Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 18 (4.5.1928)
- Date
- 1928-05-04
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4876568-5968788-5969027--1761-4879406- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAF1 ITISC11EN RELIOIONSQEMEINDE, LEIPZIQ 4. Auf Antrag dos Vorstandet wird dem Vorstand einstimmig die Ermächtigung erteilt, his zur Verabschiedung des Haushaltplant für das Rechnungsjahi 1928-29 die von ihm für nötig gehaltenen Ausgaben im Rahmen des l lauähaltplans 1927-28 zu leisten und die Steuern und sonstigen Gefälle einzuheben. Das Recht der Qeraeindesit« tungja ui Feststellung tl'es Haushaltplans 1928 20 bleibt hierdurch unberührt. 5. Et\\ eiietuiig iles Friedhofsgeländes und Verläng e run g des Dar lehnt der Stadl Leipzi g. ___ Der Vorsitzende trägt vor, daQ die mit dem Rat der Stadl Leipzig gepflogenen Verhandlungen zu dem Ergebnis geführt haben, dal! etwa 10000 qm nun Kaufpreis von RM 2.— zur Erweiterung des neuen Friedhofes Von der Gemeinde gekauft werden. Der Kaufpreis i-: in 1 Raten von je 15000 Mark zahlbar, .und '/war die erste Rate sofort bei Abschluß des Kaufvertrages, die weiteren je am 30. Juni der Jahre 1929, 1930 und 1931. Die Mittel zur Zahlung des Kaufpreises sollen ans dem jährlichen Haushalt entnommen werden. Der Abschluß geschieht unter Voi behalt der Zustimmung der Stadtverordneten. Der Kaufvertragsentwurf wird verlesen. Auf eine Anfrage des Herrn Tumpowsky gibt Herr Breslauer die Auskunft, dall in der Nachbarschaft des Friedhofgeländes kleine Haussiedlungen oder Reihenhäuser bis zu ZWd Geschossen zulässig sind, auf der einen Seite wird ein Straßenbahndepot angelegt. Die Versammlung beschließt einstimmig, den Vorstand zum Abschlul) des Kaufvertrags zu ermächtigen. Ferner teilt der Herr Vorsitzende mit, dall die Rückzahlung des der Gemeinde von der Stadt Leipzig gewahrten Darlehens vor. 100000 Reichsmark auf ein Jahr verlängert worden ist. 6. Rangänderung der Hypothek Ohcl Jakob. Der Vorsitzende berichtet, dall die für die Gemeinde auf dem Grundstuck Pfaffendorfer Straße 1 haftende Hypothek noch 18750 Mark betrage, und der Verein Obel Jakob gebeten habe, dal! die Gemeinde hinter eine von ihm bei der Leipziger Hypothekenbank neu aufzunehmende Hypothek von 15000 Mark zurücktreten solle. Das Schreiben des Vereins wird verlesen.. Der Vorsitzende bemerkt, dall die Gemeinde bei dem Rücktritt keine Gefahr laufe, da sie außerdem noch durch Abtretung der Mietzinsen gesichert sei. Die Com« inunaMlatik für Sachsen, der die Hypothek verpfändet ist, hat In einem Schreiben, welches verlesen wird, ihr Einverständnis erklärt.. Die Zustimmung zum Rücktritt wird einstimmig beschlossen. 7. Einspruch Kestenbaum gegen die Bc Iegu ngsordn u n g des neuen Friedhof e s. , Die Eingabe wird verlesen, desgleichen ein Auszug aus dem Protokoll der Qemeindesitzung vom 12. Dezember 1927, desgleichen die Aeußerung des Rabbiners Dr. Carlebach und ein Lrgänzungsgutachten des gesetzestreuen Rabbinerverbandes.. Dr. Wohrizck erklärt, es bestehe kein Grund, von früher gefassten Beschlüssen abzugehen, es sei keineswegs angängig, Ordnungsmäßig gefasste Beschlüsse nach kurzer Zeit wieder umzustoßen. Darunter leide das Ansehen der Gemeinde. Er beantragt, über den Einspruch zur Tagesordnung überzugehen. Stein beantragt, die Abstimmung zu vertagen und mit dem Rabbiuat darüber Fühlung zu nehmen, ob der früher gefaßte Beschluß der Thora widerspricht. Herr Selingcr erklärt, es müßten nach dem Tode alle gleich behandelt werden. Da der Beschluß aber einmal gefaßt sei, soll er bestehen bleiben. Nachdem sich Herr Grosz gegen die Vertagung erklärt hatte, wird der Vertagungsantrag gegen 3 Stimmen abgelehnt und der Antrag Dr. Wohrizck auf Uebergang