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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1928-08-03 · 31 (3.8.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
4 (1928)
Issue
31 (3.8.1928)
Date
1928-08-03
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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4. Jahrgang, Nr. 31 3. JluSust 1923 dzrJsr&zlitischzn Amtliches N&chrichieHbh tycr GeHieiiideverw&lt ~^WWw<teM . ~ ..Ii.. „ ..... f.-... - ■.. -. jf^^fz'^ > > f «* A _<ÄA <^ U^j J »43 M MQ a scheint vBcbMUHdl an l-rcitay. *> T .< .o t aar Rcligunsge.Tic.n-o wird es ulaaUji:" h e.:;h l.e P^st luieatellt. Biuvpreta 141 ht-vi„..;der nionatl.-.h 60 rienntga. hnifitam *itmhm < ... . iocaaaaMSa .1, Tr!ephon 14140. ■c.t'j:;g: Gem*in.?ta' * *ttv Co .n, LsisaML t.ohrttr. K) Telephon MML Dm k .ud Ver.xg, W Trif at, v QtMcaantl Ii, iele-p.cn 14449 Anlei-oip.e.s«; Die 4 <r spalten« T-ir.-Zo.i« 2J r. , uil p-- na* kleine Ae :a> 10 UrnachlagMiton and T«»tlnsettte D«en banal Tarif. aen inw rtteoteil: J. KOhr«, Bauhof.-.-. 9 (te'.epasa M.49). Die s.r'-.riftleitung ubeiniiT.mt für die unter derr; Ha acs Verfassers ■Mchatna rien Btettrlm -:r.d die Vei e;n»nachncht«n nut die pn&gaMtxlteha VanntwortUfte Nacr.Jruc'« nur mit Quc'.enLr.^a.a i;r J Gene3—\i. \ des Verfa-^ius BSttätttt. Gemeirtdesitzung (Nach der amtlichen Niederschrift). Leipzig, den 10. Juli 19J8 Nach Eröffnung der Sitzung wurde sofort zur Tagesordnung geschritten. Haushaltplan für 1928-20 Herr Bi es lau er gibt eine Uebersicht über den vorliegenden Haushaltplan, der vom Finanzausschuß eingehend geprüfl und mit besonderer Mühewaltung bearbeitet, worden ist. Auf Anregung des Finanzausschusses sei ein außerordentlicher Haushaltplan für solche Ausgaben, die nicht unbedingt aus den Steuern zu decken sind, auf leih worden. Diese seien folgende: iiiiHHi M für Synagogeninstandsetzung, 15000 M Anzahlung für die Erweiterung des Friedhofsgeländes, 35000 M Schlußbedarf der in nen Friedhofsanlage, 60000 M Darlehnskasse; im ganzen 140000 M. Zur Deckung seien 20000 M von der Baurücklage und das in der vorigen Sitzung genehmigte Darlehn v:>;i 120300 M vorhanden. Iminciliin sei auch dann noch gegen den vorjährigen Haushaltplan ein Mehrbedarf von etwa 750C0 m erforderlich. Trotzdem hoffe man, mit einem Steuersatz von 12 auszukommen, da man annehmen darf, daß das allgemeine Steueraufkommen trotz der Ausfalle höher sein wird als im vorigen Jahr. In der allgemeinen Beratung spricht zunächst Herr Gut mann. Der Mehrbedarf von 75000 ,\\ setze sieh aus ein/einen Steigerungen zusammen, die sich als unvermeidlich erwiesen hätten. Insbesondere sei der Abbau von OehiHcrn unmöglich, da die Geh titer festgelegt Miid und zum Teil von selbst steigen. Dagegen seien Neuanstellungcu unbedingt zu vermeiden. Strittig sei die Kaschrusfrage, die bis jetzt keine Lösung gefunden habe I s habe sieh durch die Erfahrungen herausgestellt, daß das KaSChrUS sich nicht selbst decken cann. Heber die meisten Ausgaben haben sich die liberale und die V'olkspartei geeinigt I r habe auch heute den Wunsch nach friedlicher Erledigung. Her Vorstand und der Dezernent hätten alles getan, um einen zweckentsprechenden Haushaltplan vorzulegen, er spreche dafür dem Vorstand sein volle- Vertrauen aus. Herr Tumpowsky. Is sei allseitig das Bemühen vorhanden gewesen, den gegenseitigen Wünschen entgegenzukommen. Die Anschauungen seien sieh nähergekommen, aber es sei noch keine volle Zufriedenheit .mächt. Judische Angelegenheiten konnten von verschiedenen Gesichtspunkten aus augeschen werden: Das Judentum im I idlte der Vergangenheit, dies sei die Anschauung des traditionellen orthodoxen Judentums. Dem stehe gegenüber die liberale Anschauung, die das Judentum mit