Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 41 (14.10.1927)
- Date
- 1927-10-14
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/4876568-5968785-5968988--1379-4879049- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
3 labraana. Dr. 41 1*. Oktober 1927 tmiWcblafr der Jsr&elitischen Am-HichzS Hdxkrickl:enl>li ^citr (/eHieindeverwd>ltH>f Äe l iqiongqz mzmdz 'm Äi^tq ClKiAUP fc> V Daa Gemein leblatt erscheint wöchentlich am Freitag. Den Mlt^l clsrn der Religionsgemeinde wird et un »tgsütict dirch die Post z ugistellt. Pevuispie.s tjr Nicntmitglieder monatlich 60 Pfennige. Anzeigenannahme: W Toi^her. Gln<-k*nstmn> II, Telephon 14440 Schhftleitunj: Gemeinderabb. Gustav Cohn, Le pzig, Lohrstr, 10, Telephon 29641. :: Druck und Verlag; W. Teiche:, Leipzig, Clockenstr. II, Telephon 14449. An zeigenpreise; Die 4 gespaltene mm Zeiie 20 Pfg. Familien- und kleine Anzeigen 10 Pfg. Ums .hlagseiten und Teitinserate nach besond. Tarif. Für den Inseratenteil J. Kühne, Relchelstr. 7 (Telephon 14449). Die Schrittleitung utemin.nit ful die unter dem Namen des Verfasseis erscheinenden Beiträge und die Vereinsnachnchten nur die preßgesetzliche Verantwortung Nachdruck nur mit Quellenangabe und Genehmigung des Verfassers gestattet. An alle Ellern! So schmerzlich es für uns ist, so fühlen wir doch die Verpflichtung, alle Eltern dringend auf d'e Bedenken hinzuweisen, die angesichts des Fortbestehens der Kinderkrankheit der Mitnahme von kleinen Kindern in die Gemeindesynagoge /um Gottesdienst am Vorabend des Simchas-Thora-Festes entgegenstehen. Von einem Verbot, Kinder mitzubringen, möchten wir absehen, machen aber die Eltern auf die Schwere ihrer Verantwortung bei Nichtbeachtung unserer Warnung aufn erksam. Leipzig, den 13, Oktober l()27. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig Laubhüttenfest in Volksbrauch und Volksleben Von Dr. Max Orunwald, Wien. Sogleich nach dein Schluß des Jomkippur wird noch au demselben Abende mit dem Bau der Sukka begonnen, /um mindesten der erste Nagel dazu eingeschlagen. „Michajil el chajil", ununterbrochen soll der Jude heiligem Werke obliegen. In der Schweiz wurde iu kleinen Gemeinden für die gemeinsame Laubhütte eine Steuer eingehoben, von der, wie von allen Qemeindcabgaben, in Friedberg (Hessen), mit Ausnahme des Schach ers, die Gemeindeangcstellten befreit waren. Oesterreich belastete unter Maria Theresia (l~ll) die mährischen Juden mit einer Steuer auf d e I ihrogim. Der alte Buxtorf sagt von diesen: „Die Citronen holen sie (die Juden) in Spanien, wie auch die Palmen-, Oel(!)- odei Myrthenzweige und reisen alle Jahr sechzehn Juden hinaus, führen mit sich heraus sovi I sie können, welche sie hernach durch das ganze Teutschland, wo Juden wohnen, verkanten, und hat mau erfahren, daß I ei diesen Zeiten (1729) manchmal ein Citron-Apfel hat I Gulden gekostet." Auch an den Fest« straub hat sich der Judeulialt geklammert, indem die Hachwcide, die nach der bekannteil Erklärung jene Juden! - repräsentiert, denen mau weder gute Taten noch edle < iesinnung nachrühmen! ann, von den Christen, wie eben Buxtorf, als Schmähung ihres Glauben gedeutet winde. Ebenso nahmen iu der anderen Auslegung der vier Pflanzenarten: Babylon, Persien, Griechenland und Horn selbst die Protestanten, um de i Juden ChristcnhaB /nr Last zu legen, die letzten Holle, die Roms, für sieh in Anspruch. Und wenn bei den Umzügen mit dem Lulaw um d.n Almemor, an denen übrigens, nach manchen Autoritäten, auch jene, die keinen Lulaw tragen, Bich betätigen sollen, den Mauern Ldoms von einigen Auslegern das Schicksal zugedacht wird, das den Mauern Jerichos widerfahren war, so fühlte sich das überempfindliche Gewissen mancher Judenfeinde auch davon betroffen. In Kriegszeiten, wie noch vor wenigen Jahren im Weltkriege, bereitete die Beschaffung der Ethrogim die größten Schwierigkeiten So berichtet Ascher Levi in -einen Memoiren aus dein Elsaß, daß im Jahre l()3(l dort keine I thnigim. iu Deutschland 1 1 erhaupt nur willige zu haben waren. Endlich brachte man iu seine Heimat zwei für Ethrogim ausgegebene Früchte, I iui^e Gemeinden laten sich zusammen, um sie aufzubringen, und durch Unten wurden sie tagtäglxh von der einen zur andern getragen. Als man sie aber später aufschnitt, erwies es sich, dall sie überhaupt keine Ethrogim, sondern einfache Zitronen waren. Zitronen, Pomeranzen u. dgl. gelten aber nicht als Ersitz für einen fehlenden Ethrog, während, falls kein Widdern >rn für den Scholar aufzutreiben war, das Horn eines anderen rituell re'nen Tieres, mit Ausnahme der Kuh. als solches zulässig war. Line besondere (käufliche) synagogale I hre bestand darin, daß der, der sie erworben hat e. wihren.l d.'s fialleh hinter dem Vorbetet stand und dieser ihm. sooft er der. Feststraufl im Gebet« geschwungen hatte, den Lulaw überließ, so dal! er gewissenmaßen bei der ü.llclre/itation der ganzen Gemeinde den Ton angab. Man nannte dies das „Nuchbenschen" (Nachbeten). Der Ethrog galt als so wert und heilig, dali mau Bedenken trug, ihn, statt zu dem bes taunten religiösem Zwecke, als angefordertes Geschenk für die Orisherrschaft zu verwenden. Hingegen trat ihn der einzelne einer fremden Gemeinde ab, wenn dieser keinen Ethrog zur Verfügung hatte. Aus dem Erl i ars den Ethrogim bezog, lau d;n „Schaj 1 kkanoth", der Rabbiner in Mähren einen Teil seines Gehaltes. Daß man den Lulaw bei „Hodu* schüttelt, wird mit I. Chronik 16,33 begründet, wonach das Hodu Bäumen zugeschrieben w ird, d e sMi dabei verneigen - Ken. Chol bamoed Sukkoth, die Zwischentage des Festes, waren verwandtschaftlichen Besuchen, besonders aber Reisen zu: Besichtigung einer angetragenen Partie gewidmet. Der Handelsverkehr war eingeschränkt, Wochenmärkte wurden nicht tesucht, hingegen Jahrmärkte und Messen. Auf einer Leipziger Messe war es an e nein