Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 20 (18.5.1928)
- Date
- 1928-05-18
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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k. Jahrgang, Nr. 20 18. Mai 1928 mfiwcfeWäft jeh Jsr&elitiscken Amtliches NdxkriMwÜi itr GeHieiMdeverw<HM kzliqiongqinizinclz ClKIAHV tf K Oas Ga-naladeblatt arscheint wöchentlich am Freitag "ii alltal laden dar Religionsgemeinde wird es unlatja'.tlich durch die Post zugestellt. Bezugipieii tilt Nlchtmitglieder monatlich 60 Ptennige. Anzeigenannahme: W r«loMti GlockenstraBe ll, Telephon 14449. Schnltleituny. uoutciuuc.ajü. Gustav Conn, Leipzig, Löhrstr, tu, lelephou :: uruck und Vtr.aj, v. Tctcher, Leipzig, üloitenstr. 11, leiepnon 1444V. Anzeigenpreise; üie 4 gespaltene mm-z,eile 20 Ptg. haii!i■ icii und kleine Juiiotyeu tu ffg. Umschiagseiten und Texunserate naen uej^ud. l auf. - hur aeu Inseratenteil : J. Kühne, Bauhc-tst:. 9 (Telephon 14449). Die Schriftleitung übernimmt für die unter dem N.tmen des Verfassers erscheinenden Beitrage und die Vereinsnacnnchten nur die preßgesevliche Verantwortung. Nachdruck nur mit Quellenangabe und Genehmigung des Verfassers gestattet. Die jüdische Presse Am 22, Mai wurde in Köln die Internationale Presse-Ausstellung eröffnet. 43 Kulturstätten sind in dieser bedeutsamen Schau vertreten und bekunden damit die hohe Wertung, die der Presse!,fir Cas Leben der Gegenwart gebührt. i Für die Gliederung der Ausstellung waren verschiedene Gesichtspunkte maßgebend. Lag es zunächst nahe, daB die einzelnen Maaten geschlossene Abteilungen schufen, so wurden daneben in stattlicher Zahl Onippen zusammengestellt, in denen einzelne überstaatliche Interessengebiete in ihren Beziehungen cur Presse vorgeführt werden, wie beispielsweise „Die Frau und die Presse", ,.Dcr Sport und die Presse" u. drgl. In Sonderpavillons haben auch die groben Religionsgemeinschaften, Katholizismus und Protestantismus Ihre Presseerzeugnisse zur Schau gestellt. Auch an die jüdische Gemeinschaft UeO die Ausstellungsleieine Linladung ergehen, und es war wohl eine Selbstverständlichkeit, daB dieser Aufforderung Folge geleistet winde, in einem Sonderpavillon vertritt die „Judische Sonderschau" in würdiger Weise das Judentum mit den geistigen (intern, d.e es der Menschheit gebracht hat, und zeigt in prägnanter Darstellung die Entwicklung mein niu des jüdischen Zeitungswesens der ganzen Welt, sondern auch seinen Ausgangspunkt, das judische Schrifttum, Zu dem Oelingen dieser Jüdischen Sonderschau, die dem gesamten Judentum forderlich ist, müssen die weitesten jüdischen Kreise beitragen, indem sie sich, in der Erkenntnis ihrer grollen Bedeutung, an der Aufbringung der sehr beträchtlichen finanziellen Erfordernisse beteiligen. Unsere Gemeinde bat dem schon durch einen lieiirag Rechnung getragen; aber es müssen auch von Einzelnen, die dazu in der Lage sind, Beiträge geleistet werden (Uebcrweisungen werden auf das Postscheckkonto der Synagogengemeinde Köln: Köln 12899 erbeten). Die jüdische Presse iir ihrer Entwicklung und ihrer literarischen und soziologischen Gestaltung ergibt eine Kulturschau, wie sie bisher noch nie in einer Ausstellung gezeigt wurde. In jüngster Zeit .sind iuBersf anschauliche Abhandlungen darüber von Dr. s. Simchowitz Köln in der Kölner jüdisch-liberalen Zeitung vom II. November 1927 und von Dipl. Ing. Bruno Woyda im Jüdischen Jahrbuch für Oroß-Bertin 1927 erschienen. Mit der allgemeinen Aufwärtsentwicklung der Presse setzt die Entstehung der Spezifisch jüdischen Presse ein, die also vom jüdischen Standpunkte BUS belichtet und urteilt, die nicht MoB jüdische Angelegenheiten in den Kreis ihrer Betrachtung zieht, deren Feld vielmehr die weite Welt ist. Man kann die AnfängeUer jüdischen Presse bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts zurückverfolgen, ein stärkerer Antrieb aber macht sich eist geltend, als die Juden um die Wende des IS. Jahrhunderts rieh der europäischen Kultur auzuschliclicn beginnen, l'nd hier, wie zrr derselben Zeil auf dem Oebiete der Wissenschaft des Judentums, fällt den deutschen Juden eine Führende Polle zu. In dem Kreis der Jünger des -grollen Moses Mendelssohn entstand zuerst der (iedanke einer Zeitschrift in hebi riUscher Sprache, die den Narrren „Hameastef" (Der Sammler) erhielt. 