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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1927-11-21 · 42 (21.11.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
3 (1927)
Issue
42 (21.11.1927)
Date
1927-11-21
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Seite 5 3. Jahrf,'.n? ein Beitrag zum modernen deutsch-jüdischen Problem" sprach. Der Referent führte folgendesaus: Iis gibt Völker, die aktiv und Völker, die passiv sind. Es gibt eine Aktivität der Kultur und eine Aktivität der Macht. Alles Lehen der Volker spielt sieh im Nationalen ab. I »a- Nationale ist lediglich die Umsetzung des Eigentümlichen. Es ist die Art, in der das Volk zu wirken Imstande ist, wie jeder Mensch in seiner Eigentümlichkeit wirkt. Diese Eigentümlichkeit kann nach zwei Richtungen festgelegt werden: I rstens, «lall die Völker sieh seiher in sieh stärken, indem sie ihrer nationalen Kultur huldigen, /weitens aber, indem sie anderen ihren W illen aufzwingen. Im alten Judentum strömt einem die Fülle der Aktivität entgegen und man fühlt, dal! eine unendliche Fülle von Kultur auf altjüdisches Zurückgeht. Man braucht dabei nur an die Bibel und au das alle restament ZU denken, um ZU wissen, dali das Judentum den sozialen Gedanken in die Wirtschafts- und politische Geschichte gebracht hat. Das Judentum gehört im Altertum auch zu den aktiven Eroberer- Völkern, da es um die Erkimpfung der Heimat viele Kriege geführt hat. W enn dieses Faktum auch heute negiert wird, so ist doch zu erkennen, dali es auch in dieser Beziehung ZU den aktiven Vö kern rerechnet werden mußte, \ns dem jüdischen Volke ist heute die jüdische Religionsgemeinschaft geworden. In der Antike hatte die Religion lediglich eine ordnende Bedeutung, das heißt, das Staatsleben brauchte die Religion, um die Bürger an eine bestimmte Ordnung zu binden, ohne dali jedoch die Religion eine moralische Bedeutung halte. Man sieht das am -ti li daraus, dali berühmte Philosophen, wie /. II Plato und andere mit einem ausgeprägten Begriff für Menschenwürde Anhinger des Sklavenhandels waren. Wenn ein Volk zu Grunde ging, ging auch eine Religion zu Grunde. Wenn ein Land eroberI winde, dann zwang man ilie Besiegten, die Religion des Siegers anzunehmen. Keim allen Judentum war es nicht so. Als der jüdische Staat einmal zerstört >\inde, trugen die alten Juden ihre Religion nach Habel; beim zweiten Wale wurden sie mit ihr in die ganze Welt zerstreut. Die Aktivität les Judentums wurde besonders dadurch abgeschwächt, dali sie zulächst von allem Politischen ausgeschaltet wurden; \<>u dem Augenblick an war das jüdische Volk Religionsgemeinschaft geworden. Die rturituni isl ein Beweis dafür, daß das jüdische Volk in seiner Religion seine Ewigkeitswerte bat. Das jüdische Volk ist niemals und nirgends Majorität gewesen, nicht im zahlenmäßig, sondern in re u geistigem Sinne, und es wurden in oütischen Tragen sie>s Unterschiede gemacht. Dadurch ist es im aufe des Jahrhunderts absolut passiv geworden, un so hat sich das Bild entwickelt, wie wir es heute sehen. Das Judentum ist nicht iubjekt sondern nur Objekt der Gesetzgebung und dadurch zur Passivität gezwungen, nicht nur im politischen, sondern auch im kulturellen Sinne. Seit dieser Zeit ist auch der passive Gedanke in der Religion •merkbar. I ei moderne Jude fühlt diese Passivität und daraus resultiert die Lust zur Assimilation. Sons! wäre es wohl im Laufe des icunzehnten Jahrhunderts nicht möglieh gewesen, dali sieh 250000 irden tauten ließen, und das eigentlich Jüdische wäre noch mehr ver> Ü Telephon Nr. 24333 12137 reinigt und färbt schnell und preiswert Teppiche, PcrtlErsn Herrenu. Damengard. Nächste Killale. S.ilzträßcueu JKt. 6 1 Schöne Geschenke in hochwertigem modernen Kristall von Fahle Im Laubengang des alten Rathauses schwunden, waren die Juden nicht dureli den Antisemitismus zum Kampf für ihre Religion aktiviert worden. Einzig und allein die Ostjuden haben sieh in ihrem