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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1928-09-14 · 37 (14.9.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
4 (1928)
Issue
37 (14.9.1928)
Date
1928-09-14
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Jar*r'ar>t Hr. 37 14. September 1928 fe^MÄ ^A. tl'l^ A/. X*A±„ I f\d8lX ^I ~ Amllichzs NtchrichteHbldl GenieiMcleverw*lfHrt kzliqionZqz mzindlz V* &tj^tg •* •.;. ■ c i lo.natt e aeneint wöchentlich am Froita:j. .* ■ o irq Gpv'qi kOJQMMisdt wird os un- I «Kiel urch die Post zugestellt. Bezugspreis > ttm itgi.eder monatlich 60 Pfennige. Anzeigenannahme: N 3 »ckenstraSe '1. Telephon 1+449. -ca. rUeUung; v««m<i nd-«kk. UlMtej Comi. Leipzig LS i.oti, 10, Telephon Mot - i-rvc» und Ver'.sy, W lei iio:, Leipzig. GloUeoatt. II, Telephon 144«. *.nleiyenp.eise; Die 4 rp. altan« mm Zeile Ii flg. Fa m:l,oa- und kleine An;etj»n 10 Pfg. Umschlayseiten und lexcuaerate nach o-.ad Tanl - Kui Jen Inseratenteil: J, Kühne. Baunatal. 9 (Telephon 1+449). Die Schnftteitung üuermmirt iü die untOl otn Name des Verfassers erscheineiirtcn Le.'.iage und üie V*. einsnecnrichten nui die pteflgeseulicne Veraatwc'itur,^ Nachdruck nur mit Queileii.mgaoe unü Gtt.er.mig. des Verfassers gestattet jmZSZZtmM a^j^aBi Im Alter von 07 Jahren ist der Schächter im Ruhestand Herr Hirsch Fogel gestorben. Er hat sein Amt in unserer Gemeinde 25 Jahre hindurch mit rühmenswerter Pflichttreue bekleidet. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Leipzig, den 12. September 1928. Der Vorstand und die Verordneten der israelitischen Kcligionsgcmcinde /n Leipzig W&^Ws^i&tflä ■^:.r~ wmm^^] ,<ixiu Ven Gemeinderabbiner Oustav Cohn. Das Jahr, in «das wir eintreten, nennen w ir das fiinftaiisemlscchshtmdertneunundachtzigste nach Erschaffung der weit. Diese chronologische Ansetzung ist nach verschiedenen Richtungen äullerst bedeutsam. Sie beruht auf einer religiösen Anschauungsweise, indem sie alle Dinge des menschfichen Lebens unter den großen Gesichtspunkt der göttlichen ScHöpfcrmacht stellt. T s hat auch in lsrad in älteren Zeiten Chronologien gegeben, denen nationale Momente zugrunde gelegt waren. Die Bibel kennt eine Zeitrechnung i Ii Jahren der Knechtschaft in Aegypten, andere nach dem Aus- ■ aus Aegypten, nach dem salomonischen Tempelbau, nach Jahi 'i der Könige, nach der Verbannung des Königs Jojachin. In nacht Mischer Zeit kam eine Zählung nach der sogen, sclcukidisehcn Aera ( 'it 312 v. U. Zeitr.) in (iehraiich, die noch um die Mitte des 12. 1 rhunderts in Geltung war. Aber es entsprach nur dem (leiste < i jüdischen Zeitbestimmungen überhaupt, wenn solche Zählungen v Jahre durch eine an die Wcltschöpfung anknüpfende verdrängt ' r jüdiscl»e Kalender lehnt sieh eng an die vort der Natur gegebenen .cheinungen an. Der Tau beginn! nicht zu einer durch Berechnung fundenen Stunde (Mitternacht), sondern mit dem Sichtbarwerden Sterne; die Dauer der Monate ist keine willkürlich festgesetzte, ■ ndern ist durch den auch dem hlollen Auge sichtbaren Wechsel es Mondes bestimmt. Und auch die Lange des Jahres muH in Einmg mit dem Stande der Ernte gehalten werden. In atllem der unmittelbare Hinweis auf die Natur und ihre'Vorginge So war es nur I itgakhlig, wenn man sieh von der enteren nationalen Betrach- "tng nir weiteren des gesamten Weltwerdens entwickelte und da> Mhoft