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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1928-02-02 · 5 (2.2.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
4 (1928)
Issue
5 (2.2.1928)
Date
1928-02-02
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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OEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIOIONSOEMEINDE, LEIPZIG Seite 3 miliare nicht etwa nur für Preußen, sondern für das ganze deutsche Reich eine unentbehrliche Quelle für die Erhaltung des Judentums. Zur Aufstellung des Haushaltplanes wurde ein aus acht Ratsmitgliodcrti bestehender AusschuH eingesetzt, dem auch auswärtig'1 Mitglieder angehören. Die Frage der Bestellung eines Sachverständigen für die jüdischen Angelegenheiten im Kultusministerium (dieses Amt wurde früher von dem verstorbenen Justi/rat Lilienthal bekleidet) wurde einer Kommission überwiesen, die aus den Herren Rechtsanwalt Dr. Klee, Professor Türk, Rabbiner Dr. Hacek. R.-A. Her/fcld-l ssen und M. A. Loch besteht. Kammergeirchtsrat Wulff berichtete über die Trage der Reichs* Organisation, hin von ihm vorgelegter Entwurf, der auf den Beschlüssen der Dresdner Tagung füllt, soll der gewählten Kommission zur Prüfung Überlassen bleiben und eventuell als Grundlage für die weiteren Verhandlungen mit den lüddeutschen Verbänden dienen. Eine Einladung aus Köln, eine Ratssitzung in Köln abzuhalten, sowie eine Einladung tler Stadt Köln, anläßlich der Presse-Ausstellung dort eine „Judische Kultur wo ehe" abzuhalten, wurde mit Dank angenommen. Es soll versucht werden, mit anderen Organisationen in Fühlung ZU treten, um eventuell eine Kölner „Jüdische Woche" zu veranstalten. In das Büro für Schichstschutz wurden die Herren Rechtsanwalt Kollenscher und Loch delegiert. lieber das Judengesetz nud die Verhandlungen mit dem Hai) bers"tädtcr Verband berichtete Herr Dr. Freund. Prof. Türk gab Bericht über die Bewilligungen des Wohlfahrtsausschusses in der Qesamthöhe von etwa 15(hMm> Mark. Das Gesuch des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten um Unterstützung seiner Siedlungsaktion wurde grundsätzlich akzeptiert, jedoch mit der Einschränkung, daß eine gröllere Finanzielle Unterstützung von den Möglichkeiten des nächsten Etats abhängig gemacht werden müsse. Mit Bezug auf die Lehrerausbildung wurde beschlossen, am 1. April auf Kosten des Landesverbandes eine Obersekunda an der höheren Lehranstalt „Jawne" in Köln zu errichten, auch das Lehrerseminar in Köln zu subventionieren, die Höhe der Subvention aber dem HaushaltsaUSSChuO ZU Überlassen. Beschlüsse des liberalen und des konservativen Unterrichtsausschusses, sowie des konservativen Kultusausschusses wurden zur Kenntnis genommen. Ueber die Unterstützung der Rabbinerseminare berichtete Dr. Klee. Die bewilligten Beträge sind restlos auszuschütten, in Zukunft aber eine anteilmäßige Beteiligung der anderen Landesverbände herbeizuführen. Ein .\mrag de- Ständigen Ausschusses, die Frage der pädagogischen Akademie betreffend, wurde dem UnterrichtsaUSSchuß überwiesen: ebenso dem I laushaltsausschull ein Antrag des Wohlfahrtsamtes Berlin auf Bereitstellung von Mitteln /ur Unterstützung jüdischer Gelehrter und Wissenschaftler. Die Einberufung einer Konferenz Uber Taufe und Mischehen w urde im Prinzip genehmigt, auch für die Vorarbeiten ein entsprechender Betrag bewilligt, sowie eine Kommission mit dem Rechte der Zuwahl gewählt. Dil- Frage der Wohnungsfürsorge soll einzelnen Oemeinden nahegelgt werden. Dabei wurde die Frage erörtert, wie weit es möglich sein wurde, für die Oemeinden von den Kommunen .Wittel darlehensweise aus den Eitrigen der Hauszinssteuer ni erhalten. Aus aiten Zeiten Die Steine vom Sinai Professor Dr. Hubert Grimme von der Universität Munster berichtete in Qegenwarl des preußischen Kultusministers Dr. Becker, des Reichskunstwarts (ieheimrat Redsloh, von Vertretern des Ausw ärtigen Amts, Gelehrten der ägyptoiogischen und orientalischen Wissenschaften, sowie einer Reihe von jüdischen Persönlichkeiten wie die Rabbiner Dr. Weisse und Dr. Lehmann, Justizrat Dr. Brednitz und Dr. Holländer, Professor Mittwoch, Rechtsanwalt Heinrich Stern und vieler anderer im Hause des Berliner Rechtsanwalts Dr. Bruno Weil über die Ergebnisse seiner in Kairo letzthin vorgenommenen Untersuchungen der berühmten Sinaisteine. Diese, vor etwa 30 Jahren auf dem Sinai entdeckten, mit bisher unlösbaren Zeichen versehenen Steine waren zuerst von dem Engländer Gardiner, dann von Prof. Sethe (Berlin) als die älteste Buchstabenschrift der Welt erkannt worden, deren Schaffung um mehr als 600 Jährt cor der bis dahin als älteste geltenden phönizischen lag. Prof. Grimme hatte dann die Tafeln weiter gedeutet und in einem vor z.wei Jahren bei Dr. Weil gehaltenen Vortrage seine Deutungen, die zum Teil auf die Feststellung biblischer Namen hinausliefen, mitgeteilt. In der Oeffentlichkeit war ein lebhafter Gelehrtenstreit übed die Richtigkeit der Grimmischen Thesen entstanden. Ein Komitee bemühte sich, eine Expedition nach dem Sinai zur Hcinischafftnig der rätseUwftetl Steine zu finanzieren, als die Nachricht eintraf, daß es zwei amerikanischen Qelehrten bereits gelungen sei, die bis dahin unbekannten Steine und noch drei weitere in das Museum nach Kairo zu .chatten. Das Komitee ermöglichte darauf Prof. < trimme das Studium der Stein« an Ort und Stelle. Seine nunmehr auf Grund der Originale vorgenommenen Deutungen bleiben unter Aufgabe einzelner Steilen in wesentlichen Stucken bei den seiner Zeit aufgestellten Theorien stehen. Er belegte an Hand von Sorgfältig aufgenommenen Abklatschen, Zeichnungen und Photographien die Entstehung der Schrift, an deren semitischem Charakter nach ihm ein Zweifel nicht b leben kann. Er zeigte weiter die in der Schrift immer wieder kein d<n typischen Buchstaben auf und setzte (ich für die von ihm vorgebt'. Ilten Deutungen einer Reihe hebräischer Namen, wie Joseph, Jochanan und Moses, ein. Da die Amerikaner ihrerseits noch in diesem Monat eine Publikation vornehmen werden, und Prof. Grimme gleichfalls die Ergebnisse seiner Forschung in Buchform niederzulegen beabsichtigt, wird es wohl in naher Zeit möglich sein, dem Oeheimnll der ältesten Schrift naher zu kommen Unter den im Hause Dr. Weils anwesenden Gelehrten und I achleuten wurde lebhaft die Frage der Veranstaltung einer deutsehen Expedition nach dem Sinai erörtert, da nach dem \on den Amerikanern gefundenen Tafeln mit dem Vorhandensein weiterer Schrifttafehi auf dem Sinai gerechnet wird. Prof. Grimme teilte seinerseits mit. dall von amerikanischer Seite (Universität Boston) füi das Jahr I93Q eine Expedition bereits vorgesehen sei. Abrahams (irab geöffnet Aus Jerusalem wird berichtet. Die alte Höhle Machpelah der Bibel, in der sich das Erbbegräbnis des Patriarchen Abraham in Hebron befindet, ist jetzt zum erstenmal den Nichtmohammedanern zugänglich gemacht worden. Fisher hatte die Verwaltung des mohammedanischen Kirchenbesitzes allen „Ungläubigen" den Zutriti streng verhotenn. Nur hochgestellte Persönlichkeiten fanden mit besonderer Genehmigung und gegen eine besondere Gebühr Einlaß. Jetzt ist der „Oberste Mohammedanische Rat" darauf gekommen, daß er aus dem (nah. ähnlich wie aus der sogenannten Omarmoschee, eine Einnahmequelle machen kann. Die Hohle Machpelah licet in einei Moschee, die zwischen den Jahren 1167 und 1187 von den Kreuzfahrern ursprünglich als Kirche gebaut worden war. und zwar an einer Stelle, wo schon vermutlich eine Kirche aus der Zeit des osti in 1 hen Kaisers Justinian gestanden hat. Um das Grundstück, auf de n sie .-ich befindet, den sogenannten Harun, ziehen sieb zw ei Mauern. Dit I reppe zwischen ihnen in den inneren Hof durften „Ungläubige" bisher nur bis zur siebenten Stufe besteigen. Weitergehen war Streng verboten. Die Juden pflegten sich dort ebenso zu Klagegebeten zu versammeln, wie au der Teinpelniaucr in Jerusalem, im Inneren der Moschee führen zwei Oeffnungen im Fußboden in die Höhle Machpelah hinunter. Die Hohle selbst besteht am mehreren Kammern und Korridoren. Sie enthält Grahinälcr Abrahams, Sarahs. Isaaks. Rebekka*. Jakobs und 1 e x. Die Mohammedaner legen auf die Qrabmilcr der Patriarchen, die übrigens mit golddurchwirkten grünen Decken bedeckt sind, Bittschriften, weil sie der Ansicht sind, die Erzväter könnten we^eii ihrer guten Beziehungen zum lieben Gott sich besonders wirkungsvoll für die Wunsche der Gläubigen verwenden. Als der frühere amerikanische Botschafter in Konstantinopel, Mergenthau, die Höhle besuchte, passierte es ihm, dal! man ihm verbot, die Gräber der Stammesmütter zu besuchen, denn die mohammedanische ' schritt, dall ein Mann keiner Frau In das un\crschlcicrte ( ieskht blicken darf, gelte auch für Tote. COCL5Ö KONDITOREI KAFFEE MAU/ Bestellungen für feine Konflitoreiwaren unter Tel. 20214 oder im Laden Augustusplatz errieten. Inn.: Ernst Fischer früher langjähriger Pächter ifcv Konditorei , First Rtishskaszler"

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