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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1927-12-30 · 52 (30.12.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
3 (1927)
Issue
52 (30.12.1927)
Date
1927-12-30
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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3. 3alu<nna. Hr. 52 30 Dezember 1927 JtoilÄI ^A~lV.^~, N.X'AI^US^ £i 1. \ 1 IW^ Amtliches Nachrichten bis ^Jer G*Hiein<leverwtliHM 3«» f.» r Dd-nMu i weint wöchentlich «m FruiUg. tvn u id n 1«r Ätilg ons jrmende wird « un »tgtlM'ct ftj i die Tos! /uteetellt. Be7up!pre lüi Nie tmit'i'irdei mjriat'ich «C Pfennige ImtlqwKPMhait: W. "«ih»,!■> kenstiaBe 1!, Te!:p..o.i UV4i kzliqiongqz mzindz $u Ätl^ig Lchriftleüun :: Gene ndera >b. Cu it*v Cchn, Leiizia. LShlMf, iu. Telephon 29641.;: D uck und Vorlag.' W. Te u>er, Leipzig, Glockenstr. U, Telephon 14149. Ant. 4e: p.-eue; Die 4 gespaltene mm-Zeile 20 Plg. Familie und kleine Anzeigen 10 Pfg. Uma.hlagseiten ml Ter'inservc nach bisoas. Tarif. Für den Inseratenteil: J. Kühne. Bauhofs!:. 9 (Telephon 1444'.. Die Schriftle.tung übern.r mtfür die un:er dem Namer des Verfassers "erschein* n ien Beiträge und die Ver c.nsnachrichten nur die. prei>gesct;l:che Verantwortung Nachdruck nur mit Quellenangabe und Genehmigung des Verfassers gestattet. Das Problematische einer Auseinandersetzung Uber jüdische Musik Von Arno Nadel, Berlin. I > a s Volkst um Das Problem ist im Grunde nicht so problematisch, wie man es seit Jahrzehnten (um nicht zu tagen seit Jahrhunderten, was auch halbwegs ihr Wahrheit entspräche) hinzustellen pflegt. So wie mau nach dem Wesen einer deutschen oder französischen oder, um anschaulicher zu werden, nach einer russischen Musik fragen kann, kann man auch nach den Mei!.malen der jüdischen Musik fragen. Ich sage: der jüdischen Musik und setze gleich, wie nun sieht, ihr I lasein voraus. Also, noch einmal: in wiefern gOt es eine jüdische Musik? Das ist, sollte man meinen, unschwci zu begreifen. Es gibt ein jüdisches Volk . . . (,llici beginnt schon ilic Stockung. So sehr ist das Problem mit dem tiefsten Wesen lies jüdischen Daseins überhaupt verknüpft.)... Natürlich gibt es russische Juden, holländische und deutsche Juden, alle sind sie Juden, wie alle Auslandsdeutschen Deutsche sind. Aber, aber und aber... Man müsste die Oeschichte, die Rassentheorie und sonst alle in Betracht kommenden Wissenschaften aufrollen, tun die Beziehungen /wischen tler gesamten JudenhcÜ und ihrer Musik zu klären. Dennoch: wenn wir unserem Gefühl für die Dauer und den Zwick eines kurzen Aulsalzes uns überlassen wollen, dürfen wir wohl eine große jüdische bestehende lebendige (lemeinschaft als gegeben Helten lassen, lluil ko sei die Trage rund gestattet: Gibt es eine jüdische Musik? Weltliche u n d s y n a g o g a I e Musik Was ist das: Jüdische Musik? Ist das eine weltliche Musik wir die deutsche Musik? Ist es eine nur religiöse Musik, da eine weltliche Musik nur innerhalb eines eindeutigen Volkslebens sich auswirken kann? liier stocken wir scholl wieder, da die Fragen nur so in der Luft hemmt liegen. Etwa solche: Jüdisches Leben? Wo jst win rein jüdisches l eben wahr/uiiclunen, als etwa in der Synagoge *\icr im rtattte, wenn das Haus noch die religiösen Zeremonien pflegt. Wie sieht es übrigens im heutigen Qhetto aus? Im alten polnssdi'.M Ghetto und im neuen Londons oder New-Yorks? Also. Gibt es eine weltliehe jüdische Musik? Wie steht es mit der AJItagSmusik im heute sich entwickelnden jü tischen Palästina? — J ll il i sc h e Musik e r Wenn überhaupt eine jüdische Mu ik existiert, wenn es eine weltliche iiml eine synagogale Musik, aber wir wissen immer noch nicht, ob so etwas vorhanden ist, gibt, woran ist sie tu erkennen? Zeigt sie irgend eine Einheit? Braucht man nur Jude ZU 'sein, um als Komponist schon jüdische Musik tu schreiben? Sind also .Wähler oder Scbönberg oder Meyerbeer jüdische Musiker? Oder sind nur Sulzer, Lewandowski, Weintiaub und alle die anderen, die bewußt jüdische Musik (in diesem Falle hebräische Musik) geschrieben haben, als wahrhaft jüdische Musiker zu bezeichnen? Mau sieht: Das Problem ist in unserem Falle sein kompliziert, und, weiß Gott, nicht durch meine Schuld. Das Problem i*t vielmehr kompliziert, well alles, was auf tielere Weise das Judentum angeln, vieldeutig und fein ist. Die Juden haben im Laufe von zwei Jahrtausenden auf so verschiedene Art sie Ii entwickelt, dal! all ihr Dasein vielgestaltig geworden ist. Darum möge man ineine so weit ausholende Fragestellung schon als einen Teil der i ösung hinnehmen. Sie hellt die Dinge auf und zeigt, daß jüdische Musik ein fast verwegener Bc griff ist. Kunstmusik Ls wird leicht eingesehen weiden, daß weltliche Musik sich nur in der Welt des Alltags, im öffentlichen leben entwickeln wird. So kann man tatsächlich von einer solchen als nur im ersten Stadium Steckenden sprechen. In Palästina, in fel-Awiw und in den Kolonien, in den letzten Stuben Polens, in den russisch-jüdisch gebliebenen Häusern Londons und New-Yorks existiert tatsächlich heute noch eine weltliche jüdische Volksmusik. I ml infolge der grollen nationalen Bewegung der letzten Jahrzehnte so etwas wie eine jüdische Kunstuiusik, die besonders von Rußland iu-piriert ist. (Engel. Krain, \chron etc.) Aber hier wird 'las von neuem schwebend. Und ich inuli schon die Interessenten km/ und pro domo auf meine Auseinandersetzungen mit dem MusikschrKtsteller Berl im „Juden" und in dei „Jüdischen Rundschau" hinweisen. J Üdi SC h e M u s i k Diese allerdings gibt es klar und endgültig. Obgleich sie In allen Ländern vom Charakter der Din\\>'t manches angenommen ha» Aber auf ähnliche Art haben alle Volker einander beeinflußt. So i-t

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