nir Zeit des Talmud bekannte (vgl. ab. sar. Ob; sanh. Q7ti) Weilars mehr und mehr rar Anwendung bracht^ hd«1 #e sei ti etwa dem II. Jahrmindert allmählich zur herrschenden wurde: wie bei allen andere» Zeitbestimmungen so soll auch bei der Zählung der Jahre der Jude daran erinnert werden, daß er, ein Geschöpf Gottes, mitten in der Schöpfung Gottes steht und, dessen st..s eingedenk, sich hüte vor Hochmut wie vor Niedrigkeit.1) Die Zählung der Jahre nach der Weltära ist aber zugleich auch ein Hinweis auf den geschichtlichen Sinn dei Juden. Es ist ein w eil verbreiteter, bis in die jüngste Zeit hinein immer wjeder begegnender Irrtum, dall dem Juden das Verständnis für geschichtliches Werden und deshalb auch für Geschichtsschreibung mangele. Gäbe es kein anderes Moment als dieses Bestehen eine: jüdischen Chronologie nach der Wcltära: auch darin liegt ausreichender Beweis für die seit uralten Zeiten in Israel gepflegte Vertiefung in geschichtliche Vorgänge. Nur anhand der geschichtlichen Angaben unserer heiligen Bücher war es R, Jose ben Chalaphta möglich, in seinem Seder olam rabba die Berechnungen aufzustellen, auf dene*. unsere noch heute geltende Jahrrechnung beruht. Es kann wohl nicht übersehen werden, dal! diese Aufstellung vor einer wissenschaftlichen Nachprüfung keineswegs besteht; sind dach „bei der Behandlung der biblischen Zeit die chronologischen Berechnungen von einer Deutung der Geschehnisse in haggadischem (leiste durchsetzt," (Dubnow, Weltgeschichte III, 132). Aber von den ersten Blättern des Petitateifch an begegnen doch immer wieder, auch in den nicht geschichtlichen Büchern der Bibel, geschichtliche Feststellungen, die das (ierippe für eine Zeitubersicht darstellen. Und sie erhärten gerade wegen ihrer Lückenhaftigkeit die Ueberzeugung, daß es neben d'esen heiligen Buchern noch eine ganze Weihe rein geschichtlicher Schriften gegeben habe, von denen einige sogar Erwähnung finden: ilas Buch der Kriege des Ew igen (IV. M. 21 L1); das Buch der Rech tschaffenen (Jos. 10,,; II. Sani. M8); die (in den Büchern der Könige oft erwähnten) Buch d e r Zeitgeschichte der Könige von Israel und Buch der Zeitgeschichte der Konige von Juda. Und wenn nun R. Jose ben Chalaphta, ein Gesetzeslehrer von so hoher Bedeutung, es als wertvolle Bereicherung der jüdischen Literatur erachtete, diese lückenhaften Angaben /u einem geschl issenen Bilde abzurunden, die Zusammenhänge im Werden tles jüdischen Volkes zeitlich aneinanderzureihen, so zeugt dies eindringlich genug dafür, dall der geschichtliehe Sinn bei den Juden durchaus lebendig gewesen ist. Er folgte damit nur der Mahnung der Thora, die die Pflege der Oeschichte recht warm als ein wertvolles Mittel zum Verst indnis der eigeneii Stellung bezeichnet. ,,Trage doch die Tage der Vergangenheit, die seit dem Tage verflossen sind, da Gott den Menschen auf der Erde geschaffen hat, ...ob so GroBes je geschehen, ob man dergleichen je gehört (V. B. M. 1,12)." — „Gedenke doch der Tage der Vorzeit, beachtet die Jahre der Geschlechter reihen (ebd. 32,7).'' — Und besonders die wiederholte Anordnung: Du sollst es deinem Sohne *) So erklärt auch Asarja de Rom in seinem „Meor enajim": 5* eatschlossen sie sich denn ..., die Zählung an den Uranfang anlüpfen, der uns an die göttliche Wittherrschaft geraahnt.

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