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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1927-12-09 · 49 (9.12.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
3 (1927)
Issue
49 (9.12.1927)
Date
1927-12-09
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 4<> seile;■> Das Jubiläum des Neu-isenburger Heims ie sittliche unterer Tage lenkt das allgemeine Interesse auf alle Fragen der Qefährdetenfürsorge. Im Zeichen dieses Problems (Und die Qesamtvorstandssitzung des |ttdischen Fnunbundes, die vom 13. 15. November in Frankfurt a. M. tagte und außerordentlich interessante Referate und Aussprachen bot. Eindringlicher aber noch als alle Worte warb (ur die Idee des tleflhrdeteirschutzea eine Besichtigung des Neu-isenburger Heims. Hier sind alle Oedanken zur Tat geworden. Hier finden Mädchen, die den sittlichen Mali verloren haben, Schutz und Erziehung; hier finden Kinder, die dem ungünstigen I influß eines verderblichen Milieus entzogen werden müssen, die geeignete Umgebung. Schon re n äußerlieh überrascht das Neu-isenburger Mi im angenehm.!s fehlt ihm ganz der kasernenmäßige Vnstaltscharakter. Vier freundliche, kleine Landhäuschen, in einem Gartengelände gelegen, machen einen anheimelnden Eindruck. In Haus I, vor 20 Jahren von Fräulein Pappenheim begründet, finden gefährdete junge Mädchen Vufnahme, In Haus 2, das im Jahre 1914 entstanden ist, spielt sich las fröh- Icturte Leben des Heims ab: es dient der Aufnahme von Säuglingen, Kleinkindern und jungen Müttern, lieber der I ingangstüi hängt eine Leo Horowitz entworfene Plakette, die Auffindung Moses darstellend. Sie tränt «.Ii-.- Inschrift: „Ein Frauenherz gab nie ein Kind verloren, Moses /ii finden, ward eine Frau erkoren." Haus i gehört i'.e i schulpflichtigen Kindern; Haus i ist tum allergrößten Teile Kranken- und Isolierstation; auch wohn) in ihm Fräulein Pappenheim. Dm, was die Besucher sahen, waren die freundlichen Räume mit ihrem wohnlichen Aussehen, waren die gutgepflegten Kinder. Uebei das, was mau nicht greifbar vor si Ii sehen konnte, was aber trotzdem in der ganzen Atmosphäre des Hauses spürbar ist, sprach FrL Berta Pappenheim in ihrem Bericht über „Das unsichtbare Isenburg". Unsichtbar i-t die Mühe und Sorgfalt, die da/u gehört, Menschen, die aus einem Milieu der Verwahrlosung kommen, in das geregelte leben Neu-Isenburgs einzufügen. Unsichtbar i-t der Aufwand au Mühe, der nötig ist, um die peinliche Sauberkeit eines so kinderreichen und an Personal so beschränkten Haushalts aufrecht zu erhalten. Unsichtbar ist die Sorgafit, die gebraucht wird, um, bei einer so tparsanfcn Wirtschaftsführung, Kindern, die in einem schlechten I rnährungszustand nach Neu-Isenburg kommen, Kraft Jüdische Verbände u. Gemeinden 2r»-jährij{os Doiei teil Jubiläum von Prof, .i- Elbogen Am }u Novmber waren fünfundzwanzig Jahre verflossen, seitdem Herr Prof, I >r. J. Elbogen an det Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin lehrt. Prof. 1 Ibogen ist als Sohn eine- I ehrers in der Stadt Schildberg, in der früheren Provinz Hosen, geboren, absolvierte das Gymnasium und das Jüdisch rheologische Se ■rinat in Breslau und war dann zunächst Dozent am Collegio Rabbinico Italianc in Florenz, das damals unter der I eitung von Prof. Dr. Mirguües auf dem Höhepunkt seiner Blüte stand. Von dort wurde ei nach llerlin an die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums berufen, an der ei seitdem ununterbrochen wirkt. Prof, □bogen ist als Historiker des Judentums Spezialist auf dem Ocbietc der Geschichte des jüdischen Gottesdienstes, i-t