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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1927-12-02 · 48 (2.12.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
3 (1927)
Issue
48 (2.12.1927)
Date
1927-12-02
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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3. Jabroana, nr. 48 2 Dezember 1927 7mt$m AtnllickzS M*(iJincUchbl2^<^^ Ar. > der (temeiHdeverwdiltHrt$\sr &j%J zUgionigc S'.>^r»f, JLüJbtB&tl )*a Oii e nd^hlaM r chSiBt wöchentlich am Freitag. Das tq et dei .-(<• j on igemeinde wird es an- «.«tc,*:; cl du ir die Pom tugsstallt B«tU|ipitil für Ni. ht-niti3:*.eder monatlich tO Pfennige. An:-eiuei>*rnal'me: •J». "«ton« RlntkenstrnCe 11. ""eiephon 14449. Schtlftlaitung: Gene ndftaCb. Uhratr, 10. Telspio.i 2-*4l. . Dm Totcbw, Lciptio, Clccker.atr. I', Telepru- M49 An ItlotnprtlM; die 4 MaptHtM mm-//e ir 20 Pfg Farmsen un.l kleine An<e;gen 10 Pfg. l.'n a Hagseiten urd Tei*inser*> naih b**ord, Tor:f. Für den Irse utenteil: J. Kühne. Bauhof-*:. 9 (Telephon I4<49Y st i\ Cl hn. Le.pnu, urd Vertag! w V if Si h:if:if lunu C t e r n t: i IGi t < unter ettn Narr.erde« Vrr1>* ter« e r&i re r er der t?t rijt und die Vtrc PVBichrirhten nur die ptffQfttttlkt»! Veran'wcrtv ng Nr:chdrv.tli ni:: mit C^* ier.pr c.ttt i rc Cer.er rr.ii,ung des VtrftMtra gMtatUt, Amfliche Bekanntmachungen der Israelitischen Relig'onsgemeinde zu Leipzig Wahlergebnis In der am 27. dieses Monats vorienommenen Wahl sind anstelle der Ende dieses J.ihrts ausscheidenden Mitglieder der Gemeindevertretung ßewähl wortler: Frau Regina IMelferblüth, Frau Alma Schindler, und die Herren Direktor Dar ob« rt AronsteiP Siegmund G o 111 i e b Kaufmann, Desider Gutmann Kaulmann, Emil Joske Privat» ann Elias Kestenbaum, Kaulmann, R« ditsarwalt Justiz rat Dr Btrlhold Löwenstein, Dr. Arthur I1 k i r k o w s k;, Prokurist, Elias Seiinger, Kaulmann, Louis Tumpowsky, Kaulmann. Leipzig, den 30. Novemher 1927 Der Wahlausschuß Demokratie als Überwinder des Antisemitismus Von Arnold Z w e i g. Mit freundlicher Uenchmigung tli- Verlages (iuttav Kiepenheuer (Potsdam) veröffentlichen wir einen Mischnitl ans dem bedeutsamen Werke Vrnold Zweiigs „Caliban", das wir an anderer Stelle der vorliicgendcn Nummer besprechen. Ztun Verständnis des von Zweig geprägten Begriff« Zcntrahtäts- und Differenzaffekt sei noch besonders aui dir Besprechung verwiesen. Nur sogenannte Realpolitiker werden leugnen, dalf die unablässige Einwirkung großer Führer die Zielsetzung der Affekte verändern konnte; nur Menschen veralteter See'enkunde werden widersprechen, wenn hiei behaupte) wird, Zielsetzung in umeretn Sinne geschehe zugleich mit der Reinigung, di r Suhlimiening dieser Affekte selbst. Wem es gelingt, einen Zornmütigen zornig zu machen gegen seine eigenen Schwächen, der hat ihm das beste Werkzeug /ur Ausrottung diesci Schwächen und zur Ueberwindung diese* /orui-s si-lltsi in dii Hand gegeben. Ja. Affekte sind zu lenken, ihre Fixierung ist aufzulösen, sie selber dir Reinigung zugänglich: dim li so erschütternd einfach zu benennende, so erschütternd schwer zu verwirklichende Mittel