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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1927-11-11 · 45 (11.11.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
3 (1927)
Issue
45 (11.11.1927)
Date
1927-11-11
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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•Seite 5 GEMEfNDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE, LEIPZIG 3. Jahrgang für die Bausteinsammlung zu dem Frweiterungshau iks Neil-Isen* burger Heims. Frau Chamizer empfahl den künstlerisch so wertvollen Kalender des Jüdischen I rauenbundcs. I >as mm folgende sehr gedankenreiche Referat von Frl. Hannah Karminski, Berlin wurde mit sehr starkem Beifall aufgenommen. Sie führte ungefähr folgendes aus: Man beschäftigt sich gegenwärtig hl weiten Kreisen mit Psychologie, weil mau erkannt hat, daß im /eilalter der Maschine die Seele des Menschen bedroht ist. Früher wurden psychologische Studien hauptsächlich berufsmäßig getriebeu. Der Arzt, der Lehrer, die Kindergärtnerin bedurften dieses wissenschaftlichen Hilfsmittels, da sie an fremdem Menschenmaterial arbeiten, bitern brauchten infolge der natürlichen Verbundenheit und der ständigen Beobachtungsmöglichkeit Keine psychologischen Kenntnisse /um Verständnis ihrer Kinder. Erinnert sei an ein Beispiel der Bibel: Jakob segnet seine zwölf Söhne, jeden charakterisierend; aus der Kenntnis seines Wesens seherisch seine Zukunft kündend. Gegenwärtig, da das natürliche Verständnis nicht mehr vorhanden ist, muQ Ersatz in der wissenschaftlichen Kenntnis der Psychologie gesucht werden. Um die Psyche eines jungen Menschen verstehen ZU können, muß man bereits das Seelenleben des Kindes beobachten. Vor einer Generation wurde die Psyche des Jugendalters wenig beachte!. Man betrachtete das Jugendalter nur als den Debergang von der Kindheit zum Frwachsenscin, und glaubte, diesen möglichst kurz bemessen zu müssen. Heute ist ■es anders geworden. Zur stärkeren Beobachtung der jugendlichen Psyche zwingt einerseits die Verwahrlosung und Gefährdung der sozial schlecht gestellten Schichten und die sittliche und seelische I laltlosigkeit der Jugend unserer Tage, sich am krassesten in der Häufigkeit der Selbstmorde äußernd, andererseits bat auch die Jugendbewegung die Aufmerksamkeit auf die jug-'itd gelenkt. Bleibende durch die Jugendbewegimg hervorgerufene Werte sind: Reform der Schul- Methoden, Wandern, Freizeitbewegung, Berufsberatung und Jugendgericht. ' Es ist eine neue Literatur entstanden, die sich mit der Jugendpsychologie befallt, ihr bedeutendster Vertreter ist Spranger. Es fehlt noch an Schriften, die speziell auf die Psyche des jungen Mädchens eingehe«. Von den Problemen der jüngeren Frauengeneration sprechen Gertrud Bäumers Schriften: Seelische Krisis und die Frau in der Kultur. Frauenbewegung und Jugendbewegung haben verwandte Seiten, beide kämpfen gegen Erstarrung. Wenn das Jugendalter eines PURt Telephon Nr. 24333 12137 reinigt und färbt schnell und preiswert Teppiche« Portieren Herrenta. Damengard. Nächste Filiale: Salzgäßchen Nr. 6 Max Singer /,© Uhrmacher u. Juwelier /£fJ Plauenfdie Str. 2 Fernsprecher 12732 7 — Gegr. 1.J.1906 af Uhren cpP Juwelen Eigene Werkstatt Schmuck Verlobungs- Ringe Silberne Becher, Schalen Körb-' Leuchter u. s. — besonders preiswert! Menschen gesund, rein und schön sein soll, müssen seine Kindheitscindrückc gut sein aber auch das l eben der Erwachsenen seiner Umwelt muH rein und schön sein. Jugend soll nicht Höhepunkt des Lebens sein sondern ein Aufsticgspro/clt ZU immer höherer Keife und Vollendung. Jugend ist Reifezeit d. i. gleichbedeutend mit seelischer Gleichgewichtsstörung Jugend bedarf in dieser Zeit größter Nachsicht. Das sexuelle Erwachen soll in gesunde Mahn gelenkt werden. Gedanken der Sexualethik soll die Jugend erfüllen. Hygiene, Sport, Kultur der Kleidung soll gepflegt werden. Es fehlt bei jüdischer Jugend mehr als bei der anderen die Fähigkeit sieb einzuordnen, die Anerkennung des Führers. Die Führerschaft ist ein schwieriges Problem. Der Führer soll mehr Wissen besitzen aber aus der Kraft des Starkeren nicht vergewaltigen sondern helfen. Bei Berufswahl sollen materielle Gesichtspunkte nicht zu stark berücksichtigt werden, aber es soll auch nicht zu stark individualisiert werden. Das Allcrwesentlichste ist, die Jugend wissen zu lassen, daß die Seele, ihr kostbarster Besitz, auch späterhin nicht an Werl verlieren darf, nicht abgelöst zu werden braucht durch die Realitäten des Fcbcns. Auf die Fülle der durch dieses Referat gegebenen Anregungen erfolgte sehr lebhafte Diskussion, an der sich auch die Jugend und die auswärtigen Gäste beteiligten. Personalnachricht Todesfall. Herr Morris Wolf, Nordstr. 15, ist am 0. November einem Schlagfall erlegen. Die Beerdigung findet am Vi. Nov. statt. Neuzeitliche formen 6ünstige JtoBbgen/ Oscar OUaistat Stichs» sehe JBron wuörenfabriK £eipzig,#osentalgasse 2 Fernruf: 24863 1303c COoögTjg JBdcuchf ungskörperj für elektrisch licht Zwanglose Besichtigung unserer Ausstellungsräume erbeten Um-u.Aufarbeitung vorhandener Beleuchtungsköper in fachmännischer Weise zu billigsten Preisen Rocken %Ä/ Große Auswahl; Km «8» ^.•»^VX d i »•fiSVä^J Ififl m/*m in Winterneuheiten Reine Wolle Wolle mit Seide ALSELA Reidusirafe 4-6

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