178b erschien das erste I left dieser Zeitschrift, deren Ziel die Verbreitung der Aufklärung unter den Juden und die I örderung des literarischen Geschmackes und Silks du hebräischen Sprache war. Mehr als ein halbes Jahrhundert später beginnt dann die Zeitung zu erscheinen, mit der die moderne jüdische Presse einsetzt; die Allgemeine Zeitung des Judentums, die 18ii von Ludwig Philippson gegründet wurde. Diese Wochenschrift war im die damaligen Verhältnisse schon eine Zeitung grollen Stils. Von einem hohen jüdischen Standpunkte aus wurden hier die grollen politischen Vorgänge, die tragen der jüdischen Gemeinschaft betrachtet, ein literarischer und wissenschaftlicher Teil sorgte (ür Unterhaltung und Belehrung, Korrespondenzen aus aller Welt gaben einen Ueberblick über das ganze Judentum. Sein bester Mitarbeiter aber war Philippson selbst; er war ein echter Journalist, wie er oben als ideale) Pypus geschildert ist, und wuüte seine Leser wirklich zu (Uhren, last zwei Menschenalter hindurch, solange Philippson selbst die Zeitung leitete, behauptete sie eine führende Stellung, war das Mustei und Vorbild aller spater entstehenden jüdischen Zeitungen und fand ihre l.eseri i. der ganzen Welt, wo nur Juden wohnten, ganz besonders in der gebildeten Oberschicht der Ostjuden, bevor diese iure eigene Presse cutwickelt hatten. Zwanzig Jahre nach der Allgemeinen Zeitung des Judentums hat mau aui dem (icbiete der jüdischen) J-jresse ein weiteres folgenreiches Ereignis zu verzeichnen: 1857 beginnt in der kleinen ostpreu- Bischen Grenzstadt Lyck eine Wochenschrift in hcbräischei Sprache zu erscheinen, Hamaggid (.Der Hole), deren Herausgeber der russische Jude L. Silber manu war. Das Blatt, das tormal nach dem Muster der Allgemeinen: Zeitung des Judentums aufgebaut war, gewann bald grolle Verbreitung. Vor allem wurden dadurch die breitesten Schichten des gesamten Judentums, insbesondere der Ostjuden, die ja zum grollen teil des Hebräischen mächtig sind, erfaßt Aul diesen Grundlagen entwickelte sich nun in der zweiten Hälft« des lü. Jahrhunderts in immer steigendem Maße die jüdische Press , Ls entstehen zahlreiche Orgaue in deutscher, in hebräischer, in französischer, in englischer, in russischer, vor allem aber in jiddischei (oder richtiger: in jüdisch-deutscher) Sprache. Es gibt Wochenschritten und Monatsschriften und bald auch grolle Tageszeitungen, Ls ist natürlich sehr schwierig, auf diesem Oebiete absolut sichere statistikeiti umzustellen, aber eine annähernde Berechnung ergibt, dall in der Zeit von der Mitte des 17. Jahrhunderts bis zur Gegenwart etwa ötllKI judische Zeitungen erschienen sind, und es ist selbstverständlich. daB der grollte teil dieser Zahl der unmittelbaren Gegenwart angehört. Die jüdische Presse präsentiert sich in etwa 35 Sprachen, darunter alle grollen Kuhursprachen, dann weiter Hebräisch, Jüdisch-Deutsch, Spaniotisch, d. h. das Idiom, das die voi vier'Jahrhunderten aus Spanien vertriebenen und im Orient angesiedelten Juden sprechen, ein Dialekt ovn ausgesprochen spanischem Gepräge, der sich aber zu dem eigentlichen Spanisch verhält wie das Jüdisch-Deutsche zum Hochdeutschen. Weiter abei gibt i> Sie jüdiiche Presse in arabischer, bucharischer .grusinischer Sprache, ja sogar in einigen indischen Dialekten. Von besonderer Wichtigkeit ist offenbar die jiddische (jüdisch-deutsehe) Presse, (He mit rund 1200 Organen an der Spitze aller jüdischen Zeitungen steht. Das ist weiter nicht merkwürdig, wenn nun bedeirkt, dall dieser Diakelt die Mutter- und Umgangssprache VOU