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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1928-09-07 · 36 (7.9.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
4 (1928)
Issue
36 (7.9.1928)
Date
1928-09-07
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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4. Jahrganl Nr. 35 7. Stprcmfoer 1923 Q ofer Jsr&elitiscken Ani-HickeS litchrichteHbl tycr CeMieiMdeverwältuff tizVmonSqzttizin. >u ~S-«>U4 .'.itt c tehtfall wöchentlich imF eitag. 3»b ■ ü ReliguTiia«"1'1"16 w'd «■ un- ■lfelfte' I :;ch die Post iugest-l!t. Bsus-proi» I Nie .Mitglieder monatlich 60 Pfennige. Anzeigenannahme Tei:h-r C! ockenitraSe 11 Telephon '.4449. 6. . .utuunj. oeir.oindsrai. u. Ou.ii:T Cohn, Le n Läh'str. 10. Telephon ,9641. : P—k Jnd Veriag; W. Tei-her, Leipzig. Glortenstr. 11, Taljj.ion ivHi. Anieiaenprs;se; Die 4 geinalta» mm-Z-.ilc iO Pig. Familienind kleine AmeiTan 10 ptg. umtchlagseiten und Taatinsorat» nach jeaoni. Tj.if. Fjr den!naerttenteil: J. Kühne, Bauhat»:- 9 (Telephon 14449). Die Schriftleitung übernimmt Ifli die unter dem Namei des Verlassers eracneineuden Beitrage und d:e Vei einsnachrichten nur die preßgeset^liche Verantwortung. Nachdruck nur mit Quellenangabe und Genehmigung des Ven'aiser» gestattet. An dSe «Juden in Deutschland Judenbekehrung lald werden Rosch Huchonoh und Jom Hakippurim zum <k>tteshausc und /u stiller Feier in den judischen Häusern rufen. Aber ihr Aufruf zur Besinnung, /nr Einkehr und Umkehr findet in unserer Mitte nicht mehr uberall Gehör. Mancher ist gleichgültig, mancher ist seinen Brüdern und dem Ooti seiner Väter fremd geworden. Andere sind unter der Last der Arbeit erdrückt. Die Zeit scheint d»hin in sein, da die geschlossenen Oeschäftc der jüdischen Kaufleute an Sabbathen und Festtagen, am Kusch Haschonoh und Jom Hakippurim ein stummes aber eindringliches Bekenntnis zu Oott und zum Judentum vor aller Welt ablegten. Aus dieser Unfähigkeit, unsere heiligen Tage zu feiern, sprechen Mol und Druck der jüdischen Srele. Unsere Verantwortung, unsere Sorge beweg! uns deutsche Rabbiner zu einem ernsten Wort an d e deutschen Juden. Genug des Leids, dali so vielen von LUIS i! :r Sabbath, dieser Quellpunkt unseres Familienlebens, die Wurzel der edelsten Tugenden unserer Gemeinschaft, der Taft unserer Seele, das Wahrzeichen unseres Glaubens, verloren gegangen ist. Sollen nun auch die ehrfur"*'4 gebietenden Tae,e dem Materialismus mehr und mehr zum Opfer lallen V Die „Tage der Umkehr" nahen. Mochte ein jeder den Willen und den Weg finden, die heiligen Tage ganz und ungeschmälert zu feiern. Möchte jeder jüdische Geschäftsinhaber seine Angestellten von j e de i A r b c i t an den hohen Tagen befreien. Möchten die Treuesten der Treuen, denen es ein tiefes Bedürfnis ihres Herzens ist, der religiösen Pflicht gemäß Sabbathe und Teste zu feiern, weitherziges Verständnis bei allen in Betracht kommenden jüdischen Persönlichkeiten finden. Luch alle aber bitten wir: Setzt alles daran, dali unsere Ruhend Festtage unserer jüdischen Gemeinschaft erhalten bleiben. Hie Treue zum Judentum fordert Opfer. Aber ihr l ohn ist eine Ruhe des Gewissens, das Bewußtsein treu erfüllter l'flicht, die Festigung und Erhöhung des Judentums. Im Geiste eng mit Euch allen verbunden, wünschen wir Euch den Segen der heiligen