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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1928-10-19 · 42 (19.10.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
4 (1928)
Issue
42 (19.10.1928)
Date
1928-10-19
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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h. Jahrgang Nr. 42 19 Oktober 1928 rofinMM dzrJzr&zlitischzn Am-HicKzs Hd^hrickietitilöt ^Jtr dzhizirtdzvzrwtliHM kz l iqionZqz mzmdz &titytg (UCM4HJL tf K . .tt-j' ad •: 1 -,t; «ischeint w.nchentüch um P;e tag i III*' 'edsra der Religionagemrinlo wird ea un- | t'ch lieh Hie Post '."gestellt. Bsiujnrsis Ml ■ - ir«ii g'i-Her monatlich SO Pfennige. *."iei]e an ahm« Trieb <'i Glcciensti»..e 11, Taleihon 144-49 S:hriftleitung: Gm... .a. «.f. uurtet« Cs.i .. e i ng, Lihistr 10, telep '<-!■ 2«41. :: i>—r.k und veii..;. W Teicher, Le piig, Glockenstr. II, Telephon 14449. Anteiaenpreise; Die 4 gispalteae rM-ZdU 20 Pfg. Familien- und kleine Anzeigen 10 Pf . •'.».. i.,s-iteri und Textinserate nach bs: cd I ar 1 - Für den in ü '•tenteil: J. Kühne, Bauhflfitr. 9 (Telephon 14449, Die Scnnltleitung übernimmt tur die. unter oem Nn-nen Ac\ Verfassers erscheinender, Beit Iga jnd i'e \/e «insnaenr chten ny die preS ,esel7li:?e Ve:ani*o-* int NacSd'uilt nur m't ^ue!ltnangat.e und Genehmigung des Verfassers -«staltet. Das Freizeitproblem der jildisctien erwerbstätigen Jugend Von l >r. (icori; Uubintki, Berlin. I - i-t jetzt ungefähr ein Jahr her, tlali das Interesse der Oeffentlichkeit aili das urolie volkshyfjieniseiic Pioblem tlt-r Freizeit der Jugeml durch die Ausstellung ..Das junge Deutschland" gelenkt worden ist Die Ausstellung, die auch eine für Berlin sehr gr »ße Zahl von Besuchern gefunden hat, und die einen halb offiziellen Oharaktn dadurch gehabt hat, dafl sie sehr stark'von den .Reichs- und Landesbehörden unterstützt worden ist, hat das ihr gesetzte Ziel: Die Einführung iles h nOeschränktcn Achtstundentages und die Oewähnii; eines ausreichenden Urlaubs für alle Jugendlichen nicht erreicht, oh: eich sieh hinter diese Forderung die Jugend aller politischen Richtungen gestellt hat. Auf der Ausstellung hat das Freizeit pioblem der jüdischen Jugend besondere Darstellung nicht gefunden. Es anh wohl eine, vom isausschuB der jüdischen Jugendverbände geschaffene, bea >n- Koje der jüdischen Jugendbewegung, die die verschiedenen ungen außerhalb der jüdischen Jugend zum Ausdruck brinollte, es entsprach aher nicht dem Ausstellungsplan, das Freirobletn ein/einer Oruppen der Jugend gesondert rar Daratel- ZU bringen; es wäre andererseits auch kaum möglich gewesen, er knappen Sprache der Zahlen oder sonstiger statistischer Augaiwas über diese Frage bei uns auszusagen, weil hier wie an vielen Stellen irgendwelche zuverlässigen statistischen Aufinungen fehlen. Die Furcht vor dem Fragebogen, die gleicherauf der Seile der Versender w ider Empfänger besteht, Ihnimmer wieder an einer zuverlässigen Erfassung unserer rSotv roblerne, soweit sie überhaupt durch Zahlen darzustellen sind, enn auch zugestanden werden muß, daß die nachfolgenden Ausungen der statistischen Unterlagen entbehren, so stützen sie andererseits auit eine ziemlich genaue Kenntnis des jüdischen ndlehen . in Deutschland, so daß ihnen insofern wie der Verr hofft - ein gewisser Wirklichkeitsgehall zukommt. ie bei d er Darstellung allei jüdischen Fragen der S i/i.iipolitik Wohlfahrtspflege bat mau sich zunächst Rechenschaft darüber eben, ob denn die bebandelte Frage fruchtbar unter dem Aspekt .Jüdischen" zu betrachten ist, ob denn ein judisches Sonderprobvorhancien ist. Die Antwort kann liier wie bei den meisten Fradieser Art nur die sein, dali es sich sonst um das allgemeine blem handelt, verändert nur durch die eigentümliche soziologische I e der Juden in Deutschland. is spezifische jüdische Sonderproblem bei der Fra^c der Freizeit gegeben bei demjenigen Teil der judischen Jugend, der am Sonn- Bd nicht arbeitet und dafür