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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1927-11-21 · 42 (21.11.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
3 (1927)
Issue
42 (21.11.1927)
Date
1927-11-21
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 42 Der Agro-Joint, eine Zweigorganisation des American Joint Distribution Commlttee, die Jewissh Colonisation Association und verschieden»? andere Wohlfahrtsgesellschaften leihen ihre Mithi fe bei der Finanzierung und Durchführung der Kolonisation. Der fiilfsverein hat seine Popularität in der jüdischen Bevölkerung Rußlands nicht eingebüßt. Seine Bereitschaft, sich an der Arbeit für dieselbe wieder zu beteiligen, wird freudig begrüßt. Eine Reihe wich« tiger Aufgaben ist bei dem Wiederaufbauwerk noch zu erfüllen. In den Kolonien herrseht grober Mangel an Krankenhäusern, Ambulatorien, Badehäusem, Schulhäusern, Kindergarten und Kleinkinderbewahranstalten. Die Lehrwerkstätte in den städtischen jüdischen Gewerbeichulen bedürfen dringend weiterer Ausgestaltung. In der aufbauenden Arbeit auf diesen Gebieten wird die Leistung der deutschen Wir.- schaft und Technik von großei BeJeulung weiden können Der Hilfsverein richtet einen dringenden Appell an die Juden Deutsch) landS) die Mittel herbeischaffen ZU helfen, die es ihm ermöglichen sollen, sein Programm ZU verwirklichen. Zum Schluß schilderte Herr Willfried Israel plastisch und eindrucksvoll seine Erlebnisse auf einer Rußlandfahrl und den Kampf der russischen Judenheit um physische und wirtschaftliche Kegeueration; ein Kampf, der von der Judenheil in allen Ländern unterstützt werden muß. Der HilfsveiMii <«s' deutschen Juden beschloß, den folgenden Aufruf an die Judenheit in Deutschland ZU richten: „Seit dem Ende des Weltkrieges ist der fiilfsverein der deutschen Juden nicht an die Glaubensgenossen mit der Bitte herangetrten, gröbere Mittel für seine Aktie* zur Verfügung ZU stellen. Jet/t glaubt der Hilfsverein die Zeit gekommen, zur Fortführung seiner Arbeit in Deutschland auf dem Oebiete der Emigranten-, Pog.*omwaisen- und Studentenfürsorge, sowie zur Wiederaufnahme seiner Tätigkeit in Ru ß 1 a n d und im () r i e n t die M i t w i r k u n g der deutschen Juden wieder in stärkerem Malte in Anspruch nehmen ZU dürfen. Unter dem Drucke wirtschaftlicher Notwendigkeit vollzieht sich gegenwärtig in Rußland der Uebergang der Jud.n zum Ackerbatru nd zur industriel'e i Arbeit. Die zuständigen russischen Behörden fördern die ländliche Ansiedluug der Juden, die groben jüdischen Wohlfahrtsgesellschaften beteiligen sich an ihrer Durchführung. Der Hilfsverein. der als Vertreter der deutschen Judenheit für jüdische Auslandslinie in Deutschland seil Anfang des Jahrhunderts den Juden in Osteuropa und im Orient in bewegtes en Zeiten zur Seite gestanden hat, rechnet auch jetzt auf die tatkrätt gste Unterstützung der deutschen luden, die et ihm crmöglLl ea soll, an der Lösung der zurzeit im Vordergründe stehenden groben Aufgaben mitzuwirken. Am 15. März 1927 i-t Dr. Paul Nathan, einer der Begründerund Führer unserer Organisation, nach kurzem Leiden tiefbetrauert aus dem Leben geschieden. Wir deutsche Juden ehren sein Andenken auf die würdigste Weise, wenn wir für das jüdische Hilfswerk, das Lebenswerk Paul Nathan-, unsere ganze Kraft einsetzen. Unsere Sammelaktion beginnt im September 1')'27 in Berlin und im Reiche Spendet und werbet für unsere Aktion!" Unterzeichnet ist der Aufruf U. a. von Dr. h. c. James Simon als Vorsitzender, Generalkonsul l ugen Landau als stellv. Vorsitzender, Curt Sobernheim, Direktor der Commerz- und Privatbank A.-G. als Schatzmeister, Bankdirektor M. Joachimssohn als stellv. Schatzmeister, Prof. Dr. Moritz. Schäfer als Schriftführer, Frau Henriette May als stellv. Schriftführerin, ferner von Rabb. Dr. Leo Baeek, Berlin; Justizrat Dr. Blau, Frankfurt a. M.; Dr. Cohn, Staatsrat D. und Jusiizrat, Dessau; Berthold Israe., Inhaber der Fa. N. Israel, Berlin; Dr. Bernhard Kahn, Berlin, Georg Marv, Königsberg; Hermann Marx, Direktor der Deutschen Bank, Filiale Königsberg, Dr. Mayer, Geh. Oberregierungsrat, Karlsruhe; Prof. Dr. Lugen Mittwoch, Berlin? Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer, Präsident des Verbandes Bayrischer Israelitisschef Oentrinden, München; Prof. Dr. M. Sobernheim, Berlin; Bert hold Tinicndorfcr, Geh, Justizrat, Berlin; Max M. Warburg, Hamburg U. a. in. Tagung der Weltexekutive des Agudas Jisroel In Krakau tagte die Exekutive der Weltorganisation Agudas Jisroeh, Den Vorsitz führte der Präsident der Weltorganisation, Rabbiner Dr. PinchaS Cohn (Wien). Auch andere prominente Agudahführer waren anwesend, so Herr Jacob Rosenheim (Frankfurt a. M.), Dr. Deutschlinder (Wien), Dr. Bodenhdm (Wien), Herr Rabbiner von Sokolow, die Sejmdeputierten Kirschhraun und Stempel, die Senatoren Daitscher und Nauiuinger, sowie eine Reihe .inderer Persönlichkeiten aus Deutschland, England, Holland, Tschechoslowakei und Amerika. Der von Herrn Dr. PinchaS Cohn erstattete Bericht Über die politische Tätigkeil der Exekutive stellte anyehnliche politische Lrtolge auf der internationalen Arena fest. In der Angelegen' heit des üemeindegeset/es in Palästina hat die Agudali bei der Mandatarmacht gegen den Widerstand der Zionistischen Organisation die Aufnahme Wichtiger Bestimmungen durchgesetzt. Die Leitung der Agudah hat in wichtigen anderen Angelegenheiten Unterhandlungen mit der Mandatarmacht von Palästina und mit den Kreisen des Völkerbundes geführt. Ls ist zu beobachten, dab die Tätigxeit der Agudak bei europäischen Regierungen immer mehr Anerkennung findet. An das Reterat schloß sieh eine lebhafte Diskussion, in der manche Redner zum Ausdruck brachten, dali die politischen Erfolge nicht immer zulriedenstel.eud waren. Von einigen Rednern wurde gefordert, dall der Sitz der Exekutive von Wien nach einer westeuropäischen Stadt, am besten nach London, verlegt werden soll. Man kam Überein, daß der Zentralrat auf einer für den 27. Dezember festgesetzten speziellen Sitzung über den Sitz der Exekutive eine Entscheidung treffen soll. Nach Schluß der Sitzung der Exekutive fand eine gemeinsame Beratung zwischen den Mitgliedern dei Exekutive und des Zentralrates sowie der Leitung des Beth-Jakob-Sehulwesens statt, die ausschließlich Erzehungsfragen gewdmet war. Am 2. Sitzungstage berichtete Herr Dr. Pinehas Cohn über die r e c Ii 11 i c h e L a g e der J u il e n i n d e u verschiedenen Ländern und setzte die Qründc auseinander, weshalb die Agudas jisroel es a. (dehnt hat, an der Züricher Konferenz, zum Schutze der jüdischen Minderheitsrechte teilzunehmen. Sejm-Deputierter Kirsch brau Ii ergänzte diesen Bericht und beantragte die Schaffung eines politischen Komites aus der Mitte der Executive zur Verteidigung der jüdischen Rechte in Ländern, wo Juden in kompakten Massen wohnen. Auch diese Berichte gaben Anlaß zu lebhaften Auseinandersetzungen. Während eine Anzahl Redner,K irschbrauns Antrag zustimmte, brachten andere zur Geltung, dall eine solche Arbeit den Aufgabenkreis der Aguda als rein gesotzestrCUcr Organisation überschreitet. Schließlich wurde mit allen gegen eine Stimme beschlossen, ein Komitee für Rechtsschutz* arbeit zu gründen. Es setzt sich zusammen aus den folgenden 11 Personen: Dr. Pinehas Cohn-Wien, Jacob Rosenheim-Frankfurt a. M., Sali Guggenheim (tschechotlow. Konsul in Basel). Dr. Braun Tsche- Chlow.), die polnischen Deputierte i Kirschbraun, Rabb. L evin und Isaae Meir Lewih, Or Löwenstein-Zürieh, Dr. (ioldman-London. Prof. Weil (Frankreich) und Sejmdeputierter Rabbiner Dubin-Rlga. Hauptversammlung des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten in Breslau Die diesjährige Hauptversammlung des Reichsbundes judischer Frontsoldaten findet vom 22. bis J4. Oktober in Breslau statt. Am Sonnabend, den 22. Oktober beginnen die Verhandlungen der Bundes- Idtung mit den Landesverbands-Vorsitzenden. Abends vereinigen sich die Delegierten (es werden über i(Kl erwartet) mit den Mitgliedern der Breslauer Ortsgruppe zu einem zwangslosen Begrültungs- Bestellungen für feine jgflWBgj unter Tel. 20214 oder im Laden Augustusplatz erbeten. Inn.: Ernst Fischer kWNDlTGREi früher langjähriger Pächter der KAFFEE HAU/ Konditorei „Fürst RtlchtluMzJar

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