aber auch auf anderen Oebieten mit wertvollen wissenschaftlichen, insbesondere historischen Arbeiten, vielfach hervorgetreten. Neben seiner wissenschaftliehen und unterrichtlichen Tätigkeit wirkt er in i.ist allen grollen jüdischen Organisationen wißcnschaftlicher, humanitärer und politischer Art. von denen er mehrenbegründen half. In einer Reihe dieser Organisationen st er. wenigstens so weit es sieh um die Pflege der jüdischen Wissenschaft handelt, die eigentlich treibende Kraft. Prof. Dr. Elbogen ist auch an dem Stephen Wise Fonds-Institut für Religion in New York Gastprofessor gewesen. In Prof. Elbogen, der erst vor wenigen Jahren seinen SO Geburtstag begehen konnte, verehren viele jüngere jüdische Gelehrte in Deutachland und auswärts ihren I ehrer und Anreger. und < lesundheil zu geben. Sparsamkeif herrscht in Neu-Isenburg. Is lehlt jeder Luxus, jeder moderne Komfort, Dieses Prinzip der Sparsamkeit entstammt kluger Ueberiegung. Die Insassen des Heims, die aller Voraussieht nach auch nach Verlassen des I leim«, in einlache Lebensverhältnisse kommen, sollen nicht an Lebensansprüche gewöhnt werden Sie sollen lernen, mit bescheidenen Mitteln Behagen um sieii /ii verbreiten. Das ganze Heim mit allen seinen Einrichtungen, mit allem, was vorhanden i-t und allem, was absichtlich fehlt, ist Lehrmittel, Viel aller Einfachheit w ird nicht gespart an Ernährung, Pflege, Wische, Sauberkeit. I in Zug von Frohsinn liegi auf dem Heim: so zutraulich wie die Isenburger Kinder sind nur Menschen, die sieh wohl fühlen. Höhepunkt des Isenburger Lebens sind die jüdischen Festesfeiern, du zu verinnerlichen, Fräulein Pappenheims heißestes Bemühen i-t. Sie sollen zu Quellen jüdische) Begeisterung weiden , I ran Bettina Brenner sprach in herzlichen Worten Fräulein Pappenheim, der Gründerin und Leiterin des Heims, den Dank des Frauenbünde: aus Fräulein Pappenheim in ihrer Wahrhaftigkeitsliebe konnte diesen Dan!., den sie gern bescheiden abwehren wollte, nicht; ablehnen. Sie kleidete ihn aber i.i Worte des Ahnenstolzes. „Ich I darf den Dank nicht ablehnen, kh fühle mich als Sendbotin, als Glied einer großen Ahnenreihe anständiger, braver und bedeutender Männer und Frauen. Das verpflichtet Ich mußte d.is W erk vollbringen. Die Ahnenreihe aus der Preßburger Jeschiwah, aus der Wiener und Frankfurter Gemeinde haben in mir da- Wunder vollbracht. Deshalb muri ich den Dank für mich persönlich abweii n I - gibt solche Wunder, und ich habe zu danken, daß sieh das Wunder in mit verwirklich) hat," Das Heim in Neu-Isenburg is' einzigartig, in seinem Menschentnaterial und in seiner Führung. Wir haben kein zweites jüdisches Heim, das mit so einfachen Mitteln arbeitet, in dem der Leitgedanke so stark ausgeprägt ist und das sieh die undankbare Aufgabe gestellt hat, au so schwierigem Menschenmaterial tu arbeiten. Leider ist es dringend nötig, das Heim zu erweitern. Leider? Es; wäre /u wünschen, daß alle jüdischen Menschen in ihren Familien i so kui aufgehoben wären, daß Heime mii der Aufgabe von Neu-Isenj bürg überflüssig würden. Es ist dem aber leidet einstweilen nicht j so; im Gegenteil: Neu-Isenburg wird dauernd ,-us .dien Teilen Deutschlands als Zuflucht»- und Erziehungsstätte in Anspruch genommen und verdient daher auch aus allen Teilen stärkste I irderung, i ' n. •TAGLICH ÜBER 1Ö000C AUFLAGE* uj —» o 3» CT3 —i ru_ - ~ =c cz s /teue&wjiger s § Seitis nef __ BBZUOSPPGIS MB MONATLICH CC m PQÜTBEZUU XU tiitiiCttL BES1 LLLüELD 0 CD Ci täglich Ober 100000 aufläge*

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