gewöhnlich am SoUtttagVonnittag oder UbrigCf Wochentagen länger arbeiten muH. Hier lallt sich die ge der Frei/eit nicht einfach durch den Hinweis lösen, daß ja diese endlichen statt des Sonntag den Sonnabend zur Verfügung ha- Man weil), dali der Sabbath gerade für diesen Teil der Jugend Freizeit in dem üblichen Sinne einer körperlichen Ertüchtigung ein Rr dei Rk gei zei km in bei Sc! zv< de de «'•: si> J< fa u ZI' d I. I und Kräftigung durch Wandern und Sp.irt nicht in Frage kommt, weil das alles Tätigkeiten sind, die am Sabbath nicht getan werden dürfen. Soweit der Sonntag daneben freibleibt, entsteht in bezug auf die Wochencud-Freizcit kein Sonderproblem, sondern höchstens nur in bezug auf die I änge ih r täglichen Arbeitszeit. Hier wird aber ein Ausgleich gefunden werden müssen, wenn die täglich verlängerte Arbeitszeit auch eine schwere Belastung Ihr eine siunv >ll.- Ausfüllung der täglichen Freizeit bedeutet. Anders ist dies, wie wir gezeigl haben, da, WO statt am Sonnabend am Sonntag gearbeitet wird. Hier muH gefordert werden, dali diese Sonntsgarbeii im Interesse der Freizeit aufhört. Bezeichnenderweise wird dieser Mangel innerhalb der gesetzestreuen Jugend, die froh ist, übet* haupi sabbathfreie Stelleu zu finden, nicht sehr schmerzlich empfunden oder wenigstens nicht laut alusgesprochen. Es soll hier einmal die Behauptung gewagt werden. deren Richtigkeil einzelnen sich jeden Augenblick <rweisin läßt daß die gesetzestreue Jugend durchschnittlich in ihrer körperlichen Ausbildung, im Sport und Wandern den übrigen Feilen ihr jüdischen Jugend unterlegen ist Das ist nicht etwa allein auf die Sonntagsarbeit zurückzuführen, sondern beruht vielmehr auf einer starker vom Körper abgewandten Haltung des orthodoxen jugendlichen als sonst des judischen Jugendlichen, i fiese latsache de geringeren körperlichen Bedürfnisses des gesetzestreuen Jugendlichen killt ihn auch den Mangel der Sonntagsfreizeit weniger stark empfinden. Eine verantwortliche Sozialpolitik hat aber nicht nur die subjektiv empfundenen Schäden, Sooden] auch die objektiv vorhandenen, aber subjektiv nicht gefühlten Sehaden zu heilen. Dabei i-t noch darauf hinzuweisen, daß schon durch die gesetzlichen Vorschriften Uber Sonntagsarbeil du' Zahl der Jugendlichen, die unter die soeben behandelte Kategorie fallt, nicht sehr groß ist. Der größte Teil der berufstätigen jüdischen Jugend ist auch heute noch ungeachtet einer nicht unerheblichen Anzahl von Handwerkern — in den kaufmännischen Berufen tätig Diese Tatsache gibt dem Freizet tproblem ih r jüdischen Jugend seine bestimmte Nuance. Das Bild wird hoch prägnanter, wenn man hinzufügt, daß der größte Teil der erwerbstätigen jüdischen Jugend in Mittel- oder Kleinbetrieben tätig ist. Auf dii Qründe gerade dieser letzten Erscheinung braucht au dieser Stelle nicht eingegangen zu werden, an der mehrere Spezialuntersuchungen gerade dieser Frage gewidmet worden ist. Wir halten vielmehr das Ergebnis lest: der ^rölite Teil der erwerbstätigen jüdischen Jugend ist auch heute noch in kaufmännischen '.Berufen, und zwar überwiegend in .Wittelinler Kleinbetrieben tätig, Das bedeutet, dai; gerade die jüdische Jugend, soweit sie erwerbstätig ist, in bezog auf ihre Freizeit besonders Ungünstig gestcttl ist Es ist bekannt, daß alle Schutzbestrebungen für den Arbeitnehmer ihren Ausgang von dem gewerblichen Arbeitnehmer genommen haben und erst später teilweise auch au!' die kaufmännischen und technischen Angestellten ausgedehnt werden sind. In sehr deutlicher Weise zeigt sieb das auch in bezug auf den Arbeitszeitschutz. Die internationalen Bestrebungen zur Regelung der Arbeitszeit beschäftigen sich fast ausschließlich mit den gewerblichen Arbeitern. (Das hat im wesentlichen zwei Grunde: einmal ist bisher die getarnte wirtschaftliche und soziale Stellung des gewerblichen Arbeitnehmers eine unsicherere gewesen als die des kaufmännischen AngestcH-

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