Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 30 (27.7.1928)
- Date
- 1928-07-27
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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4. jihrganj, Nr. 30 der Israelitischen Amtliches M^chncktehklöt *clcr CeMicirtdeverw^lfuM 27. Juli 1928 o zliqionSqumzin * . . MOIta « 4-.iiQint WOOMACtlCA «in Mo.:*.). ) * .i<i « «in der RtHgioMQWMiaia wu'd «*a u:;- mmli ti . ui;h äit r-ust IttgMttttt Bm^ij M 'htn V idM BUH atlioh 60 Htaaniijs. Ami cai.':.- v ' Ooe&«iuu*d« 11 TlfaotWQ W4*U;ftti total g: Ce-^ 10.- *? .. » *j Übntr( i 1 iltpbfta .. Druck um 'titag W T,««Br«r. LtlMtOi Oloec**«!* . I»< nu i naz-icen.j o so H!e 4 •'*.■ »• -.i.i.. öeito - *; r - ml Van *id ^ie'ntatf t P •fq n hlajwte;. und T »Hi .c nte mcl" M t Ttflt r . i*& .uuort*tnt#tl I. Kflbnt, Banoir' v tltDiwi 144491 Di« o. nf V.lcitUOflj flOWainuntfftl üia ufitei GcmNa-:.«. uo* vrriÄj^cri incM na i l < B#»1 agj und d.e vfii emsnacruichten nur die prafiyaatb c it tfaiMtwortung >la-.idru'-K nur mit Qvehft..«.-,1^ '.icnenri.c:..-., d\ I prtoa.?i* - .' JClf.eV Die geisl ge Gestalt KJones Mendel ssohns Von Dr. Fritz Bamberger. Bei der im Juni in Köln abgehaltenen Mitgliederversammlung der „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums" hat Herr Dr. Fritz Bamberger-Berlin einen bedeutungsvollen und mit großem Interesse aufgenommenen Vortrag über „die geistige Qestalt Moses Mendelssohns" gehalten. Auf unsere Bitte hat uns ih'r junjje Mcndclssohn- Forscher den folgenden Aufsatz uberlassen, an dem er dnige Qedanken seines Vortrages zur Darstellung bringt Die Schriftltg. i - ist unbestreitbar, daB die Philosophie M «es Mendelssohns heute nur noch historisches Interesse hat. I >i«.- Philosophie des 18. Jahrhunderts nach Leibniz und vor Kant In--; m's modernen philosophischen Probte in cn im Ausgangspunkt, in der Metbode und in den I rgebaissen nichts mehr gemein; ihre WicntigzeJI tür das geschieht- Ergebnissen nichts mehr gemein, ihre Wichtigkeit tiir das geschichtliche Verstindnis unserer geistigen Lage bleibt von diesem Urteil unberührt. Aber bd Mendelssohn liegen die Verhältnisse doch anders: für den Juden hat sdne Philosophie mehr als historischen Wert; ja in gewissem Sinn verdient sie ein ganz aktuelles Interesse. Als jüdische Leistung Mendelssohn« gilt, dail er die jüdische Religion philosophisch begründet und gefaßt hat Diese Leistung macht es, dali von Mendelssohn ab eine neue Epoche 'judischer Oeschkhle«angesetzt wird. Was Maimonidcs im Mittelalter zuletzt versucht hatte: den pMlosohischcn □ ehalt des Judentums auszpudrükken und die Religion von der Philosophie aus zu beglaubigen, damals mit den Mitteln des scholastischen ArittoteHsmUS, das soll Mendelssohn mit den Kategorien seiner Philosophie getan haben. Von weil unwirksam gebliebenen Ansätzen in den 30er und Wer Jahren vorigen Jahrhunderts abgesehen, ist dieser Versuch Mendelssohns unwiedi rholt geblieben. Und weil seine Ansichten über das Judentum bis heute wirksam geblieben sind, müßte damit auch eine Philosophie, mit deren Mitteln diese Ansichten begründet und formuliert wurden, wirksam geblieben sein Das würde dann das akuella Interesse an ihr sein und die philosophische Position Mendelssohns festzustellen, müllte last bedeuten, ein Stuck auch der theoretischen (irundla^in unserer Auffassung vom Judentum klarzustellen. Die eingehende Analyse der Mendelssohnschen Schrillen, die dazu erforderlich wäre, kann naturlich in »lein Kähmen eines kurzen Aufsatzes nichts geleistet und ihre Ergebnisse nur angedeutet werden. Aber sehr schnell wurde sich dabei herausstellen, daB von