zur Tagesordnung gegen 2 Stint*' nen angenommen. (Schluß des Sitzungsberichts auf Seite 11) Zur Einweihung des neuen Friedhofes Der neue Friedhof Von Architekt B.IVA. Wilhelm Haller, Leipzig. Im Dezember 1001 schloß die Leipziger Israel. Religionsgemeinde den Kaufvertrag für das Gelände gegenüber von St. Georg ab. In absehbarer Zeit wurde der Friedhof Berliner Str. belegt sein. Der Zeitpunkt rückte in den letzten Jahren näher. Das erste Projekt für die erforderlichen Baulichkeiten entstand im August 1022. Das Baupolizeiprojekt wurde im September 25 eingereicht. Zu gleicher Zeit begann Gartenarchitekt ()tt;> Moosdorf mit1 den Pflanzungen nach seinem Entwurf. Erst im November 1026 konnte nach Sicherstellung der Baukosten mit der Ausfuhrung der Kopfbauten begonnen werden. Damals mußte der eigentliche Hallenbau noch zurückgestellt werden, weil es nicht rrviglich erschien, die Mittel dafür aufzubringen. Der Tüchtigkeit einiger Herren gelang es aber doch und im März. 1027 wurde, nach erheblichem Kampf mit dem Grundwasser, auch der Grundstein zur Halle gelegt. In verhältnismäßig kurzer Zeit gelang deren Fertigstellung. Schon im Dezember 1027 war der Saal mit den technischen Räumen'so weit, daß im Bedarfsfalle eine Beerdigung hätte vorgenommen werden können und im Februar 1028 war auch die Halle fertig. Durch die Ungunst der Witterung zog sich die Fertigstellung der Wege 'jedoch bis in den April hin, nachdem ein glücklicher Zufall durch die zu gleicher Zeit stattfindende Verbreiterung der DeUtttCher Land- Straße die enormen Mengen Erdreich zur Aufschüttung geliefert hatte. i Nun i-t auch der Rasen gesät und die Anlage soll der i! )etfentlichkeit übergeben werden. Sic -oll zeugen von der Großzügigkeit des Vorstandes und der Vertreter der Gemeinde. Sie wird hoffentlich den Auttakt geben zur weiteren Aufbauarbeit für uns und unsere Nachkommen, nach einer längeren Zeit des Stillstandes. In angenehmer Zusammenarbeit mit dem Bauausschuß auf der einen und allen Behörden auf der anderen Seite und mit Unterstützung der ausführenden Firmen konnte etwas Ganzes geschaffen werden. Das ursprünglich vorgesehene Provisorium konnte glücklicherweise verhütet werden. Ohne ins Extreme zu verfallen, ist sowohl bei Wahl der Materialien als auch der Formen eine fortschrittliche Linie innegehalten. Die Fa. Eisenbetonbau vorm. Vetterlein hat die über 18 m freigespannte Betonkuppel der Halle in einem in hiesiger Gegend zum ersten Mal verwendeten Spritzverfahren hergestellt, das seinen Weg von Amerika zu uns gefunden hat. Von besonderer Schönheit im Korn und auch in der Bearbeitung ist der Langensalzaer Travertin, den die Fa. Teich aus Berlin 'für vlie Halle als untere Wandverkleidung versetzt hat. Darüber im Gegensatz dazu der naturfarbene Spritzputz, wie er aus der Kelle kam. iDie gebliebenen Unregelmäßigkeiten wirken belebend auf die Fläche. Auch zum Fußboden ist ein neuartiges Material gewählt. Die Runge-Werke in Spandau verlegten einen doppellagigcn Gummi, der warm und weich schalldämpfend wirkt. Das gleiche Fußbodenmatcrial hat auch der Saal, der in kaukasischem Nußbaum durch die Fa. Heinrich Bauer in Leipzig ausgestattet wurde. Auch die anderen Finnen haben sich für das Gelingen der Arbeit eingesetzt. Ihnen gebührt ebenso wie für die verständnisvolle Unterstützung dem Bauausschuß und dem Bauführer, Herrn Bauermeister bester Dank. > So konnte die gewiß nicht immer leichte Arbeit zum guten Ende geführt werden. Jeder ernste Unglücksfall blieb erfreulicherweise aus. Bestellungen für feine gtjjgWjjgi ^^■I^^^Hi^^HI unter Tel. 20214 oder im Laden Augustusplatz erbeten. Iah.: Ernst Fischer früher langjähriger Pädtter der Konditorei „Fürst Rslehsksnzlsr" ^Qß-SO: KONDITOREI KAFFEEHAU/