wie. Eingeständnis der Affekte, Ausspresprechen des in ihnen verdrängt sich Meldenden. Wie die Furcht vor Oespenstern m einzelnen Menschen und ganzen Gruppen /um Abklingen gebracht werden kann oder zur Abreaktion dadurch, daß «nan dem Einzelnen oder den Qnippen zum Bewußtsein bringt und zum I ricinus macht, wovor sie sich eigentlich fürchten: nämlich vor den Mächten der Natur um >io und in ihnen, SO kann das z*eretömide und Vergiftende des Zentraiititsaffekts und dea Düteicaaffekbi aufgehellt werden durch das Eingeständnis, daß ihre Ursache die Furcht ist vor einander und das Verlangen nach einander. Harum v<»r allein dringen sie darauf, da» jedes Einzelne in seinen Ctrrn/eu beobachtbar, überwachbar bleibt. Und da die Juden überall I in den Orenzen der anderen ausgestreut wohnen, i-i dii Furcht j \or ihnen mit dir Macht eines unvernünftigen Triebes eine ewig : wachende Quelle des Differenzaffektes. Aber Völler verlangen auch auch nach einander Unterhalb der Furcht, verdrängt und in dieser Furcht bemerkbar, zittert eine Liebesbegierde von Lern einen /um andern, von jedem zu allen Sie verlangen nach einander, weil sie einander ergänzen, weil jeder einzelne die I inseitigkeit seines Seins wieder gutgemacht und ins Rechte gerichtet sieht durch das Vorhan densein und die Verschiedenheit der anderen. Und darum, weil jedes in der Angst um >eine eigene l Kistenz, in der l urcht, das eigene Sein aufzugeben und mit dem anderen zu verschmelzen im laumel einer hochzeitlichen Vereinigung, im In erzogen wurde /tun Selli-:- gefühl, närnlkh zu der Erkenntnis, daß Völker, wenn sie in einer i größeren Einheil aufgehen, ebensowenig ihr Ich verlie:en wie die Stamme des ein/einen Volkes ihr Ich verloren, als s|t sich unter Aufgabe des Stammdaseins zur größeren I inheif zusammenschlössen wagt sieh diese Liebe dci Volker zu einander ans I ichl dei I rieb en I nur in dem rausch haften Ulücksgefühl, das gie begeisternd hebt, wein auf großen internationalen ragungen oder Wettbewerben ganz beliebiger Art die Vertreter der Völker zu einem ganz bestimmten Ziel einheitlich sieh verbünden. Dann berühren in der Form von Schriftstellergruppen oder Tagungen von Fußballern, Leichtathleten oder | Sozialisten, ja ~ell>si von Militaristen die Völker sich mit denk i ülück und der Schüchternheit und dem*' Rausch dei überwundenen i Schüchternheit, mit denen große, unbeholfene rieie einander Zärtlichkeiten erweisen, und es wird eine Aufgabe des Völkerbundes ■ werden, eine neutrale Zone zu sehaiien, einen europäisch« n Bund zunächst, in dem die Volkci einander ohne Angst, tl h. ohne Hernj mung begegnen und sjth einander berauschen können. Dieser Rausch, nach innen gewandt wie nach außen, hat als pädagogische Folge die Erziehung zur Demokratie. Denn: der rauschhafte und verdrängte rrieb, dei Volker zuein* 1 ander treibt, die I ust des sieh Erkennens, sieh Ergänzens, sieh Verhiudeus, das ist die UrWUrzd der Demokratie in der Seele der Ontp> 1 peu und Einzelnen. Eigene Schwäche, das begrenzte eigene Sein i heilen durch Anerkennung und Unterstützung, die das andere mit

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