Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 13 (30.3.1928)
- Date
- 1928-03-30
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/4876568-5968788-5969021--1694-4879344- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
GEMEINDE BLATT DER ISRAELITISCHEN RELIÜIONSÜEME1NDE, LEIPZ1Q Seite 4 (Nordstr. 11) und J SchttBheim (PUuensche Str. 3ö| bereit erklärt, an die vom Gemeindeamt mit Anweiusng versehenen Q» •aeindemitglieder für die Festtage Fleisch zum Preise von 1 Mark für das Pfund abzugeben Sexualhygienische Ausstellung im Ring-Mellnaus in diesen Wocheu wird im Kiug-Meßhaus eine Ausstellung „Die Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten" gezeigt. Die Ausbreitung, die diese Erkrankungen während des Krieges uud in der Nachkricgsjeit genommen haben, macht es nötigt daß in aller Eindringlichkeit auf die Gefahren hingewiesen wird, die jedes Haus bedrohen. Damm dürfen auch wir Juden die Ausstellung nicht unbeachtet lassen. Gerade bei uns Juden finden alle Bestrebungen für 1 lygiene überhaupt großes Interesse. Denn schon in unseren alten Gesetzen haben wir genaue Vorschriften nicht nur über spezifisch-religiöse Angelegenheiten, sondern auch für den Alltag und natürlich auch die Hygiene de-- Alltag Das Judentum Kennt keine Prüderie, kennt licht das ängstliche Verschweigen der wichtigsten Lebensvorgänge, das jüdisch) Oesetz sprich! klar und deutlich auch über das Gebiet, was wir modern als „Sc\ual-I ivgiene" bezeichnen. Wir haben die genauen Vorschriften über „rein'' und „unrein", die Beschreibungen krankhafter Erscheinungen und die ganz speziellen Gebote und Verbote Wir haben eine ausgesprochene Sexual-Mvgiene und Sevual-Fthik Und es ging und geht der Jude, der alle Vorschriften streng befolgt, gut behütet durch das l eben. Die neue Zeit mit neuen, freieren Anschauungen hat auch zum großen Teil diesen Zaun um die Lehre (der auch ein Zaun um das ▼olk war) verschwinden lassen. Auch unsere Jugend ist gefährdet; die Ausstellung bietet für Eltern and Erzieher manchen beachtenswerten Hinweis. Aber nicht mir als Eltern und Erzieher haben wir für die Ausstelhmg Interesse: gerade als Juden können wir -ie mit berechtigtem Stolz betrachten. Denn die führenden Köpfe nicht nur in der Wissenschaft von den venerischen Erkrankungen, sondern auch in der Organisation der Aufklärung sind jüdischen Blutes. Wir sehen im II. Stock der Ausstellung die Bilder von Blaschko (des Gründers der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten), Wassermann (von dem die sogenannte ..Wassermann'sche Reaktion" zur Erkennung dei Syphilis im Blute stammt), Ehrlich (des Vaters des Salvarsans) Neiller (des Entdeckers des Gonococcus) ■nd manchen anderen bedeutenden Gelehrten. Wir brauchen auch sonst nur die Namen bekannter Sexual-Forscher wie Magnus Hirschfeld und Iwan Bloch zu nennen, um zu /eigen, wie groß der jüdische Einschlag gerade in diesem Zweig der Medizin ist. Herren-Hüte Das Beste in lallen Preislagen ' Reise-, Sporl-, Yacht-, Schüler- 'und Kinder- Mützen Julius Müller, Leipzig, Petersstr.30 und Gohlis, Hallische Straße 87-89 In (Johlis auch Wäsche, Cravalten und Herrenartikel Die Ausstellung ist außerordentlich sehenswert. Nach einer etwas zu kurz gekommenen historischen Einführung sind neben instruktiven Modellen viele Abbildungen, Statistiken usw. über die venerischen Erkrankungen, ihre Ausbreitung, ihre Bekämpfung usw. zu sehen. Der Einfluß des Alkohols wird gezeigt, die verschiedenen Möglichkeiten der Ansteckung und die Folgen der Erkrankung für das eigene Leben uud das der Familie. Auch auf die praktische und moralische Notwendigkeit intensivster Behandlung sowie die in diesem Fall günstigen Heilungsaussichten wird hingewiesen. Zweimal täglich finden Führungen durch hiesige Fachärzte statt, die bisher sehr gut besucht waren. Auch wir können die Besichtigung der Ausstellung nur dringend empfehlen. Dr. Ahelsoh«. Konzert Clara Attara Neri Am IS. März fand das auch von uns angezeigte Konzert der Gel gerin Clara Attara Herz, aus Tel-Awiw statt. Die Künstlerin hatte im gut besuchten Kaufhaus-Saale einen vollen und ehrlichen Erfolg. Die Kritiken sämtlicher Leipziger Tageszeitungen sind einmütig erfüllt von Anerkennnung und Bewunderung für das große Talent der jungen, vielversprechenden Künstlerin. Die ,,Leipziger Abendpost" schreibt (und die übrigen Zeitungen äußern sich in ähnlichem Sinne): Clara Attara Herz erwies sich in ihrem Violinabend im Kaufhause als eine ungewöhnlich begabte, rassige (leigerin. Ein schöner, wanobeseelter Ton ist ihr eigen; ihr ruhiger, energischer Strich, ihre hochentwickelte, nur hie und da in einigen Doppelgriffen noch nicht restlos intonationsreine Technik lassen ihre Kunst am glänzendsten in grollen, vornehmlich auf das Virtuose gerichteten Aufgaben zur Geltung kommen, so in Beethovens Kreutzer-Sonate oder in dem einsätzigen, in Form einer Phantasie gehaltenen C-Dur-Konzert ihres Lehrers Henri Marteau. Von Rudolf Macudzinski ausgezeichnet am Klavier begleitet, hatte sie einen vollen Erfolg zu verzeichnen. Ella Chamizer: Rezitationen aus jüdischer Literatur Eine ungewöhnlich eindrucksvolle Stunde verdanken wir dem Jüdischen Frauenbund, Ortsgruppe Leipzig. Die Rezitationen aus jüdischer Literatur, die am 22. Marz Frau Ella Chamizer darbot, bewiesen erneut eine außerordentlich starke Kunst, so daß sie unwiderstehlich in den Bann der Dichtungen zogen. Und das ist ja die Aufgabe des Sprechers. Mit seinen Worten formt der Dichter, was in ihm ringt; er sucht nach Wahrheit; alles, was ihn bewegt, all das Leid der Zweifel und alle Freude, wenn er ihrer mächtig werden konnte, gießt er in seine Worte. Dieses Auf und Ab der Empfindungen aus dem gedruckten Wort wieder herauszu- Ol 4. f&eck (Juwelier yüfyrcndcä Gpefinlgefcljtlft feiner ^Juwelen individueller (/Jräquni). qeferdqt in eigenen QBerkftätten. (3o(d- und Gilberwaren cintiE unb moberner d'baraPfor, Jou)ie auftgtfud)! jd>önc JTnnftqeqenftiinde Dorjchiebonftcr Urf. Heific Jlitaivnbtrn. billiqe 'JTreifr I 2lm $>aaif(hen Tor 12 (jd)räiuibcr i)iuiptKabnbof) gegenüber Meß bei u» Union lelcfon 2720« Caglicb Eingang wn Heubeiten in Damen-, Backfisch- und Kinder-Konfektion CeWfffaha— franj (tberf mmamtm mmammmm ßjfranz €bert ^VO*^ Aaaiialltaiia Im <Sröf5t«e öpssialbau» in 6a<bjen »mm