Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 24 (15.6.1928)
- Date
- 1928-06-15
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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4. Jahrgang, Nr. 24 15. Juni 1923 JehJsr&eUtiScken Ja Amtliches H^chricKienkw ^ätr GetHeiMcleverwältHM jia Qt-aaia lecia:: o .cheint wtcheiUloh am Frtttag. >ts l i j-'ora Ja; Rslijiirsjsra^ndo wi:J ss uw- 1*1«, «11 a dar:(> die Pest zugeteilt. Bjzujipreii •■4 ^.ctitm.t jheder BMBBtllBh bO Pfooiicie. Anzeigenannahme. W 'e\.h .. -J o;lcn-.lia3« 11, T;le:-Inn :4-«4i. Sc&riftUitiiafl: Ga:r.eiQdcri Quata ... npuflt! Khrvr. 10. i elepn*.. :/>».;. Cru:k unJ V.r ig: \v. Triers-, Leiptcj, ÖliinlrwuTr U, ItMpiioa >>*> i\n ■tiotapniaa; DM 4 mspatttW mm Zj.le i? Hj. Familie"- und »eine Av.sigei I Pt«j U nacMtgtsiMQ und T«i.tir>«r et« Biet b«a-.»a. IV '• >'•■' d«o «»• ratenteii: J, Kütne, Bauhof:': 9 iTdepho-. 144;9). SorifUttturig Qtwuinratfüi d'- intai Je*- ''n-rc ■*.c* VtdtuMI er»:n«irf idi ■ B«iti I .• Jr d dl« Vaieinsna-hr.chtftn nur dir prc.Vi-.-' ihefta VMtfitwortuna,. Na'.i'duc»; riL' m.t i^u^ile.u::^.»'.' .:,t •jener'.. des Verfassers sereatict. Moses IlTenciel aus Descau sucht r.cci'. um cüe Erlaubnis, in Leipzig wchr.en zu dürten. (tao4) Nacli den Akten des Leipziger Ratsarchivs Von A r ii o k a pp, i eipzig Am 22. März des Jahres 1804 erdschien der in Dessau ansässige Kaufmann Moses Mendel vor dem Kate zu Leipzig und bat diesen, sielt in Leipzig ansässig machen zu dürfen. Er gab zu Protokoll, daß er sieh wegen Erbschattsregulierung /. Zt. hier aufhalte und im Hause seiner verstorbenen Schwiegermutter Matka Levi wohne, der Witwe des Münzjuden Baruch Aaron Levi, dem dei Rat ja auf V. misch de- Kurfürsten seinerzeit erlaubt hatte, sich in Leipzig ansässig zu machen. I r, Mt sea .Wendel, sei nun seit sieben Jahren mit dessen (unterlassenen Tochter Zipora verheiratet, besitze in Dessau eine eigene Handlung und stehe seit Jahren mit den ältesten Handelshäusern der Stadt Leipzig in Geschäftsverbindung. Er wolle das Erbe seiner Schwiegermutter übernehmen und i.i deren I lause eine eigene I landlung errichten. Moses Mendel unterstütz! seine Bitte noch durch beifolgendes Attest: „Wir Endesunterschriebenen attestieren hiermifaiif darum be« schehenes Ansuchen, da8 wir Herrn Moses Mendel aus Dessau von Person seit vielen Jahren kennen, mit selbigem in Handlungsverbindung gestanden und noch stehen, viele Oeschäfte mit ihm gemacht und ihn dabei als einen reellen, redlichen und rechtschaffenen Mann keimen gelernt, auch niemals etwas Nachteiliges von ihm gehört haben. So geschehen zu Leipzig den 20. Mär/ 1804." Unterzeichnet hatten die Finnen: Gebr. Dufour u. Co., Gebr. Platzmaun, Thieriot u. I assenge, < krimm u. Keilberg, Lautier u. Farreau, Gebr. Röder, S. Q. Schletter u, a. . \ Um sieher zu gellen, liei! ihr Kai dtiuh den stellvertretenden Ober- ■tadtschreiber persönlich bei den Linnen anfragen, ob die Unterschriften - freiwillig gegeben worden seien. Sämtliche Finnen bestätigten dem Ratsboten die i chtheit ihrer Unterschriften. Daraufhin beschloß der Kai am 3. April 1804: „Wenn der Ansueher, in was für Vermögensverhältnissen er sieh befinde, glaubwürdig beybringet, soll weitere Resolution erfolgen." Moses .Wendel leiste sofort per Eilpost nach Dessau, um sich ein Zeugnis über seine Vennögensverh iltniw ausstellen zu lassen. Es hatte folgenden Wortlaut: „Actum, (geschehen) Dessau, den 7. April 1804: Im I ürstlichen Amte allhier erscheint der hiesige Schutz- und Handels-Jude Herr Mendel Moses und trägt vor: Sein Sohn Moses Mendel wünsche jetzt nach Leipzig