Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 41 (12.10.1928)
- Date
- 1928-10-12
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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k. Jahrgang Nr. 41 £ lA^A «**£><\ <V^- r!V< t IJ, 12 OMober 1923 .31. 7 / Ff Ar* < .-/;>- # # » t lr # #t*^J i*W GvtsieiMcL *, >N "•h b1 f Ii i'er imr.stUch 60 j: A-ueljenai -ahrn«: h".r. V ecstns'. ■!'.!, Telephon '.I! S. r:(t!e;tuoq: Cime t*-, »jb. Cu-.U- C 3, Lop U nrstr :0, Ttlohen 23641. B Druck und Tfi-.htr L»piiq,'f:i- ScaStj. V, Ts:ep,-=n -s .en-:- :,?: Du t g s; i'.tr-o **"rn-Zt.!; 3 m!i:n- '.nd ieos At i;eo tt Pf |. U'J . eiiT3 i:v> 1".rd '' " titenie-1: J. Kühn-. Eauhn^r. 9 (T; iilau t r» en*st« indische Jarzt XU LeürpziQ Historische Skizze von Arno Kapp. Am 29. Januar des Jahres 1788 erbat der auf der Haitischen Gasse im Freierisclic» Hause zu Leip/ijj wohnende jüdische \rzt Salomon Hirsch Burgheini vom sächsischen Kurfürsten ,Be- Freyung von dem gewöhnlichen Kopfgdde", da er durch seine Praxis im Augenblicke nichts verdiene. Der Verkauf seiner „Medikamenta" brachte ihm zwar einigen Ocwinn, Joch konnte er sich davon keinesan ernähren. Da auf Verlangen des Kurfürsten vom Rate angestellten Erörterungen ergaben, u von Berliner J uclen z u sei n e n Ii i er n ö t hi g habenden Unterhaltskosten bekomm'' und ila- „(I a Ii B u r g h e i m i n d e n Messt e in e n fr e > Willi g * " B e y trag f Sal in Vo; sts unbemittelte Juden Adreßbuch ihr Messe- Berichte an I landetsgeder medizie t w a Ii e t t e I - 1111 il a 11il 1 r .'is ten los zu kurieren habe." omon Hirsch Burgheim stammte ans Burg bei Magdeburg, hatte I ialle und zuletzt in Leipzig Medizin studiert, wo er am 21. N'omner 17S4 zum Doktor promovierte. Das Leipziger Jahre I7Sj führt ihn erstmalig unter den Aer/Ieti an letzter Stelle auf. las kursächsische OberateuerkoUegium hebt in seinem l Budesherrn hervor, :.ili Burgheim kein jüdisches Qewerbc und keine hätte treibe, sondern Anno 1784 in Doctorem bey 1 sehen Fakultät promoviert habe, wobey das Condlium akadeicum noch angegeben, daB er /war daselbst :ils ein Doctor meinae non legens vernommen, aber bisher noch gar nichts behtt habe." Obersteuerkollegiuni hielt es nicht für angebracht, ihn zur onalsteuer heranzuziehen, sondern war der Ansicht, laß der holu- Personalsteuersatz von 70 Thalern jährlich, weiter den Juden auferleget ist, von ihm, als dem ein/igen esigen jüdischen Universitäts-Verwandten in seier Art, nicht füglich gefordert werden, er auch solchen /u entrichn, keineswegs im Stande seye, hingegen nunmehro der terminiche 1 'Thlr; (also pro Jahr 2 Taler) wie von anderen Doctoribus ledicJnae non legentibus durch seine ordentliche Obrigkeit (das ar die Universität) von ihm einzubringen sevn möchte." Rat wußte nicht, wie er den ersten jüdischen Arzt einschätzen He. Als Jude hatte er jährlich 70 Taler, als Ar/t aber nur 2 ler Steuern zu entrichten. Der Kurfürst ermäßigte durch Rescript m 17. Januar 178Q mit Rücksicht darauf, dali Burgheim keinen indel treibe, den Steuersat/ auf acht Taler jährlich. Aber auch hierwar Burgheim nicht imstande, Er schreibt am 12. Juni 1793 aberlls an den l.andesherrn: f >b ich nun wohl diese höchste Gnade unterthänigst verehre, so bin ich doch nicht im Stande gewesen, dieselbe ganz meiner Schuldigkeit gemäß zu erfüllen. Das mir gnädigst bestimmte Quantum an Acht Thalern wird nur von