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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1927-12-23 · 51 (23.12.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
3 (1927)
Issue
51 (23.12.1927)
Date
1927-12-23
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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3. üabraana, Dr. 51 23. Dezember 1927 kzliqionzqz mzindz Amtliches N&chrichiehbl^^. . A»A Ä * ,Ji7«r <7e/«e/Wever»v4/^^>^^U <V*?l]^tCJ »J V Ctrr*indeblatt tf .».hemt wöchentlich am Fieitag. D«n MWqHtduB Her Reiiy onsgemeinde wird es unentgeltlich du." r die Fost 7uge«tellt. Bezugspreis * :r Ntchttnitgliedei monatlich 60 Pfennige Anrei;er. InMhM' W. Tel-her. olodken;Daße 11, Telephon 14449 Schriftiei'.un;: Gememdeiabb. Gustav Cohn, Leipzig. Lchrstr. 10, Telephon 29641. :: Druck und Verlag, Vv. Teicher, Leipzig, Glockenstr.!!. Telephon '4449 An ZtiptOprtiM; Die 4 qespalten* mm-lieiie 20 Pfg. Fa mii;«'- und kleine Anzeigen 10 Pfg. Un»chlagse:ter. und Textinserate nach besond Tmif. Für den Ins? ratenteü: J Kühne. Bauhof*»!. 9 (Telephon 14449V Die Scnriftle;t'ing übernimmt für die unter dem Namen dea Verfassers erscheint nden Beitrage und die Vereinsnachrichten nur die preßge«t7licne Verantwortung. Nachdruck nur mit Quellenangabe ..nri Genehmigung des Verlassen Mttatttt H. D. Nomberg Von Dr. A. Suhl. Nomberg —wie er mir sagte, hieß er eigentlich Naumberg Hirsch David Nomberg ist ganz ur.erwartet Ende November in Warschau, etwa 55 Jahre alt, gestorben. Noch kurz zuvor halte ich ihn witdtr eitmal in Berlin im Kenianischen Cafe gesehen. Hier hatte ich ihn auch kennen geleint. Das war gleichsam der Kreuzungspunkl der immerwährenden Reisen seirer letzten Jahre. Ais den Vereinigten Staaten, aus Palästina, aus Argentinien, aus Rußland und Polen kam er immer wieder hier rastend durdv Aber tr so wenig wie die Reiseberichte, die er in den jüdischen Zeitungen der Alten und der Neuen Welt veröffentlichte, machten den Umdruck, daß etwa innerer faustischer Drang, geistiges Suchern m, seelische l'i.rast ihn so über die Lrdteile trieb. Uberhaupt übt naschte er ein weni^ den, der ihn nLr aus seinen quälerischen Novellen kannte. Gewiß, es war nidu schwer, in ihm den Dichter von „Flügelmann* und .In den Berum" zu cikenren. l as gel rechliche, aschblonde Mannlein trug einen gewölbten melancholischen Schädel, uro umer der breiten Stirre laeen tiel jene süllen Augin Hügelmanrs. „wie angehaucht, als n DBte man sie bloß blank wischen", und das gelb lieh bleiche G-.sidit sduunplte m den Unterparticen rusemmen in jene „wie im Mitleid Hellenden halten" des Studenten Weidmann. Dahinter allerdings ein guter Sdmß lebensirhaltender Skepsis und Ironie: die Ueberlegenheit des Dichters üin r se ne Figuren. Aber im übrigen: nidts von Quälerei, von Ekel, von Haß. Er übcrrasd.tt vielmehr durch ein aullallend loyales, hdllid es Wesen, ein wenig milde in d müde, immer zu Koi; Zessionen bereit, hin gewisses laisscrfaiie in allen. Wohl wahr, als idi midi einmal imGespritch bemühte, ihn von einem jungen Dichter zu überzeugen, und das Win Blasiertheil lallen ließ, wurde tr direkt eilrig: noch gestern eist habe ihn ein kleines Gedid t eir.es von den Jurgtn ganz in Begeisterung gebradit. Aber wie diese Journalistik, der seine letzten Jahre gehörten, war der Mann seibst