Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 17 (27.4.1928)
- Date
- 1928-04-27
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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*. Jahrgang, Nr. 17 dzr Israelitischen Amtliches Hdxhrickien U# *cler GeineiH<leverw*ltHH *^ -if. >• ' ... - -- -v.. - ..Jlt« WnifcOH KzUgionagcftie V* &ti^tg Dta Gamalndeblatt arschtint wöchentlich am Fraitag. Taa antglladern der Religionagameinde wird et untatgaltllch durch die Post zugestellt. Eezuqjprwa ftr Hlchönltglieder monatlich (0 Pfennige. Anzeigenannahme: W. Talchar, ClockenstraBe U. Ttlephon 14449 SchrK'.Ieitung: Geniaisaaiaaa. Guatv Cohn, Lvpuq, Lfthratr, 13, Teleph«a HML :: Druck und V;-lt,q: V.' Taicher. Leipzig, Clockmatr. II, Telenhcn 14449 »nntnopma«; Sie 4 asaaaltaa* -rvZeüe 20 "!q <*». miliar, und Mein* ArjeigM 0 Ptg. UmachUg I tat und Tex^naerate nach bae*»nti. Tarif. - F'ir -1er nseratenteil: J, Kühne, Bauhofs»:. 9 (Telephon 14*49). Die Schr.t'.leitung übernimm' für die unter dem Nama:. les Verfassers eracheinenden Beiträqe und die Ver liftaoachriehtan nur die pre3gesetzliclie Vetantwartuag. Nachdruck nur mit Quellenangabe und Genehmigung des Verfassers gestattet. Amtliche Bekanntmachungen der Israelitischen Religionsgemrindc Sa Leipzig Einweihung des neuen Friedhofes. Nachdem der Friedhol an der Deiitzscher Landstraße (ijegeniilHr dem Krai kenliaus St. üeorg, Haltestelle der Straßenbahnlinien 14 und 16) fertiegeitellt ist, soll er seiner Bestimmung übtr;Lben werden. Die Einweihung find?t Sonntag, den 6. Mai 1928, II Uhr vormittags statt. Zur Teilnahme an der Feier werden, soweit Plätze verfügbar sind, nur auf schriftlichen Antrag hintrittskarten ausgegeben; nach Beendigung der Feier, welche etwa 1 Stunde dauern wird, werben die Baulichkeiten zur allgemeinen Besichtigung geölinet sein. Leipzig, den 25. April 1928 Oer Vors'and der israelitischen Religinnsgemeinde tu Leipzig Hermann Cohen Anläßlich der 10. Wiederkehr seines Todestages (4. April). Ueber den Kreis der zünftigen Philosophen hinaus ist Hermann Cohen, der Philosoph, wenig bekannt geworden. Selbst unter uns Juden. Manche wissen, daß er eine ordentliche Professur in Marburg zu einer Zeit bekleidete, «als für die Aufzählung der jüdischen Universitätslehrer in Deutschland selbst die -Finger einer Hand noch nicht voHa ungenützt wurden. 'Noch weniger haben Kenntnis davon, dal) Cohen in seinen letzten Lebensjahren in Berlin vornehmlich dein Judentum seine Arbeit gewidmet hat, als Lehrer an der „Hochschule für die Wissenschaft des 'Judentums", nhl "Verfasser sehr ibed* utungsvoller Untersuchungen, die teils als Selbständige Schriften, teils als Beiträge zu Zeitschriften veröffentlicht wurden; »lall die in Berlin bestehende „Akademie für die Wissenschaft lies Judentums'- auf sein Betreiben geschaffen wurde und'in meinem f u-iste wirkt. Aber nur vereinzelt begegnen Mensehen, auch unter uns Juden, die, ohne daß sie die Philosophie wissenschaftlich betreiben, sieh mit seinen Schriften beschäftigt, oder auch Mir von iseinem System etwas erfahren haben. Das hat seine Ursache zunächst 'darin, ■daß seine Hauptwerke in einem schwer zugänglichen Stil geschrieben sind. Als Student mühte ich mich einmal mit feiner Abhandlung Hermann Cohens. Ich hatte zuvor noch kein Werk (des .Marburger 'Philosophen kennengelernt und «rar wenig erbaut über die aus der stilistischen Fora erwachsenden Schwierigkeiten, vor die ich mich gestellt sah. Ich gab dieser meiner Stimmung einem meiner Lehrer gegenüber Ausdruck und mußte von ihm eine Antwort vernehmen, die mich sehr in Verwunderung setzte: Wenn ich mich an einem Kantschen Satze abquäle, so macht mir das nichts, denn ich weiß, es ist Kant, dem ineine Arbeit gilt; wenn aber ein Hermann Cohen Anspruch darauf erhebt gelesen zu werden, dann mag er so schreiben, daß -.eine Satze mühelos verstanden werden können. , Aber, der Lehrer verzeihe mir. auf diese Weise kann man zu der Oedankenarbeit eines Denkers keine Stellung gewinnen. Hatte denn Cohen seine Ausdrucksform gewählt, um schwer verstanden zu werden? War sie etwa aus irgendwelchen unsachlichen Erwägungen gewollt?-- Hermann .ober, wai Systetnatiker. Seine Aufgabe hatte er nicht in erster Reihe darin erblickt, für die Lebensanschauuui einer breiteren Masse richtunggebend zu werden.Aus seinem Denken ergab sich auch dies; aber es w'ar eben nur die auf seinen Voraussetzungen sich aufbauende Fortführung, nicht das von Anfang an Gesuchte. Was er erstrebte, war Ergründung des Problems, das auch Kaut in den Mittelpunkt seiner Arbeit stellte: die menschliche Erkenntnis. Seit Descartes hatten sich alle Denker um du Erkenntnislehre bemüht. Durch seinen Kritizismus hatte sie Kant zu einer Höhe geführt, die, wie es schien, für lange Zeit beherrschend sein würde. Aber dann hatte sich die naturalistische Denkweise des deutschen Denkens bemächtigt und hatte auch die Erkenntnislehrc aus dem Bereiche der Philosophie in den der ErfahrUUgSWissenSchaften einweisen wollen. Ihre Aufgabe sei es, die psychologischen und physiologischen Gesetzmäßigkeiten festzustellen, unter denen das Erkennen sich vollzieht; und da solche aiii empirischen Wege gefunden werden, wollte