Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 2 (13.1.1928)
- Date
- 1928-01-13
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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4. lahrama, Dr. 2 13 lanuar 1928 Will r<V dzr Israelitischen Am-Mchzs NdxhrickienLk . %^€r Geffieindeverw*l+Hn< T ttz l iqionZqz ntzinde &twig WCIÄKJL K Dil .trrcicd b stt ilSChuilrt wöchentlich im Preitig Ccn tf glied n der Religionsgemeinde wird ei un i'qealiir. d cl die Test zugestellt. Bwugstt«'» Cr N c m itglieder monatlich 60 Pfennige Anzeigen annähme: W. Teih-r, GlockenstraBe 11. Telephon 14449 Schriftleitung: Gemeinderabb. Gustav Cohn, Leipzig, LShrstr. '0. Telephon 29641. :: Druck und Verlag; W. Tei her. Leipzig, Glockenstr. 11, Telephon 14449. Anzeigenpreise : Die 4 gespalten* mm-Zeile 20 Pfg. Famifien und Kleine Anzeigin 10 Pfg. Umachligseiten und Textinserate nach besond. Tarif. - Für den Inseratenteil : J. Kühne, Bauhofs»:. 9 (Telephcn 14449). Die Schnftleitung übernimmt für die unter dem Namen des Verfassers erscheinenden Beitrage und die Vir einsnachrichten nur die preBgesetzlicheA'erantitortung. Nachdruck nur mit Quellenangabe und Genehmigung des Verfassers gestattet Eine Hochschule für freie Wissenschaft des Judentums in Amerika Vom Benj■ min Sege 1. Wenn wir einmal Gelegenheit haben, etwas über die Verhältnisse der Juden in anderen, besonders in den westlichen oder überseeischen Lindem zu erfahren, dann kommt uns immer zum Bewußtsein, wie wenig darüber hier bekannt ist. Wir wollen daher in unserem Blatte in gewissen Abständen Veröffentlichungen bringen, die Kenntnis geben von dem Leben der Juden außerhalb Deutschlands, von ihren Einrichtungen und ihren I ebensbeziehungen, von den Fragen und Problemen, die sie beschäftigen. El werden sieh alliierst interessante Vergleiche ergeben, /weifellos auch manche wertvolle Anregung, die /ur Nachahmung reift. Wir eröffnen diese Reihe mit dem vorliegenden Hinw eis auf eine ganz einzigartige I inrichtung /ur Förderung der Wissenschaft des Judentums. I). Schriftl. A ,,Amerika, du hast es besser Als unser Kontinent, der alte... ls Qoethe dieses wundervolle Spruchgedicht schuf, ahnte er nichl dalS es auch in bezug auf die eben damals begründete Wissenschaft des Judentums seine volle Gültigkeit behalten würde. Die Wissenschaft des Judentums wurde geboren aus dem Drang nach vertiefter Selbsterkenntnis, der um die Wende des IS. und 19. Jahrhunderts in den besten Kopien und edelsten Herzen der jüdischen Gemeinschaft erwacht war, nachdem die Juden mit der europäischen Kultur in li<- rührung gekommen waren. Mit unsagbar freudiger Ueberraschung entdeckte mau unerschöpfliche Schätze einer dreitausendjährigen Vergangenheit und man (ühlte sich gewaltig angelockt, diese Schitze beim Lichte der neu erblühenden kritischen Wissenschaft zu heben und vor aller Well auszubreiten. Die grolle Lulle des Wissens, die seit Geschlechtern In der Judenheil überliefert war. wurde in neue Formen gegoßen. Ls dauerte fast ein halbes Jahrhundert, bis die neue Wissenschaft so weit ausgebaut worden war und sich konsolidiert hatte, dall sie in ihrem eigenen (leiste gelehrt und gelernt werden konnte. Die alte Jeschiba war nämlich allmählich In Verfall geraten, ihr Lehrbeieich erschien viel /u enge find ihre Lehrmethoden nicht mehr zcitgcuiäss. Aber als es galt, für die moderne Wissenschaft des Judentums Lehrstätten zu errichten, wurde mau erst gewahr, dall die alte Jeschiba einen hohen Vorzug hatte, dessen die moderne, auf ihren Fortschritt so stolze Zeit sich nicht rühmen tkonnte. Die alte Jeschiba hatte mit der antiken griechischen Akademie das eine geniein, daß in ihr, gleichwie in den Hochschulen von Hellas, die Wissenschaft um ihrer selbst willen betrieben wurde, nicht als Zweck- und Brotstudium, Die Thora durfte man nicht als Spaten betrachten, mit dem man nach (iold gräbt. Thora lernte man „lischmoh" bis man sich darin, so weit als die Begabung und die Muße es erlaubte, vervollkommnet haue, i >b einer dann eine Prüfung machte und einen Posten als Rabbiner erhielt, das war von ganz anderen l mständen abhangig. w ar aber durchaus nicht das Lehrziel, in :ht das Studienziel. Dieser unschätzbare Vorzug der alten Jeschiba. entsprungen einem hohen Idealismus, der allein der altgriechischen sowie dci echt jüdischen Oesinnung entsprach, war beim Uebergang in die moderne europäische Sphäre verloren gegangen. An den Universitäten studierte man. um etwas ZU werden: Arzt. Beamter, Lehrer, Rechtsanwalt, Geistlicher. I tu eine Hochschule, die nur der Förderung der Wissenschaft des Judentums dienen sollte, ohne zugleich ihre Junger zu einem bürgerlichen Beruf und ZU „nützlichen Menschen" zu erziehen, hatte kein Staat und kein Mäzen im damaligen I uropa etwas übrig. Zum (duck hatte damals bereits das Bedürfnis n.uh modern gebildeten Rabbinern und Predigern s eh in ausgedehntem Maße geltend gemacht, und so horte die Wissenschaft des ludeuiiiins wenigstens zum Teil auf, ein „unnützes-', weil brotloses Studium zu sein. Zwar sind die eigentlichen Begründer und Bahnbrecher dieser Wissenschaft, die Unvergängliches geleistet, Zun/, Kroch mal, Duke s, l uzzato, Blumenfeld,Schorr,Oraetz,Steinschneider keine bestallten Rabbiner gewesen. Rapoport wurde es. als seine wissenschaftliche Schaffenskraft versiegte. Aber die ersten Hochschulen, an denen I uzzato und üraelz. lehrten, das Collegio Rabbinico in Padua und das Judisch-theologi-chc Seminar in Breslau, waren Rabbinerschulcn. Sogar die streng orthodoxe von Dr. Israel Hildesheimer begründete Hochschule in Berlin nennt sich Rabbiner-Seminar, gab als:, den freien Charakter der alten Jeschib.i auf. Dagegeniw urde | auf Initiative von Moritz lazartts, Abraham Geiger und Ludwig Philippsohn in herlin 1^71 die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums gegründet. Doch gönnte ihr die preußische Regierung den Titel Hochschule nicht, und sie musste sich mit ..Lehranstalt" begnügen. Und der freien Wissenschaft zu dienen, erlaubten Ihr die UatStände nicht, si evar im Grande ein Rahbincrscniiuar, obgleich der Lehrbetrieb an ihr, wie übrigens an allen anderen, nach dein Muster der hreslauer gegründeten Rabbiner -Seminarien den strengsten Anforderungen der akademischen Lchrweise genagt. Dagegen kann Amerika sich rühmen, in dem „Dropsie College for llebrew and Cognate Learning" zu Philadelphia