Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 4 (27.1.1928)
- Date
- 1928-01-27
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 GEMEINDEBLATT |)LK iSRAEUTlSCHEN RELlüICNSuLMcIN Je, LLiPZiJ Jüdische Verbände u. Gemeinden Der FrLdensgedanke im Judentum Anläßlich dir Tagung des internationalen Frauenverbandes für Friede und Freiheit" in Stockholm hieH Qberrabbiner l>r. M. Ehrenpreis, einen Vortrag über das Thema „Der Friedensgedanke im Judentum". Der Friedensgedanke, so führte der Redner u. a. aus, ist der Mittelpunkt im judischen Leben, und dessen Lehre und unsere Weltanschauung läuft darauf hinaus, dal! die Welt sieh auf Liebe (aufbauen soll Die Grundsätze des Judentums sowie des Urchristentums sind, daß das menschliche l eben, das individuelle sowie das allgemeine, auf der Liebe zu Gott, d. h, /um Guten, beruht. Um ihre geistige Kraft wiederzugewinnen, mußten die Juden den Zusammenhang mit dem heiligen Lande wieder zu erhalten sueheii. Diese Bewegung ist also nicht nur politisch und sozial. In der Ballour-Deklaration vom 2. November 1917 liegl eine tiefe weltgeschichtliche Bedeutung, und die Verkündung der Welt an das Judentum, daß die Epoche der Bekämpfung vorüber, und die Zeit des gemeinsamen Verständnisses und Zusammenarbeit gekommen ist. (Oh, wenn doch Theorie und Praxis sicli vereinbaren Hellen!) II. Ritter (Stockholm] Jüdische Sunderschau aui der interna ionalen Presseausstellung in Köln Nach längeren Vorbesprechungen konstituierte sich in Köln unter dem Namen „Jüdische Sonderschau der Pressa 1928, Isop" e. V., «in Verein, der, als ausführendes Organ eines großen Kotnites, auf der internationalen Presseausstellung in Köln in einem jüdischen Pavillon eine jüdische Sonderschau veranstalten wird — An der Spit/e der ..Isop" in Köln stehen Justizrai Max Bodenheimer und Dr. Rudolph Callmann. in Herlin nimmt ein Ausschuß die Aufgaben dcr„Isop" wahr, Diesem Ausschuß gehören Vertreter der führenden Verbünde und Organisationen der deutschen Judenheit an. Die Leitung des Berliner Arbeitsausschusses lie^t in den Händen von Prof. Legationsrat Dr. SolHinlumi, Prof. Ismar l'lbogen und Dr. Jacob Klat/kin. Ein Berliner Sekretariat, sowie Sektionen für die deutsch-jüdische Presse und Judaica, für die hebräische Presse und für die jiddische Presse, bemühen sich um die Sammlung des zur Ausstellung gelangenden Materials, i - Vor einigen ragen fand in Berlin unter Vorsitz von Justizrai Bodenheimer (Köln) eine Sit/ung des Berliner Ausschusses statt, in der der zentrale, geschäftsführende Ausschuß der Jüdischen Sonderschau gewählt wurde. Diesem Ausschüsse gehören Persönlichkeiten aus Berlin und Köln an. Der geschäftsführende Ausschuß hat bereits alle Schritte unternommen, um die Beteiligung der jüdischen Presse der ganzen Welt an dir Jüdischen sonderschau /u sichern. In den nächsten J agen wird sich der geschäftsführende Ausschuß in einem Aufrufe an die Oetfentlichkeit wenden, der von den führenden Verbanden und Organisationen des deutschen Judentums, sowie von einem Ehrcnausschu!'. gefertigt sein wird, dem repräsentative Persönlichkeiten ans allen Kreisen der deutschen Judenheit angehören sollen Diesen Personen und (Irganisationen werden sich in kürzester Zeit Vertreter aus Amerika. England, Frankreich, Polen, Oesterreich, Palästina etc. zugesellen. Die „Isop" e. V. wird die Oetfentlichkeit durch .fortlaufende Berichte über den Stand der Arbeiten für die Jüdische Sonderschau unterrichten. Das bisherige Interesse der jüdischen Zeitungen in der ganzen Welt, sowie weiter Kreise des Judentums ,in allen Ländern, rechtfertigt die Erwartung, dali der jüdische Pavillon in Köln ein würdiges Bild des gesamten jüdischen Pressewesens in Vergangenheit und Gegenwart bieten wird. kündigt, was man hie und da angab, nämlich: „Moderne jüdische Musik", so wäre es für mich keine sonderlich leichte Aufgabe, darüber zu schreiben! — Man mühte musikwissenschaftlich zu weit herholen und würde zu guter Letzt dennoch oder erst recht nichts Positives in bezug auf — wohlgemerkt - moderne, rein jüdische Musik aussagen können! Der Abend war also insofern interessant, als er uns mitnur'jüdischcii Komponisten bekannt machte! Der einleitende Vortrag von Arno Nadel-Berlin sprach zum allergrößten Teil nur von der Musikentwicklung bis auf die Moderne und Überließ es jedem einzelnen von uns, sich die Meinung über das Xjebotene und ihre Verfasser zu bilden. Erich Walter Sternberg verdient durchaus im heutigen Musikschaffen beachtet zu werden. Uns Juden hat er insoweit Besonderes zu sagen, als er seine Aufmerksamkeit jüdischen Motiven und jüdischem Leben schenkt. Das Quartett an s:ch vom rein'kompositorischen Standpunkt betrachtet, hat zu viel Längen, als dal! es restlos gefallen sollte! Sternberg hat das jüdische Volkslied kunstvoll in dunkles Mythos gehüllt. Wilhelm Rettich war mit vier Liedern nach Gedichten von E. Easkcr-Schiiler vertreten! Die Kompositionen überzeugten nicht, wenn auch da und dort eine gehaltvolle Linienführung aufhorchen lieli. Ernest Bloch hat als moderner jüdischer Komponist in seinen „Zwei Chassidischen Stimmungen" für Violine mit der rein judischen Musik mehr Qlfick gehabt als alle anderen aufgeführten Komponisten! Auch vom violinkompositorischen Standpunkt sir.d beide Stücke nicht zu verkennen. Interessant, wie fabelhaft schön Julius Wolfssohn verschiedene altjüdische Volksmelodien illustriert hat. Allerdings mit Anklängen an Chopin oder Lisz.t. Die vier Lieder Sternbergs habe ich wegen vorgerückter Stunde nicht mehr boren können! L Das Leipziger Streichquartett (Leo Schwarz, Louis Enger, R. Lindner, Weise und nicht Kinkulkin) brachte das Quartett von Sternberg zur einwandfreien Aufführung. Als Solisten errangen sich He ia Mandelbroit mit ihrem tech nisch hochentwickelten Klavierspiel, Alice Schäf f c r - K u z. n i t 7 k y mit ihrem samtweichen Mezzosopran und Leo Schwarz, dessen Solovortrag stark fesselte, reichen Beifall. — Und nun — last not leasl s?i dem Jüdischen 'Frauenbund tauch an dieser Stelle der herzliche Dank ausgesprochen, ein solches Ex- Unsere Gemeinde Moderner jüdischer Komponistenabend (Veranstaltet vom 1 idischcn Frauenbund, Ortsgruppe Leipzig). Ich bin heil und froh, daß auf dem Programm und den Anschlagsäulen obige Ueberschrift zu lesen war. Denn wäre auch hier ange- KÄBSCHÜTZ hervorragend« Qualffatsmöbel aus eigener Fabrik. Leipzig Körncrsfr. 54-56