einer Einheitlichkeit der philosophischen Oedankenführung bd Mendelssohn nicht die Rede sein kann. Mendelssohn ist Aufklärer in dem uns geläufigen Sinn. Er ist beherrscht von der UeberZCUgUng und dein Pathos einer Weltanschauung, die den Malistab aller Beurteilung in die Vernunft setzt. Nur das in allen geistigen Erscheinungen, was sich als vernünftig ausweisen kann, besteht zu Recht Der Erkenntniswert ist der höchste. Die Kunst ist eine Vorstufe des Denkens, die verworren vermittelt, was dieses kla: xund deutlich erkennen läßt. Sinnlichkeit, Affekt und Farbe werden unterdrückt oder bagatellisiert. Aber so stark dieser spezifische aufklärerische Zug Mendelss ihns Denken bestimmt, er füllt es nicht aus. Das was in der (ieschichte der Philosophie vorwärts weist, liegt anderswo. Unmittelbar und fast ohne den Versuch, beides zu harmonisieren, steht neben dem Ton. der Mendelssohn in die Reihe seiner/ eitgenossen wei^t. ein anderer, der ihn aus ihnen heraushebt. Das starke Qefühi für die Eigenart de; „Sinnlichkeit" - verschieden vom Denken t ui:rt zu fruchtbaren Konsequenzen. Es luhrt ganz schnell auf den Qedanken dei Selbständigkeit der Kunst, die ihren Eigenwert und ihre eigenen ' lesetzs hat und sieh nicht durch ihr hrcmdqZ wecke zu legitimieren braucht, die keine Erkenntnis anstrebt und keine moralische Hess :rung. Indem aber die Kunst, deren Theorie Mendelssohns Arbdt besonders gilt, ihren I Igencharakter so stark betont, grenzt sie sich gegen die anderen Betätigungen uk uschlichen Geistes ab und lüitrt auf den Oedanken, den die Kantische Philosophie dann klassisch ausgebildet hat, daB nämlich, eine Vielheit menschlicher Verhaltungsweisen existiert, denen selbständige Qetstesgebietc eigener, von einander unabhängiger Art entsprechen. Die Traue ist nun. weiche diese:- Philosophien wenn man SO s;igen darf Mendelssohn benutzt hat, um mit ihren Mitteln das Judentum daranstellen, Der Qedanke einer Autonomie des Religiösen, zu dem er nötigenfalls die philosophischen Begriffe gehabt hätte, ist für seine Zeit noch zu kühn gewesen und erst Schleicrmachcr hat nach Kant ihn ausgesprochen. Der Oedanke eines Primats des Schönen der bd Mendelssohn zuweilen aufleuchtet das sjic verschiedenen menschlichen Betätigungsweisen harmonisch zusammenbindet, dieser Oedanke, der zu einer Aesthetisierung des Religiösen geführt hätte, ist dem < harakter des Judentums ZU fremd gewesen, als daß er Konsequenzen für Mendelssohns Religionsauffassung hätte gewinnen können. Der (Jerusalem", der hauptsächlich in Präge kommt, scheint ein ganz und gar „rationalistisches" Werk. Mendelssohn hat auch sonst es oft ausgesprochen, daß er von der Ueberdnstimmung der judischen Religion mit der Veruunftreligion der Aufklärung überzeugt id. Es ist ihm nicht schwer gefallen, tiu die drei groACB Ideen dieser Vcrnunilrcligion: Gott, Seele und Unsterblichkeit Adäquates im Judentum zu linden. Ja, Mendelssohn ist davon überzeugt gewesen, daß keine Religion besser als d.is Judentum sich mit der natürlichen Religion vertrage. Aber schon in den Briefen fallen AcuBerungen auf, die sieh mit solchen Erklärungen und mit den Prinzipien des aufklärerischen Rationalismus kaum in Ueberdnstimmung bringen lassen. QewiB, sagt Mendelssohn, Judentum und Vernunftreligion decken sich, aber gesetzt den l all, das Judentum stehe mit Orundsätzen der Vernunft im Konflikt, auch dann gäbe es für ihn keine Veranlassung, etwas davon aufzugeben. Für einen konsequenten Rationalisten ein seltsames Wort, das von den jüdischen Aristokratikern des Mittelalters keiner zu sagen gewagt haben würde. Und tatsächlich ist Mendelssohn auch