Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 38 (23.9.1927)
- Date
- 1927-09-23
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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3. laDrflMfl, l)r. 38 23. September 1927 faÄMÄ J^^^^^i^Efci^^i^i^J^tÜii^A^fci^^ ^^^^^^L^^M^LMM^HAkiBL^L^BA^MMH^flM^P^I * i #f*I . A/ 7 7 / n\l£X % ^. N Amtliches Nachrichten bl tyer GeHieiMcleverw<HH kz l iqiongqc ttfdinäe Das .")ft'n> ntoiart irscheint wöchentlich am Freitag "ian Mlt:lie2*rn 1er Reüyionsgemeinde wird es un MtgfltUcl <!.:ch die Fost vuucsteüt. Feim sp e r tür MI h'niitTl.-Her monatlich CO Pfennige. An7f iqei.annahm«. W r. -er "lockMttraB« 11, Telephon 14449 Sehrt! leiluna Jamttndarabb. Gustav ^onu. lc ^ztg. Lohrstr. 10. 1 el -phon 29541. Druck und Veriag. V». Teich», Leipzij. Glookenstr. 11, Telephon 4449. An 7eiqenoreise. l>>e 4 gespaltene mm-lrle -0 P?g. Fa mlttan und Heine Anicsgen 12 Pfg Un i .-.Ingsciter. und Te>tin3"ra..e nach besond. Ta;il. Fü: den!nse ratenteil: J. Kühne. Reichelstr. 7 (Telephon 141491. C:e Schrifrle-r ,nc übfrnimn I für Iii I wer dorr. N irren des Vertasseis erscncinendtn ßeilrane und die Verem3na:hr.chten nur die pteßgeseirlichc Verantwortung. Nachdruck iiui mit Quellen-ngahc si-.J Genehmigung des Verfasseis gestattet. I in- An alle Ellern! Mit Rücksicht auf die zur Zeil hier herrschende Kinderkrankheit machen wir, zunächst für das Neujahrsfest, folgendes bekannt: Der Kindergottesdienst im Feurichsaal findet an den Neujahrstagen nicht statt. Kinder unter 6 Jahren werden in kein Qotteshaus einge lassen. Schüler und Schülerinnen werden in die Qemeindesynagoge (Oottschedstraße) nui dann eingelassen, wenn si trittskarten vorweisen, aus denen hervorgeht, daß sie einen eigenen Platz haben. Eltern, die auf eigene Qefahr ihre Kinder dem Gottesdienst im Saale des Städt Kaufhauses zuführen wollen, können im Laufe des Montagvormittag im Gemeindeamt unentgeltlich Schülerkarten erhalten; ohne Eintrittskarte wird auch hier kein Kind eingelassen. Bezüglich des Versöhnungstages bleibt Mitteilung vorbehalten. Der Vorstand der israelitischen ReligioiisgeineiiKlc zu Leipzig Leipzig, den 22. September 1927 Aus der Geisfeswelt unserer Neujahrsgebete Von Rabbiner Dr. Hölzer, Worms. Auf welcher stufe der Entwicklung mau die Religion auch betrachten nag, auf der Stufe des primitiven Menschen oiler aul den Höhepunkten der Kultur, überall erweist sich das Gebet als das wichtigste Stück derselben. Wo immer Religion lebt und so lange sie lebt, äußert sie sich im Oebet, ist Gebet der natürliche, elementare und unerläßliche Ausdruck derselben. In dieses mündet sie, ergießt sie sieh und aus ihm erneuert sie sieh, schöpft sie neue Kraft, neuen Antrieb und Schwung. I >.is Oebet ist daher ebenso sehr das lebenweckende und lebenerhaltendc (h*gan wie" die KristatUsationsform, die Erscheinungsweise jeder Religion. Was der Religiöse fühlt und denkt, die tiefsten und geheimsten Regungen und I mpfindungen seines Innern, die ethischen Ideale seines Herzens und lie höchsten Erkenntnisse seines Oeistes, er trägt sie in das (lebet hinein, hier leben sie w ieder auf. Im Oebet besitzen wir daher ein Spiegelbild, und sicherlich das getreuestc und zuverlässigste, ciuci jeden Religion. Wissenschaftliche Darstellungen, Beschreibungen mögen ein objektives Bild einet Religion uns entwerfen wollen, sie werden inner einen Rest von Subjektivität enthalten. Sie mögen Objektivd.it anstreben, sie werden sie aher nicht erreichen, weil sie das letzie Subjektive nicht Völlig ausmerzen, fernhalten können. Oanz abgesehen davon, dai; sie ja ciit genug zugestandenermaßen nur verteidigen, also apologetisch sein, und damit auch subjektiv sein wollen.' Oanz anders das Oebet liier ist nichts gemachtes, Absichtvolles, auf aullere Wirkung Uerechnetes, hier ist alles Natur, alles Wahrheit, Unmittelbarkeit Angesichts dieses für jeden Denkenden ölten ZU läge liegenden Tatsachenkomplexes kamt mau sich nicht genug darüber wundern, dali das jüdische Oebet so scheu /um Gegenstand einer Untersuchung, einer Prüfung auf seinen geistigen, ethischen und seelischen Qehalt gemacht worden ist. Gewiß, Ansätze dazu sind vorhanden, da und dort begegnet mau einzelnen Ausführungen hierüber. Aber im Zusammenhang und eingehend ist darüber noch nicht gehandelt worden. Daß diese Erkenntnis, die Ergebnisse solcher I Orschung nun gar in weitete Kreise, auch nur unserer Glaubensgenossen, gedrungen wären, daß sie AUgemeinbesitz unserer Gemeinschaft geworden sind, kann mau wahrlich mein behaupten. Im Gegenteil, man darf wohl die Behauptung wagen; daß von unserer Religion nichts weniger bekannt ist als der geistige Gehalt, die Ideenwelt, die Seele unserer Gebete. Wer weiß, ob nicht gerade dieser bedauerliche Mangel es ist, der unsere alten, ehrwürdigen liebele aus dem täglichen Leben vielfach herausgedrängt, unseren i lotteshänsern viel* Bftet entzogen hat. Was nun in dieser Hinsicht unsere liebete zu geben vermögen, was sie uns sein können, mag liier an einigen wenigen Stücken unserer Neujahrsgebete nur beiläufig aufgezeigt werden. Schon das erste Stück unserer Neujahrsgebete. das wir in der Tefilla. dem Hauptgebet unseres Festes, sprechen und das mit den Worten beginnt: -pne ]n pjfl lulut uns auf eine Hohe, ja auf die strahlendste Hohe alles .\\e.ii>che|ituius. alles Sinnens und IVrtkens, alles 1 uhleus und Wolle»*. Schon .m dieser Stelle MM der