well klug beobachtend, 11 . vor allem umfänglich und Versöhnler und littet belletristisch als streng wertend oder gar sdiarl Paitei ergreifend. Vielleicht mußte diesir Lindrick einer freundlichen Apathie, milden Klugheit gerade im Rt msnischen Cafe versdiirfl hervortreten, in dieser von versteckter Prestige-Poli'ik nicht wunder als die große Well erfüllten Alnosphare einer kleii en Weh der Literatur — wenn man ihn da kennen lernte bei der eigenen Talelrunde alseinen Arrivierten. Allerdings: Arrivierter sdion von gestern oder vorgestern. El sdjiebja audi kaum ncdi Dichterisd.es. Der oder die Nachfolger saßen schii n an anderen Tischen und fühlten Verachtung: der Mann hatte sich überlebt. Vielleicht doch deshalb dieser Zug, daß Nomberg, der seht u langer von meiner Uebersetiung einiger seiner Novellen wußte midi am Tisdi vorstellte, als habe er sotben die Neuigkeit erfahren: die Tatsache sollte bekannt gegeben werden. Grausam vergeßlich und undankbar ist man ja hier, in diesen Zirkelr. noch nuhr als s r.st in der Welt. Und n an darf füglich daran zweifeln, ob der „griße Dichier" der Nekrologe so ganz ehrüdi terreint ist. L nd doch ist Nombergs Bedeutung für die jüdische Literatur über allen Zweifel et haben. Nomberg, der, eire frühe Waise, bei seinem diassidschen, begüterten Großvater autwuchs,erst spät ins »weltliche" Üben Hat, den Lmbrudt und den Gegensatz zur ahen Generation, auch dutdr eine Ehescheidung hindurch, sdmtrzlidi trieben mußte und sidi dann bilterarm und vollkommen isoliert in der OroBstadi Warschau gegen Ende des vi ricen Jahrhunderts als hebräischer Hauslehru i>btr Waster zu halten suchte, (in der Novelle „Flügelmann* Sind nuinhiogr; plli^d eki ^t aus. dieser Zeit festgehalten)— Nomberg fand, als er. ein Dreißigjähriger, zu Beginn dieses Jahrhunderts n it hebräischen tnd jüdischen L'nahlurgen debütierte, die jüdische Literatur in einem gewissen Reilezustand vor. Eire Entw:ckiung wai abgesd ossen. Mendele. der Großvater, halte in seiner plastischen bpik die Statik des ebtn vergangenen, jahrhundertealten. gieidtrugen jüdischen Lebens dei Kleinstadt aufgefangen, Scholem Alijdtm die Dynamik dtr;us der Kleinstadl in cit Großstadt, dem Feudalismus in den Kapitalismus getriebenen Massen, Ptrez war in dem Eni« dklungsprozcß schon soweit vorausgeschritten, daß er, der Sozialist, s<di der Form des von der „Haskalah" der Amklarurg, eben r.td: so bitter bekämpften Cbassidismus zur nationalen Verkörperung derZukunltsideen bedienen konnte. Diese drei Klassikir waren Rtpräsenti nten des Volkes in seiner Gesamtheit. Aich äußerlich besitzen Mersehen und Ptuebenheittn ihrer Werke in dtmLokalkoli ril ein wesentliches rationales Unterscheidungsir erkmaT Aber die Geschlossenheit des nalienalen Lebens war nun, vor allem in dtn Großstädten, schon soweit aufgelockert, daß Gruppen- und kl. ssei.dilfercnzierungen und schließlich audi reiner Individualismus auftreten mußte. Dieser umsomehr, als gewisse Schichten, vor allem die Intellektuellen, der Masse des Volkes in dem „Verwel!- lidtungsprozesse" weit voraus waren und sidi nun gleichsam ohi e Boden, ohre Arsth.luß. als reine Vereinzelte fühle", mußten. Die großen repräsentativen Dichter wurden abgelöst von einer Reihe mehr einseitiger Literaten, in deren Werken

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