Tage. „Möge alle Sorge von Euch weichen; die Freude an Gott bleibe die Quelle Lurer Kraft!" Der Vorstand des Rabbinerverbandes in Deutschland Von alters hat die christliche Kirche sich fir berufen gehalten, den rechten Glauben andern zu bringen, die nach ihrer Meinung dem Irrglauben verfallen wären. Das ist der Grund, warum mit der Entstehung des Christentums der Glaubenseifer in der Welt so stark erwacht ist, dall seit dieser Zeit die Relig! MSkriege all.v Art die Welt verwüstet haben, ohne etwa das Christentum hierfür verantwortlich zu machen, besteht doch die Tatsache, daß seit seiner Geburt die Olaubenskämpfe die Welt durchtobt haben. Man braucht nur an die dauernden Bürgerkriege im Byzantinischen Reiche, an die Ausrottung der Arianer, an die westgotischen und oströmischen Judenverfolgungen zu denken, an die sich organisch die Kreuzzüge und die Judenverbrennungen und Vertreibungen durch die spanls he Inquisition anschlössen, braucht sich nur zu erinnern, dali die Neuzeit mit den jahrhundertelangen Religionskriegen und Qlaubenskämpfen einsetzte, die die Reformation zum Ausgangspunkte haben, und deren Abschluß etwa dir dreißigjährige Krieg war, dem ebenfalls die Glaubensauseinandersetzungen der christlichen Bekenntnisse die Entstehung und das Kolorit gaben, um es /u verstehen, daß irgend etwas das Christentum begleite, das diese Aeußcrung menschlicher Bekehrungssucht in die VUlt getragen hat. Nun ist es /«ar den christlichen Konfessi nun nicht gelungen, die Christen zu dem zu bekehren, was sie als i hristentum uns vortragen. Aber umso mehr war es ihr Wunsch, das Judentum, das von ihnen als eine überwundene Vorstufe ihr.s Glaubens angesprochen wurde, aus der Welt zu schaffen. Die Methoden dafür wann den /eilen und den Völkern ntsprechend verschieden gewählt. Lei den katholisch gewordenen West- Kothen versuchte mau ganze Arbeit zu machen. Man zwang d.c luden durch eine Reihe von bluttriefenden Gesetzen, da Judentum zu verlassen, das ihnen nur Haß und Unterdrückung eintrug, beraubte und verjagte die im Judentume Verharrenden aus dem Lande, und nahm ihnen die Kinder weg, um sie zwangsweise durch als besonders glaubensstark und der Kirche ergeben geltende Laien und Priester im Christentume aufziehen zu lassen. Im Frankreich und im England des Mittelalters befolgte man ähnliche Methoden, wenn auch die Natur des Spaniers, der ja auch die Stierkämpfe besonders Hebt, andere Formen vorzog, Aber is geschah doch mit ähnlicher Gründlichkeit, so daß Jahrhunderte lang Frankreich und England Iwe Spanien keine Juden hatten. In Deutschland war diese I Form der Bekehrung dadurch gemildci t, daß die Viebtaaterei wenigstens zeitweise den Verfolgten eine leicht.re Flucht über die Qrenzen ge- I stattete. Manche Judenverfolgung konnte von den Bett« ffenen dadurc i abgewendet werden, dall man sich dir Taufe Unterzog. Bewundernswert ist es ja nur, daß die meisten Juden bis auf ganz wenige schwächere Naturen immer den Texl oder die V rannim; und Vertreibung dem Glaubenswechsel vorzogen. Die Methoden der Völker haben sich geändert. Die Tendenz ist di: gleiche geblieben. Die christlichen Kirchen, die sich über den Inhalt des Glaubens untereinander durchaus nicht einig sind, finden sich nach wie vor darin zusammen, daß sie die Juden ZU diesem Glau-

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