denjenigen Medicis erfordert, 50 mit der Praxiii sich wirklich beschäftigen und dadurch den Gewinn ziehen, ihre Einnahme um ein Beträchtliches zu erhöhen. Weil ich mich nun unter die Medicos dieser Art nicht rechnen kann, sondern bloß zwischen den Messen von meinen durch die Zeitungen bekannt | emachten Medtcamenten hr weni 1 ts debitie* in Leipzig dagegen ganz und gar nichts verdiene, so unterfange ich mich, unterthänigst zu I itten, Ew. Kirf. Durch), wollen in Ansehung meines wahren Unvermögens und weil ich praxin medicam nicht cxiwirc (ausübe), mich künftighin gleich anderen Doctoribus 110:1 practicis terminlich mit einem Thaler in Ansehung bringen." Der Kurfürst hatte ein Einschen und ermäfii : die Sl r iigemäß auf 2 Taler pro Jahr, zumal der Kit noch dem Kurfürs.en versichern konnte, daß sich Burgheim in Not befinde. D;nn der jüdische Qüterfreimachcr*) loche! Levi habe auf Erfordern an Ratastelle erklärt, „dali Burgheim mit seiner Praxis in I eipzig weni1, gar verdiene, denn die hiesige Judenschaft brauche vornehmlich Doktor K.idelba h-) und Dr. Levi ). In den .Wissen habe derselbe nur unbemittelte und dürftige Juden zu curieren. Ehedem, im Jahre 17S3, habe er nach dem Ableben seines Vaters in Burg bei Magdeburg zwar Hoffnung gehabt, in bessere ökonomische Verhältnisse zu kommen, allein diese Hoffnung sey nicht in Erfüllung gegangen. Das Wenige, was er damals mitgebracht, habe kaum zur Bezahlung seiner vorher gemachten Schulden gereicht." Auf diese Fürsprache hin ermäßigte der Kurfürst den Steuersatz, auf ZNvei Taler. Burgheim mußte sich nach anderen Erwerbsquellen umsehen. Er bat daher den Kurfürsten, einen Adrcllkalciuler aller zur .Wesse kommenden Juden für seine Glaubensgenossen herausgeben und verlegen zu dürfen. Dieser Kalender, sagt 15., „würde der kurfürstlichen Stempelkasse beträchtlichen Nutzen stiften," auch würde er. „da er in jüdisch-deutschen Lettern geliefert werde, für di.- z:;r Messe kommenden Juden in Betracht ihrer mannigfaltigen Meßgeschäfte, sowie auch ihm VOfl Vorteil sein" Der K'at erblickte in diesem Vorhaben ein Handelsgeschäft und verweigerte daher Burgheim ehe Konzession. — Die Völkerschlacht brachte auch ihm Beschäftigung. Seine Praxis entwickelte sich und verschaffte 'hm ein sorgenloseres Aller. Am 20. Februar des Jahres 1823 schloß er sein mit großen I ntbchrungen verknüpftes leben. Das Leichenbuch ihr Stadt Leipzig (Tom. J1). fol. 467 vom Jahre 1823), enthält folgenden Eintrag: „Am 23. Febr. 1823 wurde beerdigt Herr D. Salomon Hirsch Burgheim, med. pract.. wohnhaft am neuen Neumarkt 21, gestorben am 20. Februar im Alter von 69 Jahren." In ihm verlor die Stadt Leipzig ihren ersten jüdischen Arzt, dessen Praxis in erster Linie armen unbemittelten Juden zugute kam. und der im Anfang seiner Tätigkeit aus freiwilligen Spenden der jüdischen Berliner Kaufmannschaft erhalten wurde. Ehre seinem Wirken 1 ') Qüterfreimacher gab es in Leipzig im IS. Jahrb. zwei, einen Ansässigen und einen l inansässigen. Sie waren einerseits Vertrauensleute ihrer die .Wesse besuchenden Glaubensgenossen, andererseits dienten sie dem Kate, indem sie die ankommenden Mettgüter freimachten von Zoll und Geleite. Sie unterstanden dem Waagedeputierten des Katcs. 2) Dr. Kadelbach, seit 1767 Leipziger Armenarzt, ein Christ. 3) Ephr. Moses Levi, der zweite Leipziger jüdische Arzt, promovierte 178«) an der Universität dieser Stadt.