Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 18 (4.5.1928)
- Date
- 1928-05-04
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite I GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG die Zuversicht der Auferstehung und durch «Ii«- Erinnerung, welche die Abgeschiedenen In den Herten zurücklassen. ..Mark wie der Tod ist die Liebe'4, »tchl in großen Lettern hebräisch und deutsch über dein Eingang, I her eine Freitreppe, breit gelagert vor drei Portale des Vorbaues mit ihrem eigenartig bewegten Sprossen werke, betreten wir dicVor* halle. Darin beiderseits Reinigungsbrunnen aus ["ravertin, die das fließende Wasser reilvoll in kleinen Kaskaden entströmen lassen. Von der Vorhalle in die große Kuppelhalle, das Haupt* und Glans* stttck des Ganzen, Wer unbefangen diesen Raum betritt, der muß gehoben, ergriffen, Überwältigt sein« der eine mehr, der andere weniger« iiui Ii w iner persönlichen Empfänglichkeit für künstlerische Eindrucke, Dieser Raum mit seiner zentralen Erhabenheit, seiner prachtigen Materialwirkung, seiner sorgfältigen und sicheren Formung Iiiin alle Einzelheiten i-t mir /um unvergeßlichen Erlebnis geworden, Denkt man sich dazu noch eine Versammlung ernst gestimmter Menschen, die feierliche Zeremonie di r Totenfeier, Musik, die Gewalt der Rede auf die Gemüter, so muß man von dem Schöpfer dieses Raumes sagen: er hat viel gegeben, er hat sein Bestes gegeben. Die Grundform i-t ein Quadrat von 18 m Seitenlänge. Der Fußboden in einer gcrad* Unigen Aufteilung mehrfarbig mit Gummi belegt, dall kein störendet Geräusch von Intim und Stühlen entsteht. Darüber wölbt sich, übergeleitet durch Pendentift, die vom Fußboden aufsteigen, die gewaltige Stalaktitenkuppel mit einem Stuckmotiv, das sieh na,'Ii oben in immer engeren Ringen verjüngt Iii» /n dem ohcrlichtc des Kuppclringc- und ein reizvolles Spiel Min Licht und Schatten entfaltet. Die Stalaktiten mit ihren unzähligen, verschieden geneigten Flächen haben neben der dekorativen Aufgabe auch eine wichtige akustische: der Schall verfängt sich, und es gilit keinen Störenden \\ iderhall. An di r Ostseite wölbt sich aus dem Zentrairaum die Sargnische hinan-, die kunstvoll gewölbten Wände mit Langensalzas Travertin verkleidet, \u> diesem prächtigen lebendigen Material bestehen mit Ausnahme iler Kuppelstalaktiten alle Architekturteile dieses Raumes, das Spitzbogenmotiv in Erdgcscholllnihe. die Wandverkleidung Iiiunter die Spittbögen, die Kantet, die reiche ornamentale Tümmrahmung am Eingänge und gegenüber dacharaktervolle Maßwerknet t des Sängerchores, Die von der großen Halle ausgehenden 1 (Iren sind glatt aus Eichensperrholl, I lie farbige W irkung des Hau meist, abgesehen muh Fußboden, auf den Naturton des Travertins und des Püttes der Wandflächen sowie das wanne Braun der Türen und Heizkörperverkleidungen beschränkt. Nur hinter dem Filigran des Chormaßwerkes schimmert ein sanftes gedämpftes Rot, Der Tages* beleuchtung dienen das Oberlicht und zwei Fenster der Eingangshalle, Die Abendbeleuchtung bewirkt ein Soffittenkrani im Kuppelringe und di-krete W andlicleiichtungcn in den Spitibogcnawickeln. Mit besonderer Sorgfalt und Kostbarkeit ist noch der südlich an* schließende kleine Saal ausgestattet, der dem Aufenthalt der Leidtragenden und auch kleineren Trauerfeiern zu dienen bestimmt ist. Der Fußboden ist auch hier mit Gummi belegt, die Wände sind Iiis unter die Decke mit schön gemasertem polierten kaukasischen Nußbaum getäfelt, aus gleichem Stolle die Kanzel. Die Decke einlach, edel ituckiert mit eigenartig*schönen, wagerecht angeordneten Beleuchtungskörpern aus (.las und Metall. In allen lic\ orziigten Räumen bestehen die Lichtträger und die Tiirhcschläge aus mattsilbrigem Weißmetall; die Türbeschläge an Außentüren sind verchromt. In beiden Haupträumen i-t die Sargnische vom Räume durch die sogenannten Kit ualschlilzc gel rennt: sie ermöglichen es. durch eine sinnreiche Kurln ^Übertragung den llauptraiim von der Sargnische derart zu trennen, dall der Rituahorschrift genügt wird, wonach Nie ( ohaniin. die Angehörigen des Stammes Arun, nicht mit dem loten unter einem Dache sein dürfen. Nachdem wir die beiden Räume betrachtet haben, die muh ihrer Bedeutung und Ausstattung als die Hauptstücke des Ganzen antU* sprechen sind, wollen wir uns noch etwas näher mit der eigentlichen Grundrißgestaltung beschäftigen. Im nördlichen Kopfbau befindet sich zu ebener Erde eine Garage für die Leichenwagen, daneben je ein Raum für dieChebra kadischa und den Arzt mit Zugang durch einen krcu/.gang am A nrhofe. Die einzuliefernden loten werden durch ein Tor nördlich vom Kopf hau eingebracht, kommen ohne rückläufige Bewegung Uber eine Rampe in einen Vorraum, dann in den Waschraum mit seiner Waschbahre aus schlesischem Marmor, dann in den langgestreckten Raum, der sechzehn Särge aufnehmen kann, im nördlic hen Langhau. Dem Sarg* räume ist seitlich vorgelagert nach dein Vorhofe zu ein Gang, auf Grün und lichtet Braun gestimmt, von dem audas Publikum die Aufgebahrten sehen kann, nach ,1er Friedhofseite mit vier breiten Türen i nun Rückansicht