinenden Beiträge and d e Vt efaafiichftchten nur die pießgesetzli:he Verantwortung. Nachdiuck nur mit Quellenangabe und CienetirriigunQ des Verfassers gestattet. Tagung der orthodoxen Rabbiner Deutschlands Die diesjährige Generalversammlung dos Verbands irti.odoxer Rabbiner Deutschtands fand unter starker Beteiligung der Mitglieder aualten Teilen Deutschlands im Hörsaal der Israelitischen Religions* Gesellschaft, Frankfurt a. M., am 21. Oktober statt. In Vertretung des durch Krankheit verhinderten Herrn Rabbiners Dr. Bottdl-Mainz eröffnete Herr I'rovinz.ial-Rabbiner Dr. Hi rschf cld-Giellen die i ralversaramlung mit einem tief empfundenen Nachruf auf den In inigegangenen Oründer und langjährigen Vorsitzenden, den Herrn liner Dr. Saloinon Breuer, und die übrigen seit der letzten Tagung heimgegangetien Mitglieder. I B folgten Begrüßungsansprachen seitens des Vorstandes der Israeitischen ReUgionsg es ellschaft Frankfurt a. M., der Freien Vereii ung für die Interessen des orthodoxen Judentums Frankfurt a. M., d - gesetzestreuen Qemeindeverbandes und anderer geshmungsgenössisclier Organisationen. Vus dem Geschäftsbericht ist die Tatsache hervorzuheben, daß der \ band zurzeit aus über 50 Mitgliedern besieht und eine rege Akti- \ i auf den verschiedensten Qebteten des jttdiseshen Lebens entlaltet hat. Noch in der Eröffnungssitzung wurde auf Antrag des Herrn 4Rab- :r Dr. Moses Auerbach-BerIi n die nachstehende Resolution in der Angelegenheit tler Köthel Maarowi beschlossen. ..Der orthodoxe Rabbinerverband in Deutschland hat mit tielein hmen von den Vorkommnissen Kenntnis genommen, die sieh am ■ rgangenen Jörn Kippur an der Koihel Maarowi ereignet haben. Die Generah ersanimlung richtet an ilie gesamte gesetzestreue jüdische Diaspora einen flammenden Appell, nichts zu scheuen, um Wiederholung derartiger Vorkommnisse oder gar die Aus- ' hliefiung jüdischer Beter von dieser heiligsten Stalle der Jurthdi wirksam /u verhindern. Die Qcneralvcrsanunhing richtet an die l Eitting der Agudaa Jisd die Aufforderung, mit höchstem Nachdruck bei der palistinsischen Regierung, der .Waudat.mnaeht und dem Völkerbund alle erforderlichen Schrite zu ergreifen, um das rhtreh die Jahrhunderte gesicherte Recht des jüdischen Volkes, an der Köthel Maarowi »belästigt beten zu dürfen. Antastungen gegenüber /u verteidigen und EU erhalten und hierbei die rein religiösen Motive, die für die ese lies treue Judenheil in dem Kampf um die Köthel Maarowi schließlich maßgebeend sind, in voller Klarheit /in Oeltung zu bringen.1« Die zweite Sitzung fand am Sonnlag abends statt. Herr Rabbiner Auerbach-Halberstadt, hielt ein Referat über die l äge r Orthodoxie in Deutschland. I lerr Rabbiner Dr. Ii res - lauer-Fürth sprach über „Der Schabbos im modernen Irtschaftsleben". Auf vielfachen Wunsch fanden diese Referate öffentlich statt. Danach fand eine geschlossene Sitzung statt, in welcher bis weit nach Mitternacht das Referat von Herrn Rabbiner Dr. Auerbach-Halberstadt über „Die Lage der Orthodoxie in Deutschland" eingehend besprochen wurde. Der Referent selbst entwickelte in Ergänzung seines Referates eine Reihe bedeutsamer Gesichtspunkte über die Beziehungen der beiden Oemetndeverbände. Die Rabbiner in den einzelnen Teilen Deutschlands legten die Verhältnisse in ihren Amtsgemeinden dar. Am Schlüsse der Aussprache wurde folgende Resolution einmütig beschlossen: .,1 )er Verband orthodoxer Rabbiner Deutschlands fordert seine Mitglieder auf, für die Notwendigkeit der gesei/estretien Gemcindevei bände in ihren Gemeinde aufklärend zu wirken und sie. soweit es noch nicht geschehen ist, /um Anschluß an diese Verbände zu führen.'' Die Vormittagssitzung am am Montag, den 22. Oktober begann mit einer sehr eingehenden Aussprache über das Sabbathproblem vor allem in wirtschaftlicher Hinsieht. Herr Rabbiner Dr. Br e s 1 a u e r - Fürth gab noch einmal einen kurzen Auszug tler von ihm bereits in der öffentlichen Sitzung entwickelten Gedankengänge, Nach mehr als Zweistündiger Aussprache wurden eine Reihe von Resolutionen gefallt, die sieh teils an die Mitglieder des Verbandes selbst, wenden, teils aber auch dazu bestimmt sind, der jüdischen Öffentlichkeit bekanntgegeben zu weiden. Von diesen Thesen seien folgende hervorgehoben: 1. Die Generalversammlung des orthodoxen Rabbinerverbandes erkennt an, dal! nur eine neue verständige seelische Einstellung des jüdischen Publikums zu den durch das gegenwärtige Wirtschaftsleben für die unverbrüchliche Sabbathut gegebenen Probleme einen Erfolg verbürgen kann. 2. Die Gemeindeversammlung ruft daher das soziale und moralische Gewissen aller jüdischen Menschen auf, in Treue und Solidarität mit einander für die Hut des Sabbath einzustehen und dafür einzutreten, dal! in sabbathtreue Geschälte vor allem sabbathtrcue Angestellte gehören und zwar auf der liasis gegenseitigen Vertrauens und der Würdigung der beiderseitigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, dal! das jüd. Publikum seinen Verpflichtungen gegenüber sabbathtreuen Kaufleuten und Handwerkern sieh bewußt bleibt, daß aber auch der schwerringende jüdische Konsument vor ungerechtfertigter Belastung bewahrt bleibt. 3. Die zur Eröffnung neuer, der Sabbathut günstiger Erwerbszweige notwendige Umschichtung (Handwerk, Fabrik, Haus- und Landarbeit) darf nicht an irrigen Ehrbegriffen Unsens eingebürgerten jüdischen Qeseflschaftslebens scheitern. Es ist elementarste jüdisehmoralische Pflicht aller, auf die gesellschaftliche Oleichordnung aller sabbathtreuen Stände hinzuwirken. I Die Erziehung zur Sabbathtrcue im Berufsleben muß schon frühzeitig beim jüdischen Kind beginnen: a) vor der Gefahr des Besuches einer nicht einwandfreien jüdischer! Schule kann nicht ernst genug gewarnt werden; b) andererseits kann die — gesetzlich ermöglichte Befreiung des jüdischen Kindes vom profanen Unterricht am Sabbath nicht hoch genug bewertet werden: c) der orthodoxe Rabbinerverband empfiehlt sei-