modernen Grundsätzen auszugleichen suche. Daneben gibt es eine dritte Anschauung, die das Judentum mehr als lebendigen, gegenwärtigen, in der Entwicklung begriffenen Organismus auffaßt. Dies sei der Standpunkt der jüdischen Volkspartei. Das Judentum besteht nicht nur aus der Religion, sondern umfaßt den ganzen Menschen. Dies muß sieh au?h im Haushaltplan aussprechen. Der Kultus sei gewiß unentbehrlich, aber ebenso müsse für den jüdischen Menschen in seiner Gesamtheit gesorgt werden. Daher seien soziologische und kulturelle Dinge, /. B. Turnen und Sport besonders wesentlich. Auch! müsse die hebräische Sprache lebendig gemacht werden. Ein gegenwärtiges und zukunftfreudiges Judentum s;.ll erzielt werden. Insbesondere muß auch die Wohlfahrtspflege anstatt auf Almosen auf produktive Unterstützung eingerichtet sein. Die Frage des Wahlrechts könne hier nicht Übergangen werden. Iis werden hier 75% der Ausgaben durch Steuern gedeckt, in Berlin dagegen nur 62",u. Der Rest sei dort Einkommen von besonderen Einrichtungen, Stiftungen und Spenden. Diese fehlen in Leipzig, da keine Stimmung für die Gemeinde vorhanden ist. Hier spreche das Wahlrecht mit. Die Ostjuden seien i pkriahig, der Gimeinsinii müss* geweckt werden. Im einzelnen rügt dir Redner, daß die Verwaltungskosten außerordentlich hoch seien und etwa 28°/d der Steuern betragen. Mau müsse weiter aul Abbau und auf zweckmäßige Verwendung der Angestellten bedacht sein. Herr Seiinger. Durch Ablehnung des Antrags auf Einführung des allgemeinen gleichen Wahlrechts habe man bewiesen, daß man alles beim alten lassen will. Daher entspringe ein Mißtrauen gegen den I laUShaltplan, denn der Vorstand vertrete nur die Minderheit der Gemeinde. Der Haushaltplan sei aber schon jetzt nicht der einer Religioiisgemeinde, sondern enthalte sehr viel kulturelle Ausgaben. Die Partei des Redners kämpfe dafür, daß die Religionsgemeinde in eine Volksgemeinde umgewandelt wird. Die l ntwicklung gehe schon heute dahin, nur der Name müsse noch geändert : werden. Kaufmännisch sei der I laushahplan in Ordnung, aber bei näherem Besicht finde mau, daß doch nicht alles genau geprüft worden i-t. so seien die Ausgaben für das Lehrerpersonal und der Beitrag für die höhere israelitische Schule nicht zweckentsprechend. Der Unterricht sei ungenügend, es sei keine jüdische Schule; der Religionsunterricht allein genüge nicht, die höhere Schule müsse in eine Volksschule umgewandelt werden; der Einfluß des Rabbinats sei zu beseitigen. Jüdische Sprache, Geschichte und Literatur müsse gelehrt weiden. In der Wohlfahrtspflege seien die Almosen zu bekämpfen, dagegen müsse produktive I Ulfe geleistet und die Arhcitsloscnfiagc angefaßt werden. Es seien weniger Kaufleute, dagegen Handwerker heranzubilden. Eine BerufsberatungSSteDe sii unbedingt nötig. Die Fürsorge müsse ciiun gt schulten I eaniun erhalten, dadurch werden, wie es in Kerlin der Fall sei. die Amu nunterstutzungen zurückgehen. Die Darlehnskasse müsse erweitert werden; Handwerker müssen ohne Bürgen Darlehen erhalten, wodurch viele Existenzen gerettet werden konnten. Der Sport verdiene größere Unterstützung. Das Gemeindeblatt befriedige nicht die Interessen der Bevölkerung; das Watt müsse zur Aufklärung und Erziehung beitragen. Es muß insbesondere auch dem auch von jüdischen Arbeitgebern ausgettt>+"* Boykott gegen jüdische Arbeitnehmer vorbeugen. Llerr Stein. Herr Gutmann hat die KaschrusaUSgaben bemängelt, andererseits sei aber der liberale Kultus in seinen Ausgaben um 70 0 Mark gewachsen. Der Unterschied von 14200 Mark der Ausgaben gegen die Einnahmen im Kaschrus sei in Ordnung, denn die Gemeinde sei verpflichtet, die Schächter anzustellen. Für das Ritual-

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