Malie die Güter der Religion bewahrt. Es gibt nun zwei Wege, die das Judentum aus der Passivität in die Aktivität zurückführen. Der Weg des Zentralvereins und der des Zionismus sind weiter nichts als ein Streben zur Aktivität. Wir wissen freilich, daß die Verwirklichung der nationalen Idee nichts ist, was mit dem historischen Judentum zusammenhingt, und lehnen sie darum ab. Das Judentum der modernen Zeit muli aus der Passivität geführt werden. Der Zentralverein wendet sieh an den jüdischen Menschen null fragt nicht, ob er orthodox oder liberal eingestellt ist, sondern er BUCht nur die Menschenwürde in ihm. Er soll helfen, die durch die Geschichte so stark ausgeprägte, aufgezwungene Passivität zu überwinden. Die Passivität ist eine Schwäche und die Leute, die am liebsten gar nichts vom Jüdischen wissen wollen, diejenigen, die in ihrem äußerlichen Leben sieh am meisten von allein Jüdischen cnfentfernt haben und am meisten assimiliert sind, sind die schwächsten, sie stehen der Ghettogesinnung am nächsten, denn Passivität ist letzten I ndes nur Ghettogesinnung. Was verlangt der Zentralverein von einem Menschen? Es ist klar, dal! man nicht von jedem verlangen kann, dali seine Worte und Gedanken immer nur das Ideale wiedergeben, zumal die Menschen auch verschieden sind. Aber es kommt darauf an, dali der einzelne etwas leistet. Er soll vor allein Aktivitätsgefühl haben. Dazu gehört es vor allen Dingen, dali er Mitglied einer Organisation wird, wie der Zentralverein es ist. Um dann zu begreifen, dali diese Organisation nicht nur eine Tätigkeit im Vereinssinne ist, ist es u. a. notwendig, dali die angesetzten Versammlungen besucht werden, in denen außerordentlich wertvolle, aufklärend'' Vorträge gehalten weiden, die einem Jeden die Möglichkeit geben, gegen antisemitische Angriffe persönlich vorzugehen. Es genügt nicht nur allein, dali solche Angriffe durch ein Rechtsschutzverfahren erledigt werden, sondern es ist — wie die 1 rfahrung gelehrt hat — tausendmal wertvoller, wenn ein beschimpfter Jude sich durch Kenntnis dei Dinge vor allem selbst verteidigen kann. Viele wertvolle Anregungen hierzu gibt auch die wöchentlich erscheinende Z. V.-Zeitung, die leider v iel zu wenig v on den Abonennten gelesen wird. Mau sieht, es gehört nicht viel dazu, um aktiv zu sein, und hätten wir mehr Leute, die unseren Dingen mehr Interesse zuwenden würden, dann stunde es viel besser um die jfidisdM Sache. Die Passivität lies judischen Bewußtseins macht uns jedoch das Leben schwer. Es darf nichts unversucht bleiben, um wieder Anschluß an die jüdische Geschichte zu gewinnen und jüdisches Schicksal freundlicher zu gestalten, a ls es heute dasteht. Da ein groller Teil der Passivität der Juden an der Unkenntnis der Dinge liegt, ist es empfehlenswert, -ich mit jüdischer Literatur zu befassen, die es in reichem Ausmaße gibt und die durch jüdische Buchhandlungen und tuen durch die Geschäftsstelle der Ortsgruppe Leipzig erhältlich i-t. Der Referent richtet am Schlosse seiner Ausführungen die Bitte an alle, ilie unsere Mitglieder sind oder werden wollen, zu hellen, um zur Stärkung des judischen Bewußtseins aktiv mit zu arbeiten und er betont, dali besonders die heutige Jugend darin eine der wichtigsten und ehrenvollsten Aufgaben sehen muli. Weill. •:in Jahr Deiusrii-.Indische .lujjemh>eineinschait in Leipzig Folgender Bericht geht uns zu: Vor einem Jahr unternahmen wir es, auch in Leipzig eine Ortsgruppe der D. J.J.Q zu gründen. Unsere bisherige Arbeit ist von Erfolg begleitet gew esen. Wesen und Aufgabe unserer Gemeinschaft ist die Erziehung junger Menschen im Sinne jugendlicher Lebensform auf der Grundlage der ■■BMf*J*^BVf*JaVHf*X^BlB^HBS] * rtiwrw:« ^^SB^M^sLAiSäL -eiiü ^^^MlfatM 3 Große Auswahl in Winterneuheiten Reine Wolle Wolle mit Seide ALSELA Reichsstraö«? 4-6 gtrmpjg* lieste QualiUU Bamberg Waschseide 2.95 Bern ierg- VVasdiseide 395 C

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