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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1928-05-25 · 21 (25.5.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
4 (1928)
Issue
21 (25.5.1928)
Date
1928-05-25
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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4. Jahrganj, Nr. 21 25. Mai 1928 tttttoieM der Israelitischen Amtliches N^chncKiehUi hJer CemeiMcleverwältHrt ke X igiongqz mzindz \n CcxtAkA V \ Ml ttf a scheint w'jcnant'ich am Pftittg, -'er I ■ 4 e-» Mf Kelin,' ">^*>l«na n ic wird es un- ■it c I I nrah Iie Post ZJittUllt Bszujtarei« *i "-htm oder monatlich 60 Pfennige Atizeiqen'tnnaiinie. v r . K«r <; ocke.i3tra3a >!. T«kphM 14449 ■Uno. u ' ÖhraU. Ä *»l"Dh»u &< lu x and V r ig W T'ic-ter, Le r*>9» -JluCsTentfc. II. alspion U.*>- An- /.v. jt w a ... ~-* 4 tapttlsM« nn frtils) *. I*fj t" *- mil-e-i- und klein* *v.. e je » 0 •Ii I n icMt^se^en u:id Tairiuia'»'«- m;K v«ond. T ar f. - F ., je.i n j»- rattllttil:! K'ihne Bauhöf t< Q Telefon Die Schnftleitung Qhtmtmml 1üi die jnt»? 'i»m Nimen aes Verfasset}* e'aehe nenJet. beitrage und 1 f Vereinsog' hrxhten nur die n--eB jeseuuehe V^rantw "tUQfi N|oh4niek nu* rn»t Q .ei enungsbe und Gen-i ii^ung drs VtrtMMra jcsta'.tel Religiöse Moral Line Schewuoth-Betrachtung von Dr. Jampel. Wohl seit vielen Generationen, wenn nicht gar seit Jahrhunderten! hat keine historisch wissenschaftliche Entdeckung die Welt su aus den Fugen gehobeil, wie die glückliche Auffindung des Ammurabbi-Code.\, der mindestens ein Jahrtausend uiter ist als die Oesetzestafeln Mosis und sein Bundesbuch. Bildete ja dieser überraschende rund den eigentlichen Anstoß zu dem Habel und Bibel-Lärm, der seinerzeit die ganze Kulturmenschheit aufgescheucht hat Seit jener Zeit ist das Interessante Thema,,Moses und Ammurabbi" geradezu ein geflügeltes Wort. Die Laienwelt ahnt aber nicht, daß die Folgenden Jahre u;i> noch weitere ähnliche Entdeckungen beschert haben, die an religions- und kulturgeschichtlicher Bedeutung hinter dem ersten Fund nur um ein Geringes zurückstehen. Wir kennen heute auch noch drei andere altorientalische Gesetzessammlungen, nämlich das sumerische, altassyrische und chettische (iesetz. Letzteres stellt das Oesetzbuch des Chetta-Volkcs dar, das die Bibel unter dem Namen „Kinder Chett" auch schon in der Patriarchenzeit (I. 15. Mos. 23) kennt. Außerdem liegt uns das altbabylonische Ammurabbi-Gesetz in einer neuen Formulierung aus der neubabylonischen Periode vor. Alle diese Gesetzessammlungen weisen, ebenso wie die des Ammurabbi, oft sehr auffalllende Aehnlichkeit mit der Bibel auf und sind sämtlich älter als die Bibel Da sieh nun der Gedanke der Entlehnung hier natürlicherweise immerfort aufdrängt, so sehen sich alle Bibelfreunde, christliche iwie jüdische, genötigt, jene Oesetzc zugunsten der Bibel nach Möglichkeit moralisch herabzudrücken, Das ist ein sehr ungerechtes und vom Standpunkte der Juden auch noch ein törichtes Verfahren. Ungerecht, denn wer darauf ausgeht, lediglich dunkle Punkte /u suchen, der findet sie übera 11. Töricht, wenn dir Jude, der die christliche Methode, das Alte Test, zugunsten des neuen zu verdunkeln, mit Recht bitter beklagt, nun die gleiche häßliche Praktik selbst übt Bedarf aber die Bibel einer solchen Verteidigung? Keinesfalls! Denn erstens kann es das biblische (iesetz. auch betreffs der Humamit jenen Codizes in jeder Hinsicht aufnehmen, auch ohne, daß man die Letzteren willkürlich verdunkelt. Im Hinblick auf den Ainmurabbi-Codex ist das mehrfach in der eklatantesten Weise dargetan worden und das kann in noch höherem Maße von den späteren Funden behauptet werden Aber davon abgesehen, Hegt ja clet Hauptwert eines Gesetzes in erster Linie nicht allein in seinem humanen Gehalt, sondern vielmehr in seiner Begründung, in der Tragfähigkeil seiner Basis. Denn diese allein sind für die dauerhafte Beachtung