zu ziehen, und von Seiten der dasigen Ortsobrigkeit, fordere man über den Bestend seines Vermögens eine nähere Bescheinigung. Er wolle daher bekennen, dal! sein gedachter Sohn sein Handcls-Compagnon sey und als solcher ein Capital von -10(1(1 Kehsthlr. in OoMe bey ihm stehen habe, wovon er demselben die Hälfte als vaterliche Ausstattungsgelder gegeben, und wovon derselbe die andere Hälfte von seiner Lhefrau Zippora geb. Hantelt Aaron Levi als Mitgifftsgekler bekommen habe. Diese 1000 Rchsthlr. in Golde sollten zwar dem Societaets-Contracte nach, welchen er mit seinen Sohne errichtet, noch fernerhin in ihrer Comp.-Handlung wriileiben. Wenn sein Sohn aber diese Comp, aufzugeben gesonnen seyn s.illie. so wäre er auch bereit, die Zurückzahlung der 4000 Rchsthlr. ohne allen Abzug und ohne Abrechnung schon jetzt zu bewirken. Aulierdem hat sein genannter .'söhn noch vor Eingehung jenes Compagnie-Handels sich verschiedenes selbst erworben und verdienet, aber er könne den Betrag desselben nicht nennen." Der Vater gab schließlich noch die Erklärung ab, daß er in Dessau als wohlhabender .Wann bekannt sei, daß er nur zwei Kinder, nämlich seineu mehrx erwähnten Sohn und eine Tochter habe, denen er wahrscheinlich nach seinem Absterben noch ein Ansehnliches hinterlassen könne. x Das Fürstl. Anh. Justizamt bestätigte aulierdem von sich andiese Angaben und L> seht inigte, „dal! .Wende! Mose als ein wohlhabender Mann bekannt, und da II sein Sohn ein stiller, ordentlicher und g u t e r MenSCh sey, gegen den) sei t hcro noc h keine einzige Klage bekannt geworden ist." Die Sache schien mm geregelt und die Etablier .tag in greifbare Nähe gerückt zu sein. Da schrieben die eingangs erwähnten Finnen dem Rate, daß sie ihre Unterschriften nur erteilt hatten zur „Erlangung eines Kammerpasses", nicht aber zur Erlaubnisgewinnun , ..sieh in Leipzig etablieren zu dürfen." He baten den Rat, Moses Mendel diese Erlaubnis nicht zu erteilen, ..da sie selbs t sonst in ihrer Nahrung beei ntr ä cht! g t w Q rd e n." Moses Mendel, vor den Kat zitiert, äußerte sein „nicht geringes Befremden über die gemachten Vorwürfe, i; käme doch aul den Inhalt und die Wahrheit des Attestes selbst an, " nicht /.i weichem /.wecke man es ausgestellt habe. Der Kat betragte die Handclsdeputierteu sowie die Kramerinnung um ihre Meinung. Leide Corp« raiionen Verlan] ten, da I VI« a .Wendel abgewiesen werden müsse, denn sowohl das Rescript von iili als auch das Mandat von 1746 verbiete die Ansässigmachung der Juden. Es heim in der umfangreichen Eingabe der Leipziger Kaufmann« schalt: „Anfang-, sey nur dem Münz-Juden der Aufenthalt hier in Leipzig gestattet worden, nachher aber, seit dem siebenjährigen Kriege, hatten sieh noch mehrere Juden alliier etabliret, die wieder einen grollen Anhang unter den N'.üiien der Buchhall t. Bedienten und Koche an sich hatten und sich immer weiter ausbreiteten. Selbst dem Baruch Aaron Levi ist nur wegen der Silber-Lieferung zur hiesigen Münze der Aufenthalt alhiet gestattel worden. Diese, die Munzjuden. haben aber schon längst auf gehöret; mithin sey gar keine Ursache vorhanden, deren Stelle allhier wieder zu besetzen." Dahingegen sei die Aufnahme einem Orte wie Leipzig, wo sich eine zahlreiche Universität und Kaufmannschaft befinde, höchst schädlich. Die Kaufmannschaft, die ihren Geschäftsfreund kurz vorher als einen „r eell e n , redlich e u und rechtschaffenen M a n n" bezeichnet hatte, xscheute sich nicht, den Juden in ihrer Gesamtheit die häßlichsten Eigenschaften nachzusagen. Sie trieben meistenteils Wucher und verleiteten Handelsdiener, Lehrburschen und Markt-