und Beherzigung des Gesetzes entscheidend. Das Befolgen der moralischen Forderungen erheischt Opfer. Dieses jedoch wird nicht allein im Hinblick auf den hohen Idealismus der den Gesetzen innewohnt, willig rebracht, sondern allein in Anbetracht des Motivs, auf das die Satzung zurückgeht Von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet, darf man Füglich behaupten, daß selbst, wenn seine außer- und vorbiblischen Gesetze die biblischen an Schonung und Milde überträfen, sie selbst dann noch von der Bibel überstrahl! wurden, wie die Sterne vom Monde Denn das biblische Gesetz, ist in seiner Totalität ein Religionsgesetz, d.h. auch seine soziale, juristische, sanitäre und sonstige Gesetzgebung erhebt sich auf religiöser Grundlage und nimmt vom biblischen Gottesgedanken und seinen I < Igerungen ihren Ausgang, wo hingegen jene orientalischen Gesetzessammlungen lediglieh polizeiliche Verordnung darstellen, die allein das Nützlichkeits-Moment als Unterlage haben und zur Religion in gar keiner Beziehung stehen Das gilt selbst von dem Ammurabbi-Codex, der die andern auch moralisch bei weitem überragt :t'.nd an dessen Spitze der babylonische Hatiptgott plastisch dasteht und jenem König seine Lehren offenbart Jener Gott, der die Götter Griechenlands und Roms weit in den Schatten stellt, da er sich moralisch himmelweit von ihnen entfernt, verfolgt mit seiner imposanten Gesetzgebung kein geringeres Ziel als „den Schwachen' vor dem Starken zu schützen", ein Ideal, das den (iöttern des klassischen Altertums, welche „nur den Starken liebten, den Schwachen jedoch haßten", gewill nicht vorschweben konnte. Und doch wäre jener so sehr eindrucksvolle altorientalische Appell an die Menschheit durchaus ungeeignet, den Kulturvölkern für dien Dauer als Rechtsnorm zu dienen; ebensowenig wie dies die Bibel damit allein erreicht hätte, daß sie „Recht und Gerechtigkeit, Liebe und Barmherzigkeil gefordert, ohne daß sie dieser Forderung eine religiöse Basis gegeben hätte. Solehe Lehren, die das Gute um seiner willen predigen, sind wohl geeignet, das Gefühl der moralischen Naturen zu erregen; ja auch den Beifall derer zu erringen, in deren moralischen Lehen Theorie und Praxis nicht immer harmonieren. Allein es fehlt ihnen die bindende Kraft, die für jedes Gesetz, welches unausweichliche Geltung haben muß. unerläßlich ist. Iiier mal* eine elementare Grundidee wirksam sein, die nicht nur das Herz bewegt, sondern auch die kühle Vernunft erwärmt. Dieser erhabenen Idee, die als die einzige unverrückbare Unterlage aller Ethik, Moral und Sittlichkeit anzusehen ist u.iJ ohne welche jede Moralphilosophie ganz haltlos bleibt, hat die Bibel in den so oft mit Verstärkung wiederholten Worten „Heilig sollt ihr sein, denn heilig bin ich. I tter Herr" den prägnantesten Ausdruck verliehen. Nur dieser religiöse Gedanke ganz allein vermöchte heule die schw ere moralische Krise, die der gesamten Kultunnenschheit SO Unheimlich droht, in Bälde abzuwenden. Diese Gefahr, von der der Laie nichts ahnt, die jedoch den Eingeweihten sehr ernst stimmt und vor der es der Moralphilosophie eigentlich Immer schon bange war. sie ist in allen nicht religiomotivierten Motallehren, ebenso auch an allen biblischen Stellen, in denen nur an das Gefühl appelliert wird, deutlich zu merken. Denn man findet dort nur eine Moral des Schwachen, die der Starke nicht »eltcn lassen will. Line Weisung, dien ur der intuitiven Regung entspringt, „den Schwachen vor dem Starken zu schüt/en" und „dem Fremdling, der Waise und der Witwe" alle mögliche Schonung allgedeihen zu lassen, die somit dem Schwachen auf Kesten des Starken Milde angedeihen lifit. wird der Starke niemals anzuerkennen gewillt siin, hauptsächlich deshalb, weil er in derselben nicht das Postulat logisch philosophischer Erwägungen erblicken wird, sondern allein den egoistischen Willen der

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